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Video: Waldohreulen brüten mitten in Dresden

Ein Eulen-Paar hat Nachwuchs in einem mistelüberwucherten Baum in der Johannstadt. Ein Hobbyfotograf hat beste Sicht darauf aus seiner Wohnung.

Eine junge Waldohreule, gut versteckt zwischen Mistelzweigen in der Johannstadt.
Eine junge Waldohreule, gut versteckt zwischen Mistelzweigen in der Johannstadt. © Wolfgang Krause

Dresden. Flugverkehr auf dem Ahorn neben seinem Johannstädter Wohnhaus ist Wolfgang Krause gewohnt. Immerhin brüten die Elstern dort schon eine ganze Weile. Doch als plötzlich seltsame, pfeifende Geräusche aus dem Baum erklingen, schaut der Hobbyfotograf genauer hin. Und entdeckt in der vergangenen Woche ein Waldohreulenpärchen im Baum.

Sie haben ein verlassenes Elsternest inmitten einer großen Mistel für sich entdeckt. Das erste von drei Jungtieren ist am Mittwoch vergangener Woche aus dem Nest geklettert und sitzt seitdem auf einem Ast nahe dem Nest. Kurz darauf kam auch der zweite Jungvogel heraus. Nur das kleinste der Jungen hockt noch im Nest. "Vor Kurzem ist eines der Geschwister zu dem Kleinen geklettert, als wollte er ihn ermuntern auszusteigen. Aber es hat noch nicht geklappt", sagt Krause.

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Der 71-Jährige hat sich belesen. "Mit den charakteristischen Pfeifrufen, die im Abstand von wenigen Sekunden erklingen, zeigen die Jungen nach Einbruch der Dämmerung den Alttieren ihren Standort an, damit sie gefüttert werden können", sagt der Rentner. Wenn die kleinen Eulen aus dem Nest kommen, sind sie in der Regel drei Wochen alt.

Die Elterntiere sind durch hellbraunes Gefieder mit schwarzer Strichelung gut in Bäumen getarnt. Charakteristisch für sie sind die auffallend großen Federohren.
Die Elterntiere sind durch hellbraunes Gefieder mit schwarzer Strichelung gut in Bäumen getarnt. Charakteristisch für sie sind die auffallend großen Federohren. © Wolfgang Krause

Direkt aus seinem Fenster im dritten Stock, genau in Augenhöhe, kann Wolfgang Krause die Entwicklung der Jungtiere beobachten. "Es ist faszinierend, wenn sie auf den Ästen herumklettern", sagt der Hobbyfotograf. Dabei geht das Leben der Eulen gegen 17.30 Uhr erst richtig los. Sie jagen in der Dämmerung und nachts. Dafür dürfte das Johannstädter Elternpaar die Elbwiesen nutzen, denn Waldohreulen benötigen offenes Gelände mit möglichst niedrigem Pflanzenwuchs. Bäume dienen ihnen nur als Ruhe- und Brutplatz.

"Diese abendliche und nächtliche Aktivität ist für mich natürlich komplizierter, weil das Licht dann immer mehr abnimmt", sagt Krause. Hat er zunächst mit einem Stativ versucht, gute Aufnahmen zu machen, merkte er schnell, dass er ständig die Position wechseln muss, um durch die Zweige ein gutes Motiv zu erhalten. "Das geht besser mit der Kamera in der Hand. Am Dienstagabend bin ich eine halbe Stunde damit durch die Wohnung gelaufen. Das ist eine tolle Unterhaltung für uns. Auch meine Frau erfreut sich sehr an den jungen Eulen."

Die Jungtiere sind von dünnen grauen Dauen bedeckt und haben eine auffällige schwarze Gesichtsmaske. Schon gut erkennbar: die Ohren.
Die Jungtiere sind von dünnen grauen Dauen bedeckt und haben eine auffällige schwarze Gesichtsmaske. Schon gut erkennbar: die Ohren. © Wolfgang Krause

Durch die lauten, intensiven Rufe der jungen Eulen sind auch weitere Nachbarn aufmerksam auf die Tiere geworden. Aber die sitzen tagsüber wie im Halbschlaf auf ihrem Ast, meist eng aneinander gekuschelt, und bewegen sich kaum, bevor es abends losgeht. Dann bringen die Elterntiere vor allem Mäuse, aber auch Singvögel. Reste von Federn und Haut hat Wolfgang Krause kürzlich noch morgens auf einem Ast gesehen.

Interessant ist für Krauses auch, dass sich Elstern und Eulen, deren Nester nur 1,20 Meter in der Höhe voneinander im Baum entfernt sind, gut vertragen. "Ich habe miterlebt, wie eines der Elterntiere der Elstern ein Eulenjunges aus nächster Nähe betrachtet, aber ihm nichts getan hat." Dagegen verbünden sich die beiden Vogelarten, wenn Krähen den Nestern zu nahe kommen. "Dann gibt es Terror."

Mindestens elf Wochen lang werden junge Waldohreulen von ihren Eltern gefüttert. Also noch etwas Zeit für Wolfgang Krause, tolle Aufnahmen von den Tieren zu machen. Allerdings weiß der Dresdner Eulenexperte Klaus Fabian, dass die Eltern bald anfangen werden, die Jungtiere ins Freie zu locken, wo sie dann selbst jagen müssen. Doch noch ist es nicht soweit. Wolfgang Krause hatte sogar die Gelegenheit, die Jungen zu filmen.

Dabei ist Krause eigentlich gar nicht der Naturfotograf, wie er selbst sagt. "Mir kommt es mehr auf ein stimmiges Bild an. Die Motive sind bei mir breit aufgestellt, darunter auch Achitekturaufnahmen." Aber er ist sicher, dass er in seinem Fotoclub "Zum Knipser" gut mit seinen Bildern der jungen Waldohreulen ankommt.

Die Waldohreule ist nach dem Waldkauz die zweithäufigste Eulenart, die sich in Dresden angesiedelt hat. Klaus Fabian von der Fachgruppe Ornithologie Dresden im Naturschutzbund Deutschland (Nabu) erstellt jährlich einen "Eulenbericht" für die Stadtverwaltung und erfasst die Tiere. Nach seinen Schilderungen ist die Waldohreule erst in den 1990er-Jahren als Brutvogel im Stadtbereich aufgetaucht und verbreitet sich seitdem im dicht besiedelten Gebiet bis nahe an den Hauptbahnhof heran. Sie bevorzugt Stadtteile mit größeren Kiefernbeständen, in denen ausreichend Krähennester vorhanden sind, die sie zur Brut nutzen kann. In den vergangenen Jahren konnten bis zu 40 erfolgreiche Bruten bei etwa 60 Brutpaaren der Waldohreule in Dresden registriert werden, so Fabian.

Um den Eulen möglichst gute Brutbedingungen anzubieten, haben die Untere Naturschutzbehörde der Stadt sowie ehrenamtliche Naturschutz-Gruppen und Einzelpersonen rund 150 Eulenbrutkästen angebracht. Sie dienen Schleiereule, Waldkauz, Rauhfußkauz und Steinkauz als Nistmöglichkeit und wurden von ehrenamtlichen Mitarbeitern der Wildvogelauffangstation in Kaditz gebaut.

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Laut dem Eulenexperten Fabian ist es wichtig, durch Gespräche in der Bevölkerung und Vorträge die Toleranz gegenüber der nächtlichen "Lärmbelästigung" durch die Rufe der Eulen zu verbessern.

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