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Winzer Zimmerlings neue Dresdner Vinothek

Neun Jahre haben er und seine Frau gekämpft, um das Häuschen im Außenbereich zu ermöglichen. Das soll ab 2021 vielseitig genutzt werden.

Freuen sich auf ihre neue Vinothek, in der Kunst und Wein eine Verbindung eingehen: Das Ehepaar Klaus Zimmerling und Malgorzata Chodakowska.
Freuen sich auf ihre neue Vinothek, in der Kunst und Wein eine Verbindung eingehen: Das Ehepaar Klaus Zimmerling und Malgorzata Chodakowska. © Sven Ellger

Dresden. Wie Bauen im Einklang mit der Pillnitzer Natur gelingt, hat Winzer Klaus Zimmerling schon mit seinem Weinkeller gezeigt, der 2008 entstanden ist. Der duckt sich unterhalb der Rysselkuppe an den Hang, den Eingang begrenzen zwei halbrunde Häuschen. Auf seinem Dach posieren die schlanken Bacchantinnen von Zimmerlings Frau Malgorzata Chodakowska. Nur wenige Meter entfernt entsteht die neue Vinothek des Paares. Auch sie greift die Formen der Umgebung auf wie die des dahinterliegenden Weinberges oder chinesische Elemente von Schloss Pillnitz.

Schon kurz nach Eröffnung des Weinkellers 2008 am Bergweg war klar, dass der für den Ausschank nicht ausreichen würde. Die Leute pilgerten an schönen Tagen zum Winzer, der nicht mit diesem Ansturm rechnete. "Wir hatten den Keller für die Lagerung geplant, weil wir unseren Wein hauptsächlich über Händler und Gastronomen vertrieben haben", erinnert sich Zimmerling. Doch die Gäste kamen so zahlreich, dass schnell klar war: Ein neues Ausschankgebäude muss her. Aber im Außenbereich, mitten im Landschafts- und Denkmalschutzgebiet, war das eine Herausforderung, die fast neun Jahre zähes Ringen seit der Beantragung der Baugenehmigung erforderte. "Aber wir haben nicht aufgegeben, und jetzt entsteht die Vinothek", sagt Zimmerling und zeigt stolz auf das runde Gebäude mit den großen  Fenstern.  

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Aus dem Oktogon wurde ein Rundbau

Eigentlich hatte Architekt Andreas Weise ein Oktogon geplant. "Aber wir sind mit dem jetzigen Rundbau sehr glücklich, er passt auch viel besser zum Keller", sagt Zimmerling. "Mit Andreas Weise haben wir einen Architekten, der unsere Vorstellungen versteht und wunderbar umsetzt." 

Im Erdgeschoss arbeiten derzeit die Steinmetze Marie-Josefin und Stefan Zimmermann am Eingang. Sie hauen zwei träumende junge Frauen aus dem hellen Cottaer Sandstein. Das Original, eine Bronzeskulptur vom Malgorzata Chodakowska, steht zur Ansicht daneben. Die Skulpturen der Künstlerin schmücken nicht nur die Etiketten von Zimmerlings Weinflaschen, sondern bekommen in der Vinothek künftig einen Platz im Obergeschoss. So gehen Kunst und Wein eine Verbindung ein. Dort sollen später Verkostungen und andere Veranstaltungen stattfinden.

Marie-Josefin und Stefan Zimmermann gestalten den Eingang aus Cottaer Sandstein nach einer Skulptur von Zimmerlings Frau Malgorzata Chodakowska.
Marie-Josefin und Stefan Zimmermann gestalten den Eingang aus Cottaer Sandstein nach einer Skulptur von Zimmerlings Frau Malgorzata Chodakowska. © Sven Ellger

Die Gäste werden dort ganz besondere Ausblicke aus den großen Fenstern genießen können. Im Osten schauen sie direkt auf die Trauben an den Rebstöcken, das südliche Fenster offenbart das Elbtal, das westliche die Bacchantinnen auf dem Weinkeller. Aus dem Rahmen fällt das runde Nordfenster, vom dem die Blicke zur Rysselkuppe hochgehen. Es ist eine Reminiszenz an die chinoisen Elemente am Schloss Pillnitz. "Die Chinesen selbst verwenden runde Öffnungen in ihren Gärten. Wir lieben Asien und sind dort auch häufig zu Gast", sagt Malgorzata Chodakowska. In Verbindung mit der dreieckigen Form der Rysselkuppe entsteht mit dem Rundfenster ein schönes Bild.

Vier große Sandsteinsäulen im Innern sind jetzt noch vor Beschädigungen geschützt. Verarbeitet wurden im Obergeschoss auch Ziegel, die Klaus Zimmerling selbst aus der Scheune geborgen hat, die der Vinothek Platz machen musste. Und Fundstücke aus Dresdens Zentrum werden gerade unterm Dach eingebaut: 48 Simse mit Ornament, die im Keller der Herzogin Garten gefunden wurden. "Das war ein glücklicher Zufall, dass wir die bekommen haben", sagt Zimmerling.

Durch das runde Fenster blicken die künftigen Gäste auf die Rysselkuppe.
Durch das runde Fenster blicken die künftigen Gäste auf die Rysselkuppe. © Sven Ellger

Noch vor Wintereinbruch soll das Spitzdach fertig werden, das von einem Oberlicht gekrönt und unter dem eine gläserne Lichtleiste eingearbeitet wird. Logisch, dass auch dort wieder eine von Chodakowskas Skulpturen zu finden sein wird. "Ich arbeite noch an ihr", sagt die Künstlerin.

Im Erdgeschoss entsteht neben dem Ausschanktresen auch eine Küche mit Kühlzelle. So kann zu besonderen Veranstaltungen auch mal ein Koch eingeladen werden, der ein Menü zubereitet. Auch unten gibt es einen weiteren Veranstaltungsraum. 

Läuft alles nach Plan, wollen Zimmerlings den neuen Ausschank Ostern 2021 eröffnen. 

Noch nicht fertig sein wird zu diesem Zeitpunkt die Piazza auf der Nordwest-Seite der Vinothek. Dort sollen 40 Außenplätze entstehen, über denen sich Reben an zwei Pergolen entlangranken. "Und es wird in der Mitte einen Springbrunnen von mir geben", sagt Chodakowska. Kommen mehr Gäste, finden die auch auf der Mauerkante Platz. Über eine Treppe gelangen Gäste der Führungen in die Weinberge.

Wichtig ist dem Ehepaar, dass sie mit ihrer Vinothek etwas Schönes schaffen, das vielen offen stehen soll. "Diesem Ziel ordnen wir alles unter, auch wenn sich der Eröffnungstermin noch leicht verschieben sollte", sagt Klaus Zimmerling. Mehr als eine Million Euro haben er und seine Frau investiert. "Doch damit entsteht etwas, was uns lange überdauern wird." 

Diese Zeichnung von Architekt Andreas Weise aus Dresden zeigt, wie die Vinothek später aussehen soll. Links daneben ist der Weinkeller zu sehen, der auch von Weise stammt.
Diese Zeichnung von Architekt Andreas Weise aus Dresden zeigt, wie die Vinothek später aussehen soll. Links daneben ist der Weinkeller zu sehen, der auch von Weise stammt. © Bildstelle

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