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Dresdner „Bienenkönig“ verzögert Prozess

Der 65-jährige Sexualstraftäter hat der Video-Vernehmung von zwei geschädigten Mädchen widersprochen. Jetzt braucht es neue Sitzungstage.

Thomas H. bestreitet, sich an zwei Mädchen vergangen zu haben. Nun muss die Kammer prüfen, ob sie den Mädchen eine Aussage im Gerichtssaal zumuten kann.
Thomas H. bestreitet, sich an zwei Mädchen vergangen zu haben. Nun muss die Kammer prüfen, ob sie den Mädchen eine Aussage im Gerichtssaal zumuten kann. © SZ/Alexander Schneider

Dresden. Thomas H. soll sich das Vertrauen einer Familie erschlichen haben, um sich so zwei sieben- und neunjährigen Mädchen immer wieder nähern zu können. Laut Anklage hat der Dresdner die Kinder im ersten Halbjahr 2020 dutzendfach begrapscht. Seit Ende Juli sitzt der 65-Jährige in Untersuchungshaft. Er ist kein Unbekannter. Erst 2016 war der selbsternannte Bienenkönig am Amtsgericht Dresden zu zwei Jahren und vier Monaten wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in 21 Fällen verurteilt worden. Er hatte Schulkinder in seinem Schaubienenstand unsittlich angefasst.

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Vergangene Woche hat der aktuelle Prozess gegen H. am Landgericht Dresden begonnen. Da er unter laufender Bewährung stand, wird ihm nun schwerer Missbrauch in 30 Fällen vorgeworfen, ihm droht eine weit höhere Strafe als zuletzt am Amtsgericht. H. bestreitet die Vorwürfe. Auch den Besitz von rund 2.800 kinderpornografischen Dateien, die auf den zwei Laptops, mehreren Handys und einem Dutzend Datenträgern sichergestellt worden waren, hat er nicht eingeräumt, sondern behauptet, er habe sich Schreiben und Fotos auf FKK- und Nudisten-Seiten im Internet heruntergeladen.

Die Jugendschutzkammer hatte geplant, am Mittwoch die beiden Schwestern per Video zu vernehmen. Die Kinder, die psychologisch behandelt werden, wollen nicht mit dem Angeklagten im Gerichtssaal konfrontiert werden. Der Vorsitzende Richter Andreas Ziegel hätte die Mädchen im Oberlandesgericht vor einer Videokamera vernommen, und das Gespräch wäre in Echtzeit in den Gerichtssaal am Sachsenplatz übertragen worden. Alle Prozessbeteiligten hätten die Möglichkeit gehabt, ihre Fragen an den Vorsitzenden zu übermitteln, aber nicht persönlich mit den Kindern sprechen können. Doch der Angeklagte und sein Verteidiger Andreas Suska hatten dieser Vernehmung widersprochen.

Beweisaufnahme dauert länger

Daher verzichtete die Kammer zunächst auf die Befragung der Geschädigten. Am Nachmittag vernahm das Gericht dann wie geplant die Mutter (45), ihren Lebensgefährten (26) und den Partner (28) einer anderen Tochter dieser Familie. Die Zeugen waren – mehr oder weniger – dabei, als das siebenjährige Kind erstmals von den mutmaßlichen Taten des Angeklagten berichtete, wenige Tage vor dessen Verhaftung.

Die Kinder sollen etwa berichtet haben, dass H. sie immer wieder angefasst habe, auch mit seiner Hand unter ihre Kleidung gefahren sei. Der Angeklagte, den sie zufällig Ende 2019 bei einem Kleinanzeigengeschäft kennengelernt hätten, sei so etwas wie ein Opa-Ersatz für die Mädchen gewesen. Er sei ein- bis dreimal die Woche gekommen, habe mit den Kindern gespielt und stets mit ihnen auf dem Sofa gesessen. Praktisch – das ist das Kuriose dieses Falls – sei H. mit den Mädchen nie alleine gewesen.

So berichteten auch die Zeugen wie schon der Angeklagte zum Prozessauftakt, dass sie die Stube, wo der Angeklagte mit den Mädchen auf dem Sofa mit seinem Laptop und Handy spielte, maximal zum Rauchen verlassen hätten. Meist auf den Balkon, aber auch in die Küche. Stutzig habe sie gemacht, dass H. ihren Fragen immer ausgewichen sei, als sie etwa seinen Nachnamen oder seine Adresse wissen wollten. Bevor die Kinder von den Übergriffen berichteten, hätten sie sich das nicht vorstellen können. H. sei doch immer nett gewesen.

Jetzt muss das Gericht prüfen, ob und wie es die Mädchen nun befragt. Im Ernstfall könnte H. für die Dauer der Vernehmung aus dem Gerichtssaal ausgeschlossen werden. Schon jetzt ist klar, dass der Prozess nicht Mitte Mai endet. Die Kammer hat neue Termine bis 8. Juni vereinbart.

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