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Dresden: Wird der Ferdinandplatz zu teuer?

Der Neubau des Dresdner Verwaltungszentrums ist umstritten. Jetzt wird vor den gigantischen Kosten gewarnt und eine Alternative benannt.

© Stadtverwaltung Dresden

Dresden. Die Debatte um das neue Verwaltungszentrum am Ferdinandplatz reißt nicht ab. Dresden rechne sich den Neubau "schön", lautet die Kritik.

Das Modell, sich bei einer städtischen Gesellschaft einzumieten, drohe zum Fass ohne Boden zu werden.

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Die immer wieder genannten 116 Millionen Euro netto für den Neubau am Ferdinandplatz seien nicht realistisch, sagt Linke-Stadtrat Tilo Wirtz. Denn dabei handle es sich um die reinen Kosten für die Hülle, die die städtische Kommunale Immobilien Dresden (KID) errichten soll.

Tatsächlich liegen die Kosten bei 141,45 Millionen Euro, sagt Wirtz. Darin seien allerdings die 15,9 Millionen Euro, die das Grundstück wert ist, nicht eingerechnet, ebenso gut zwei Millionen Euro, die die Stadt für den Kauf eines Mini-Grundstücks am Ferdinandplatz bezahlt hat und die Kosten für den Wettbewerb, inklusive rechtlicher Beratung.

Wirtz hat nochmal genau nachgerechnet. Müssten die gut 141 Millionen Euro Investitionskosten über 30 Jahre über die Miete refinanziert werden, müsste die Kaltmiete bei mehr als 18 Euro pro Quadratmeter liegen. Die KID verlangt aber nach SZ-Informationen nur knapp 13 Euro Miete.

Laut Wirtz, der selbst Bauingenieur ist, führt diese Kalkulation zu einem Problem. "Wenn das Bauwerk irgendwann mal technisch verschlissen ist und erneut Kosten verursacht, ist die Errichtung noch nicht abbezahlt. Damit ist eine wirtschaftliche Miete nicht gegeben."

Dazu kommen laut Wirtz völlig überteuerte Baukosten. Die Stadt wollte ursprünglich zwei Gebäude mit einem Turm errichten. Damals waren 50.875 Quadratmeter Nutzfläche geplant. Da waren für das Projekt noch 162 Millionen Euro vorgesehen. Wirtz hat errechnet, dass die Baukosten damals mit 3.184 Euro je Quadratmeter angesetzt waren. "Die Eigenrealisierung, also wenn die Stadt selbst gebaut hätte, hätte sich so angeblich nach 29 Jahren im Vergleich zu einer Miete rentiert", so Wirtz.

Doch die Schrumpfung des Projektes macht es deutlich teurer. Jetzt sollen 21.625 Quadratmeter Nutzfläche für 141,45 Millionen Euro geschaffen werden. Das macht 6.541 Euro pro Quadratmeter. Damit würde sich die Rentabilität auf 60 Jahre verschieben. "Sie wäre nicht mehr gegeben, weil zwischendurch auf jeden Fall Investitionen für Modernisierung und Instandhaltung anfallen", sagt Wirtz. "Diese Mehrkosten wurden dem Stadtrat einfach untergeschoben."

Wirtz stellt zudem klar, dass für die Instandhaltung, also alle künftigen Kosten, wenn das Verwaltungszentrum fertig ist, die KID und damit mittelbar auch die Stadt verantwortlich ist. Bei der Anmietung von Büros für die Verwaltungsmitarbeiter sei aber immer der Vermieter verantwortlich, die Gebäude in Schuss zu halten.

Ein möglicher Vermieter, der der Stadt bereits 2018 ein entsprechendes Angebot gemacht hat, bringt sich erneut ins Spiel. Im World Trade Center (WTC) sei ausreichend Platz, sagt WTC-Chef Jürgen Rees.

Im WTC sitzen bereits Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) und die Mitarbeiter mehrerer Ämter zur Miete. Derzeit habe die Stadt dort rund 13.500 Quadratmeter gemietet, erklärt Rees. Im WTC könne er noch weiteren Platz schaffen, 5.000 Quadratmeter in den kommenden Jahren, nach dem Auszug der SachsenEnergie beziehungsweise Drewag, die derzeit neu bauen, weitere 7.000 Quadratmeter bei Rees und 13.500 Quadratmeter bei einem anderen Vermieter. Dazu könne ein Neubau mit rund 9.000 Quadratmetern für die Verwaltung errichtet werden.

2018 hatte Rees der Stadtverwaltung bis zu 35 000 Quadratmeter für 368.000 Euro Kaltmiete im Monat angeboten. Der WTC-Manager sagt jetzt, die Flächen und mehr stehen noch zur Verfügung, auf ein konkretes Angebot wolle er sich jetzt aber nicht festnageln lassen. Zuerst müsse die Stadt Verhandlungsinteresse zeigen. "Unser Angebot hat damals kein Gehör gefunden, vielleicht ändert sich das nun", so Rees.

Die Stadt hat mittlerweile aus Geldnot entschieden, das Verwaltungszentrum am Ferdinandplatz über die KID per Kredit zu finanzieren. Der Wettbewerb dazu ist bereits angeschlossen. Allerdings haben auch die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft und der Bund der Steuerzahler das Projekt als Verschwendung kritisiert.

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Baubürgermeister Kühn warnt, dass ein Baustopp mehrere Millionen Kosten würde, weil bereits rund zehn Millionen Euro ausgegeben sind und Strafen drohen, falls die Büros, die sich am Wettbewerb beteiligt haben, klagen. Dem hält Wirtz entgegen, dass die Kosten für das Grundstück, die archäologischen Grabungen und die Suche nach Kampfmitteln so oder so angefallen wären. "Bei einem Verkauf erhöhen sie in jedem Fall den Verkehrswert des Grundstücks." Ansonsten würde "angesichts der Mietkalkulation allerdings viel gutes Geld schlechtem hinterhergeworfen werden".

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