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Streit endet mit Stich in den Magen

Familienfehde überschattet Dresdner Prozess. Ein 22-jähriger Mann steht seit Mittwoch wegen versuchten Mordes vor dem Schwurgericht.

Der Angeklagte Lawin P. spricht mit seinem Verteidiger Jürgen Saupe (r.). Zum Prozessauftakt macht der 22-Jährige von seinem Schweigerecht Gebrauch.
Der Angeklagte Lawin P. spricht mit seinem Verteidiger Jürgen Saupe (r.). Zum Prozessauftakt macht der 22-Jährige von seinem Schweigerecht Gebrauch. © SZ/Alexander Schneider

Dresden. Eine 22-jährige Kurdin aus dem Irak wurde im Februar abends im Hugo-Bürkner-Park in Strehlen niedergestochen. Seit Mittwoch steht Lawin P., ein ebenfalls 22-jähriger Landsmann des Opfers, wegen versuchten Mordes vor dem Landgericht Dresden.

Er soll die 22-Jährige am Abend des 2. Februar bedroht haben, damit sie ihn nach Italien begleitet. Weil sie das jedoch ablehnte, habe P. der Frau laut Anklage aus Heimtücke mit einem Messer in den Bauch gestochen und sie lebensbedrohlich verletzt. Der Angeklagte werde vorerst schweigen, erklärte Verteidiger Jürgen Saupe.

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Schnelle Hilfe einer Autofahrerin

Die junge Frau hatte angesichts der schweren inneren Verletzungen großes Glück. Uljana S., eine 49-jährige Historikerin, hatte an dem Abend mit ihrem Auto an der Haltestelle Corinthstraße gestoppt, weil ihr Sohn nach einer Busverbindung schauen wollte. Da war ihr die 22-Jährige aufgefallen, die dort stand. Als die Zeugin fragte, ob sie helfen könne, habe die Frau ihre Kleidung angehoben, sodass ihre Stichverletzung zu sehen war.

Sie habe die Frau sofort in eine Klinik gefahren, sagte S. Auch der Angeklagte stand an der Haltestelle. Er sei mitgefahren - und habe im Auto viel geredet und auch geweint. Sie habe das Gefühl gehabt, dass er auf die Verletzte bedrohlich gewirkt habe, so die Zeugin.

Der Vorsitzende Richter Herbert Pröls lobte Uljana S. für ihre Courage. Ein solcher Einsatz sei leider nicht selbstverständlich, sagte er. Nach der Vernehmung der 49-Jährigen bedankte sich auch der Angeklagte bei der Frau vor dem Gerichtssaal, als er zur Mittagspause von Wachmännern in den Haftkeller geführt wurde.

Mehrstündige Notoperation

Die Ärzte hatten in jener Sonntagnacht in der Uniklinik in einer etwa fünfstündigen Operation um das Leben der jungen Frau gekämpft. Der Messerstich hatte mehrere Organe verletzt. Polizisten trafen in der Klinik mehrere Angehörige des Opfers an. Lawin P., der sich als Freund des Opfers bezeichnet hatte, baten sie mit aufs Revier für eine Zeugenvernehmung.

Dort habe sich der 22-Jährige in Widersprüche verwickelt. Angaben zum Geschehen, wie er seine Freundin verletzt vorgefunden haben will, passten nicht zusammen. Noch am frühen Montagmorgen, es war bereits nach 4 Uhr, wurde P. zum Beschuldigten - und festgenommen.

Ein Kripobeamter wurde stutzig, weil P. neben seinem auch das Handy der Verletzten bei sich hatte. Der Beamte vom Kriminaldauerdienst stellte fest, dass von ihrem Handy Fotos, die die Geschädigte zeigten, an P.s Handy geschickt worden waren - nach der Tat. Darüber hinaus habe er den Eindruck gehabt, dass Whatsapp-Chats und Instagram-Posts gelöscht worden waren.

Vergewaltigung auf der Flucht?

Die Familien von Lawin P. und der Geschädigten kannten sich offenbar schon vor ihrer Flucht. Während die Familie der 22-Jährigen schon viele Jahre in Deutschland lebt, reiste die Tochter etwa 2017 mit der Familie des Angeklagten nach Deutschland. Ein Jahr habe die Flucht gedauert, berichtete die Mutter der Geschädigten. Möglicherweise soll P. ihre Tochter in der Zeit vergewaltigt haben. Er sei Vater des Kindes, das ihre Tochter nach der Entbindung nicht angenommen habe, so die 44-jährige.  

Während die Familie des Angeklagten eine Heirat der beiden forderte, habe ihre Familie das abgelehnt, so die Mutter. Es gab immer wieder Ärger. So habe P. gefakte Nacktfotos von ihrer Tochter ins Netz gestellt und sie gegenüber Verwandten im Irak als Prostituierte dargestellt. "Er macht den Ruf der ganzen Familie schlecht", sagte die 44-Jährige.

Klare Ansage an künftige Zeugen

Der Angeklagte lebte in Dresden und arbeitete in einem Imbiss bei Mannheim in Baden-Württemberg. Mehr wurde von dem Mann zunächst nicht bekannt.

Er soll immer wieder versucht haben, Kontakt zu der 22-Jährigen aufzunehmen. Zuletzt drohte dem Angeklagten offenbar die Abschiebung nach Italien - und P. hatte sich eingebildet, die 22-Jährige würde ihn begleiten.

Das Gericht scheint zu fürchten, dass die Lager der beiden kurdischen Familien von Täter und Opfer den Prozess überschatten könnten. Der Vorsitzende Richter machte schon zu Beginn der Hauptverhandlung klar, dass Falschaussagen hart bestraft würden.

Der Prozess wird fortgesetzt. Das Gericht hat vorerst vier weitere Sitzungstage bis Anfang November geplant.

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