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Alarmierende Entwicklung bei Unfällen in Dresden

Die Zahl der Verkehrsunfälle ist zurückgegangen. Das liegt auch an Corona, sagt die Polizei. Dennoch ist es für eine Fahrer-Gruppe gefährlicher geworden.

Blumen, Kerzen, Kuscheltiere und Abschiedsbriefe: Die Anteilnahme am Tod des Sechsjährigen, der im August 2020 von einem Auto erfasst wurde, war groß.
Blumen, Kerzen, Kuscheltiere und Abschiedsbriefe: Die Anteilnahme am Tod des Sechsjährigen, der im August 2020 von einem Auto erfasst wurde, war groß. © Archiv/Christian Juppe

Dresden. Dieser Unfall erschütterte im vergangenen Jahr die Dresdner. Auf der Budapester Straße starb am 22. August ein sechsjähriger Junge bei einem Autounfall. Er war von einem Mercedes erfasst und gegen die Glasscheibe einer Haltestelle geschleudert worden. Der Verdacht: Der Mercedesfahrer war an einem illegalen Rennen beteiligt. Der Prozess gegen ihn und seinen "Gegner" läuft noch. Den zwei Rasern droht eine Verurteilung wegen illegalen Kfz-Wettrennens mit Todesfolge, dem 32-jährigen Hauptangeklagten darüber hinaus ein Schuldspruch wegen fahrlässiger Tötung.

Der Sechsjährige musste büßen für den Leichtsinn und die Unvernunft der zwei Angeklagten. Nun ist er traurige Ausnahme in einer Statistik, die die Polizei am Freitag veröffentlicht hat. Danach ereigneten sich im vergangenen Jahr in Dresden 12.655 Verkehrsunfälle - fast elf Prozent weniger als 2019. 2020 wurden insgesamt 2.437 Menschen verletzt, zehn kamen ums Leben, darunter nur ein Kind - der Sechsjährige, der bei dem illegalen Rennen überfahren wurde.

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Mit Unfallzahlen sinkt auch Zahl der Verletzten

Mit der Zahl der Unfälle ist auch die Zahl der Verletzten zurückgegangen. 2019 waren es insgesamt mehr als 2.610, im vergangenen Jahr knapp 2.430. Darunter waren im vorletzten Jahr 407 schwer Verletzte. Auch diese Zahl ist leicht gesunken, im vergangenen Jahr registrierte die Polizei 404 schwer Verletzte. Die Zahl der Unfalltoten ist dagegen gestiegen - von sieben auf zehn. Das ist ein Höchstwert im Vergleich der vergangenen fünf Jahre. 2016 waren es neun, in allen anderen Jahren zum Teil deutlich weniger.

Gegensätzliche Entwicklung beim Radverkehr

Die Zahl der Radfahrer in Dresden nimmt zu, auch die Zahl der Wege, die mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Die Fahrradläden berichten von einem regelrechten Boom. Das spiegelt sich auch an den Unfallzahlen wider, sagt der Leiter der Dresdner Verkehrspolizei Gerald Baier. Deshalb passe die Zahl der Radunfälle im Vergleich zur Gesamtzahl der Unfälle im vergangenen Jahr auf den ersten Blick auch zur Zahl der Wege, die in Dresden mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Das seien 15 bis 17 Prozent aller Wege, sagt der Verkehrspolizei-Chef. An etwa zwölf Prozent aller Unfälle waren 2020 Radfahrer beteiligt. In absoluten Zahlen: Insgesamt 1.659 Radfahrer waren im vergangenen Jahr an Unfällen beteiligt.

Die Zahl der Verletzten belegt: Radfahrer sind besonders gefährdet. 60 Prozent aller Unfälle mit Verletzten waren im vergangenen Jahr Unfälle mit Radfahrern. "Es waren zum ersten Mal mehr als 1.000 leicht Verletzte und mehr als 200 wurden schwer verletzt", sagt Baier. In der am Freitag veröffentlichten Polizeistatistik für 2020 steht: Insgesamt waren es 1.371.

Hauptursachen sind unverändert

Mit fast 20 Prozent waren Vorfahrts- und Vorrangfehler wieder die häufigsten Unfallursachen bei Verkehrsunfällen mit Verletzten. Weiterhin gehören "Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren" mit etwas weniger als 19 Prozent aller Unfallursachen zu den häufigsten Gründen für Kollisionen in der Stadt. Knapp acht Prozent aller Unfälle passierten, weil die Fahrer zu schnell waren. Ebenso viele, weil der Abstand zum Vorausfahrenden zu knapp war.

Die Zahl der Verkehrsunfälle, bei denen Fahrer unter Alkohol- oder Drogeneinfluss beteiligt waren, fiel leicht auf 225 gegenüber 227 im Jahr 2019. 189 und damit 84 Prozent dieser Unfälle wurden von Personen verursacht, die unter Alkoholeinfluss standen.

Unfallverursacher sind häufiger geflohen

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Die Zahl der Unfallfluchten ist rechnerisch um 9,2 Prozent zurückgegangen. 2019 sind 4.121 Unfallbeteiligte geflüchtet, im vergangenen Jahr waren es 3.743. Weniger Verkehr wegen Corona bedeute weniger Unfälle, also auch weniger Unfallfluchten, erklärt die Polizei diesen Rückgang. 1.371 Unfallverursacher konnten nachträglich von der Polizei ausfindig gemacht werden. Damit lag die Aufklärungsquote bei 36,6 Prozent - etwa drei Prozent über dem Wert des Vorjahres.

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