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Zwinger Xperience: Der erste Blick ins Innere

Die lang ersehnte Ausstellung im Dresdner Zwinger ist fast ganz installiert. Wir geben exklusive Vorab-Einblicke und zeigen Ihnen jetzt schon die Highlights.

Die Zwinger Xperience ist fast fertig - und bietet Überraschendes. Darunter: Eine virtuelle Fahrradtour.
Die Zwinger Xperience ist fast fertig - und bietet Überraschendes. Darunter: Eine virtuelle Fahrradtour. © Sven Ellger

Dresden. Die Hüllen am Französischen Pavillon im Zwinger sind gefallen. Er und die benachbarte Bogengalerie wurden für die audiovisuelle Präsentation „Zwinger Xperience“ ausgebaut. Die Erlebnisausstellung des Schlösserlands Sachsen trägt den Titel „Macht, Epochen, Dimensionen. Eine Zeitreise“.

Die Ausstellung: Erlebnis in verschiedenen Sphären

Darin werden Etappen der Zwinger-Entwicklung auf sehr anschauliche Weise dargestellt. In fünf speziellen Welten, sogenannten Sphären, erleben Besucher in der Bogengalerie L viele Aspekte der Zwinger-Geschichte. Der Französische Pavillon wurde für den Empfangsbereich und ein Café ausgebaut. Seit Anfang Januar wird die Ausstellung in der Bogengalerie installiert.

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Oliver Paulitz und Paul Bauer von der Dresdner Firma Neumann & Müller koordinieren als Technische Leiter die Arbeiten. „Die Herausforderung ist, dass in dem sensiblen, denkmalgeschützten Bauwerk zeitgleich drei bis vier Firmen tätig sind“, sagt Paulitz.

Der Französische Pavillon und die benachbarte Bogengalerie L wurden für die Ausstellung ausgebaut.
Der Französische Pavillon und die benachbarte Bogengalerie L wurden für die Ausstellung ausgebaut. © Sven Ellger

Täglich arbeiten etwa zehn Techniker und Monteure, vom Tischler über den Messebauer und Videotechniker bis hin zum IT-Spezialisten, in der Bogengalerie.

Der Auftakt: Kopfhörer, die auf Sensoren reagieren

Am Eingang bekommen Besucher spezielle Kopfhörer, die nach dem Prinzip der Immersion funktionieren, was Eintauchen bedeutet. „Sensoren erfassen den Standort des Besuchers und die genaue Blickrichtung“, erklärt Technik-Koordinator Paulitz. Im Eingangsbereich werden verschiedene Objekte auf Sockeln stehen. Als Beispiel führt er eine Büste Pöppelmanns an. Nähert sich der Besucher dieser, erklärt der Hofarchitekt Augusts des Starken ihm viele Details, so, als wenn er mit dem Besucher sprechen würde. Dort stehen unter anderem auch das Kronentor als Symbol für Pöppelmanns Werk und ein Stück Torte, das den Zwinger als Veranstaltungsort symbolisiert.

Auf diese Konsolen kommen Ausstellungsstücke, die mit dem Besucher plaudern.
Auf diese Konsolen kommen Ausstellungsstücke, die mit dem Besucher plaudern. © Sven Ellger

Störende Nebengeräusche gibt es unter den speziellen Kopfhörern nicht. Und so gelangt der Besucher in die besondere Welt der virtuellen Zwinger-Realität. Wendet er sich wieder von Pöppelmann ab und der nächsten Persönlichkeit zu, erhält er die nächsten Infos im Plauderton. „Genau das ist die Lösung, die wir auch schon in der Ausstellung über die Festung Dresden haben, um mit diesen technischen Möglichkeiten die Besucher reinzuziehen“, erklärt Schlösserland-Sprecher Uli Kretzschmar.

Solche Sensoren erfassen den Standort und die Blickrichtung der Besucher. So können sie über ihre Kopfhörer direkt angesprochen werden, um im Plauderton die nötigen Informationen zu bekommen.
Solche Sensoren erfassen den Standort und die Blickrichtung der Besucher. So können sie über ihre Kopfhörer direkt angesprochen werden, um im Plauderton die nötigen Informationen zu bekommen. © Sven Ellger

Die Sphären: Von der Zeitreise bis zur Prinzenhochzeit

Besucher erhalten zum Auftakt einen Überblick zur Orangerie, der Festarchitektur, dem Baugeschehen und weiteren Aspekten. Für sie soll es ein Erlebnis wie im 3-D-Kino sein. Und so erleben sie in einer zweiten Sphäre in einem Rondell mit Projektionsflächen eine Zeitreise durch die Zwingergeschichte. In weiteren Sphären geht es um die Orangerie Augusts des Starken und das Jupiterfest im Zuge der Jahrhunderthochzeit von Augusts Sohn 1719.

