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"Backen ist wie Politik: Man braucht..."

Wenn Rasha Nasr Dresdnern einen Cupcake in die Hand drückt, geht es um Politik. Die SPD-Bundestagskandidatin macht so Wahlkampf. Was sie vorhat.

Rasha Nasr ist gebürtige Dresdnerin mit syrischen Wurzeln. Sie will für die SPD in den Bundestag.
Rasha Nasr ist gebürtige Dresdnerin mit syrischen Wurzeln. Sie will für die SPD in den Bundestag. © Christian Juppe

Dresden. Backrezepte für die Zukunft nennt Rasha Nasr (SPD) ihren Ansatz, wie sie die ihr wichtigen politischen Anliegen vermittelt. Mit Cupcakes, also kleinen Kuchen, will sie für eine Überraschung sorgen. "Ich werde den großen Playern in meinem Wahlkreis das Feld nicht überlassen", kündigt Nasr an. Was ihr Mut macht.

Eine Art Backbuch für die Politik, selbstgemachte Marmelade und viele unterschiedliche Cupcakes - wer Rasha Nasr begegnet, denkt nicht zuerst an Politik. "Das ist eben authentisch", sagt sie. "Ich backe gerne, dabei kann ich abschalten und nachdenken." Und Cupcakes seien schließlich vielfältig wie die Gesellschaft.

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"Backen ist wie Politik: Man braucht die richtigen Zutaten, Geduld und dann kommt etwas Gutes dabei heraus", sagt die SPD-Direktkandidatin für den südlichen Dresdner Wahlkreis für die Bundestagswahl. Bisher arbeitet sie für den Dresdner Landtagsabgeordneten Albrecht Pallas, leitet dessen Büro. Nun zieht es sie selbst in die Politik.

Von drei Hauptthemen spricht die 29-Jährige. Das sind gute Arbeit, Chancengleichheit und Antirassismus für Nasr. 120.000 Sachsen erhalten Mindestlohn, rechnet sie vor. "Wir wollen mindestens 12 Euro pro Stunde, das würde dann auch die anderen Löhne anheben." Für eine bessere Bezahlung für Arbeitende müssen aber auch die Betriebe nach Tarif zahlen. "Das kann Politik nicht vorgeben, aber festlegen, dass öffentliche Aufträge nur noch an Betriebe gehen, die Tarif zahlen", so Nasr. Das Relikt aus Zeiten von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) - Hartz IV - müsse abgeschafft werden. Ebenso die ungleiche Bezahlung zwischen Männern und Frauen.

"Ich will in Berlin Politik für Dresden machen"

Eine Kindergrundsicherung, kostenfreier Nahverkehr für Schüler, Ganztagsangebote, Kindergeld gestaffelt nach Einkommen und ein Freizeitkonto für alle Kinder könne zu mehr Chancengleichheit führen. Rassismus könne begegnet und die Demokratie gestärkt werden, indem beispielsweise Personengruppen, die Rassismus ausgesetzt sind, gezielt in Verwaltungen und Politik geholt werden. Außerdem sollen Einrichtungen, die Demokratie-Arbeit machen, mehr gefördert werden, beispielsweise Jugendhäuser und Integrations-Initiativen. Zudem fordert Nasr ein Einwanderungsgesetz. "Das Dublin-Verfahren ist nicht nur unfair, es schadet. Deutschland und auch Dresden sind auf Fachkräfte aus dem Ausland angewiesen."

Die Punkte, für die sie kämpft, sind in Nasrs Cupcake-Wahlbroschüre quasi als Backanleitung erklärt. "Sie bringen auch für Dresden konkrete Verbesserungen. Ich will die Berliner Politik in Dresden greifbar machen." Sie wolle den Dresdnern erklären, was sie konkret im Bundestag tut, wenn sie sie rein wählen. "Und ich werde die Leute in den Bundestag einladen."

Aber viel ihrer Zeit werde sie in ihrer Heimatstadt Dresdner verbringen. "Dresden ist und bleibt mein Zuhause. Ich will in Berlin Politik für Dresden machen." Dafür müsse sie wissen, was den Dresdnern wichtig ist.

Platz Nummer vier auf der sächsischen SPD-Liste klingt zwar ganz gut, ist anhand der bisherigen Ergebnisse der SPD aber noch lange nicht sicher. Dass sie unter anderem gegen bekannte Politikerinnen und Politiker wie die Linke Bundestagsabgeordnete Katja Kipping, AfD-Rechtsaußen Jens Maier und den Dresdner CDU-Chef Markus Reichel um das Mandat antritt, macht Nasr nicht nervös.

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"Ich weiß, es wird schwierig." Sie werde ihnen aber nicht das Feld einfach so überlassen. "Wenn wir als SPD eines können, dann kämpfen", macht sich Nasr Mut. Und sie wolle mit der SPD in die Regierung, allerdings in einem "progressiven Bündnis" ohne CDU und CSU.

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