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Dresdner Friseure: "Lasst uns wieder arbeiten"

Viele haben bisher kaum finanzielle Unterstützung erhalten, Einnahmen fehlen. Was Friseure wie Doreen Neumann jetzt von der Politik fordern.

Friseurin Doreen Neumann war eine der Teilnehmerinnen der Demo am Elbufer.
Friseurin Doreen Neumann war eine der Teilnehmerinnen der Demo am Elbufer. © Sven Ellger

Dresden. Mehr als 300 Friseurinnen und Kosmetikerinnen sind an diesem Donnerstagvormittag an die Elbwiesen gekommen. Mit einer Demonstration wollen sie auf ihre prekäre Situation hinweisen. Seit dem 16. Dezember müssen ihre Salons geschlossen bleiben. Auf eine Aussage der sächsischen Staatsregierung zum Zeithorizont, wann eine Öffnung unter welchen Voraussetzungen wieder möglich wäre, warten sie bisher vergebens.

Eine, die wie viele von ihnen ums Überleben kämpft, ist Doreen Neumann. Sie steht an diesem grauen und nassen Donnerstag am Elbufer, ganz in schwarz gekleidet. "Wir müssen auf unsere Nöte aufmerksam machen, denn offenbar interessieren sie keinen der Politiker", sagt die 35-Jährige. Seit fünf Jahren führt sie ihren eigenen Friseur-Salon auf der Saalbachstraße in Tolkewitz, hat zwei Angestellte. Vorher war sie sieben Jahre angestellte Salonleiterin. Jetzt weiß sie nicht mehr, wie lange sie noch durchhalten kann. Dabei hat sie einen großen Vorteil: Durch die Hilfe ihrer Familie konnte sie die Immobilie kaufen, in der sich ihr Salon befindet. "Aber das heißt ja nicht, dass ich keine Raten zurückzahlen muss", sagt sie. Auch die Beiträge für Renten- und Krankenversicherung müssen pünktlich eingezahlt werden. Selbst die Berufsgenossenschaften und die Handwerkskammer bestünden auf Zahlungen.

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Schwarzarbeit ist gefährlich

Doreen Neumann findet es problematisch, dass sie für eine Mitarbeiterin auf 450-Euro-Basis kein Kurzarbeitergeld bekommt, sondern die Summe selbst zahlen muss. "Aber ich will meine Nöte nicht andere weitergeben, die das Geld dringend brauchen." Ihre Mitarbeiterin bekommt nur etwas über 600 Euro Rente, muss damit Miete und Lebensunterhalt bestreiten. "Da spare ich lieber an mir", sagt die erfahrene Friseurin.

Sie findet es bedenklich, dass manche Kollegen in die Schwarzarbeit getrieben werden und Kunden zuhause frisieren. "Wenn man sich die Köpfe vieler Menschen wie Sportler, aber auch Politiker anschaut, kann es nicht anders sein." Dabei würden sowohl Friseure als auch Kunden gegen zwei Regelungen verstoßen. Gegen die Corona-Schutz-Verordnung und das Gesetz zur Bekämpfung von Schwarzarbeit. "Sie bringen sich und die Kunden in Gefahr, weil sie natürlich auch ein erhöhtes Ansteckungsrisiko haben."

Dennoch kann Neumann nachvollziehen, dass manche Kollegen nach dieser Variante greifen. "Wenn man selbstständig ist, bekommen die Unternehmer gar keine Hilfe vom Staat, sondern nur deren Mitarbeiter. Aber wenn das Nötigste zum Leben fehlt, muss man womöglich so handeln."

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Klare Hygienevorschriften helfen

Friseurmeister Thomas Rümpler ist auch zur Demo gekommen. Er ist Geschäftsführer der Neue Linie GmbH in Dresden, 80 Mitarbeiter kümmern sich sonst in den Salons der Firma um die Köpfe der Kunden. Er, der an diesem Tag auch stellvertretender Versammlungsleiter ist, zieht auf der Kundgebung ein ernüchterndes Fazit. Es sei noch keine Überbrückungshilfe 3 angekommen, auch auf Kurzarbeitergeld wartet seine Firma vergebens, obwohl die Kosmetiksparte seit November in Kurzarbeit ist. Dagegen stehen Einnahmenverluste von mehreren 100.000 Euro Einbußen. Alleine in diesem Januar hat er 400.000 Euro Einbußen.

Die Forderungen der Friseure und Kosmterikerinnen sind klar gesteckt. Sie wollen eine sofortige Öffnung der Salons, die Hilfen müssten endlich gezahlt werden. Durch die strengen Hygienekonzepte habe es bisher keine Ansteckung in den Salons, gegeben. Deshalb solle man jetzt nach diesen Regeln weiterarbeiten können.

Anke Scheinert, Friseurin aus Freital, forderte endlich Perspektiven von der Politik. Es brauche mindestens eine Woche Vorlauf, um Termine auszumachen. Die Überbrückungsgelder würden im Juni keinem mehr helfen, denn dann seien viele Salons insolvent, obwohl bereits Kredite aufgenommen wurden. "Wir habe die Leute nicht krank gemacht, sondern schön", sagt Scheinert.

Auch André Besser, der den Salon Besser mittlerweile in dritter Generation führt und zwölf Mitarbeiter beschäftigt, warnt auf der Demonstration vor dem Trend zur Schwarzarbeit. Dann würden auch keine Steuern mehr gezahlt.

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Für Doreen Neumann muss es jetzt schnell gehen. "Lasst uns wieder arbeiten!", fordert sie. "Wir wollen uns auch selbst nicht anstecken und legen großen Wert auf Hygieneregeln." Eine weitere Rednerin auf der Demo weist noch auf eine weitere Voraussetzung hin, die geklärt werden müsse: Wenn wieder gearbeitet werden kann, müssten die Friseure als systemrelevant eingestuft werden, damit sie ihre Kinder betreuen lassen können.

Vorerst soll dies aber die letzte Veranstaltung der schwarz gekleideten Friseure und Kosmetiker sein. Sie hoffen, dass keine weiteren nötig sein werden.

Stiller Protest der Friseure unterhalb des Japanischen Palais.
Stiller Protest der Friseure unterhalb des Japanischen Palais. © Sven Ellger

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