In solchen Rondells erleben Besucher in speziellen Welten viele Aspekte der Zwinger-Geschichte.
In solchen Rondells erleben Besucher in speziellen Welten viele Aspekte der Zwinger-Geschichte. © Sven Ellger

Das Finale: Radtour mit 3-D-Brille

In der fünften und letzten Sphäre geben Besucher den Kopfhörer ab und erhalten eine 3-D-Brille, erklärt Technik-Koordinator Bauer. Dann schwingen sie sich auf ein Fahrrad und betrachten die Welt strampelnd aus der Froschperspektive durch die Brille die Zwingergebäude in Kombination mit den ursprünglichen Entwürfen, die ein viel größeres Bauwerk vorsahen. Dabei erstreckt sich der Zwinger bis zur Elbe hin.

Schlösserland-Sprecher Uli Kretzschmar demonstriert, wie Besucher auf solchen Rädern strampelnd den Zwinger in der letzten Sphäre aus der Froschperspektive erleben.
Schlösserland-Sprecher Uli Kretzschmar demonstriert, wie Besucher auf solchen Rädern strampelnd den Zwinger in der letzten Sphäre aus der Froschperspektive erleben. © Sven Ellger

Die Technik: Mit einem Knopfdruck funktioniert alles

95 Prozent der Technik ist installiert. Dabei handelt es sich beispielsweise um 15 Laserprojektoren und vier Kilometer Strom- und Datenkabel, erläutert Paulitz. Die Projektoren sind in kleinen, abgetrennten Räumen unter der Decke installiert, die durch spezielle Anlagen klimatisiert und fernüberwacht werden. „So kann ich beispielsweise auf meinem Smartphone nachsehen, ob die Klimaanlage in Sphäre vier funktioniert“, nennt Paulitz ein Beispiel. Ist die Ausstellung eröffnet, kann das Servicepersonal morgens mit einem Knopfdruck die gesamte Technik starten.

Solche und viele weitere imposante Ansichten werden Besucher sehen.
Solche und viele weitere imposante Ansichten werden Besucher sehen. © Schlösserland Sachsen

Spezielle Kameras prüfen jeden Morgen, ob die Projektoren noch millimetergenau ausgerichtet sind und justieren sie bei Bedarf nach. Etwa 95 Prozent der Technik ist installiert. Jetzt gehe es noch um die Feineinstellung und um Tests. Dabei sollen auch bereits ausgewählte Besuchergruppen die Ausstellung inspizieren und Schwachstellen aufspüren. „Das hat sich bereits bei der Ausstellung zur Festung bewährt“, erklärt Schlösserland-Sprecher Kretzschmar.

Der Zeitplan: Ende April soll Ausstellung öffnen

„Das Zelt im Zwingerhof war ein kleiner Appetithappen“, sagt der Sprecher. Dabei hatten rund 160.000 Besucher ab Juni 2019 binnen eines Jahres eine Projektion mit Szenen vom Jupiterfest 1719 gesehen. „Jetzt sind wir fast bei der vollendeten Ausstellung angelangt.“ Sie ist geplant für eine große Anzahl von Touristen, die wenig Zeit haben. Deshalb werden alle kulturgeschichtlich wichtigen Aspekte in etwa einer halben Stunde anschaulich präsentiert.

August der Starke wollte einen Prachtbau errichten, der sich bis zur Elbe erstreckt. Diese Visualisierung zeigt Pöppelmanns Repräsentationsentwurf von 1716/18 für das Residenzareal. Darin hätte der Zwinger (hinten rechts) nur die Rolle eines "Vorgartens"
August der Starke wollte einen Prachtbau errichten, der sich bis zur Elbe erstreckt. Diese Visualisierung zeigt Pöppelmanns Repräsentationsentwurf von 1716/18 für das Residenzareal. Darin hätte der Zwinger (hinten rechts) nur die Rolle eines "Vorgartens" © Schlösserland Sachsen

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Wegen der Coronakrise ist vorgesehen, die Ausstellung erst Ende April zu eröffnen. Ursprünglich sollte sie bereits ab Ostern gezeigt werden. Stündlich können bis zu 80 Besucher die Präsentationen erleben. Erwachsene zahlen dafür zehn Euro, Ermäßigte acht Euro Eintritt. Geplant ist, die Ausstellung täglich von 10 bis 18 Uhr zu öffnen.

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