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Stadtfest-Überfall: Nur fünf Täter bekannt

Am Freitagnachmittag endet der Prozess gegen zwei Dresdner Rechtsextreme, die für einen der schwersten rassistischen Angriffe verantwortlich sein sollen.

Das Foto vom Dresdner Stadtfest 2016 zeigt eine Hebebühne, die aus Angst vor einem islamistischen Terroranschlag als Wachturm genutzt wurden. Nachts machten dann Rechtsextreme Jagd auf Ausländer, um sie wahllos zu attackieren.
Das Foto vom Dresdner Stadtfest 2016 zeigt eine Hebebühne, die aus Angst vor einem islamistischen Terroranschlag als Wachturm genutzt wurden. Nachts machten dann Rechtsextreme Jagd auf Ausländer, um sie wahllos zu attackieren. © Archiv: Christian Juppe

Dresden. Am 21. August 2016 haben mehrere Dutzend Täter auf dem Dresdner Stadtfest gezielt Jagd auf Ausländer gemacht. Die Schläger sprachen von sich als „kleine Bürgerwehr“, waren dunkel gekleidet oder trugen Kleidung mit Emblemen von Dynamo Dresden, viele hatten ihre Gesichter vermummt.

Kurz nach Mitternacht marschierten sie über das Gelände der Drewag-Party neben der Augustusbrücke, dann hinunter zum Neustädter Elbufer, wo sie sofort auf Menschen losgingen, die eine dunkle Hautfarbe hatten oder anders als vermeintliche Ausländer zu erkennen waren. Der Angriff dauerte nur wenige Minuten und war zunächst kaum wahrgenommen worden. Doch einige Gruppen, die in der warmen Sommernacht auf den Elbwiesen gesessen hatten, waren übel zugerichtet worden, unter- und oberhalb der schönen alten Brücke.

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15 verletzte Ausländer

Staatsschutzermittler des Landeskriminalamtes Sachsen und Ermittler der Generalstaatsanwaltschaft haben in jahrelanger Kleinarbeit die rassistische Tat, soweit es möglich war, rekonstruiert. 15 Menschen aus dem Irak und aus Afghanistan zählten zu den polizeibekannten Opfern, zehn von ihnen waren zum Teil lebensbedrohlich verletzt worden – das macht den von langer Hand geplanten Überfall auf wahllose Opfer zu einer der schwersten rechtsextremistischen Gewalttaten der vergangenen Jahre in Dresden.

Auch ein weiterer Umstand macht die Tat zu einer Besonderheit. Im August 2016 stand die Sicherheit der Festbesucher im Mittelpunkt der Stadtfest-Organisatoren. Wenige Wochen zuvor hatte es eine Reihe islamistischer Anschläge gegeben, unter anderem in Nizza. Und so war die Furcht vor einem Terroranschlag mittels Lkw besonders hoch. Es wurden Wachtürme aufgebaut, Polizisten mit automatischen Waffen sicherten das Gelände weiträumig ab – doch dagegen, dass eine Gruppe Neonazis zahlreiche Ausländer angreift, gab es offensichtlich weder Schutz noch Vorkehrung.

Kronzeuge belastet drei mutmaßliche Mittäter

Das dürfte einer der Gründe sein, warum noch immer nur ein Bruchteil der Täter identifiziert werden konnte. 2017 wurde ein zur Tatzeit Heranwachsender verurteilt, der auch Mitglied in einer rechtsextremen kriminellen Vereinigung war. Er hatte gestanden. 2018 wurde ein 34-Jähriger für seine Beteiligung verurteilt, der jedoch nicht gestanden hatte. Er wandte sich jedoch danach an die Polizei und packte aus. So gerieten drei weitere Rechtsextreme ins Visier. Ein erster wurde Anfang 2020 am Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Dresden verurteilt.

Die beiden anderen, Christian L. (31) und René H. (35), stehen seit September 2019 wegen Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung vor dem Landgericht Dresden. Auch in ihrer Anklage heißt es, sie sollen als "kleine Bürgerwehr" in jener Nacht Jagd auf Ausländer gemacht haben.

Ihr Prozess endet nun nach einem Jahr und elf Monaten . Die Generalstaatsanwaltschaft forderte nach der rund 50-tägigen Verhandlung mehrjährige Haftstrafen. Die Verteidiger plädierten dagegen auf Freispruch, die Beweise seien nicht ausreichend und der Belastungszeuge nicht glaubwürdig.

Am heutigen Freitag, 16 Uhr, wird die Kammer ihr Urteil im Gerichtssaal am Dresdner Hammerweg verkünden.

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