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Dresdner Marmor-Prunkvasen sind zurück

14 Jahre lang waren die Sockel am Großen Garten verwaist . Wie es gelang, die Meisterwerke des Italieners Antonio Corradini zu kopieren.

Der Steinbildhauermeister Marcus Faust (l.) und der Steinbildhauer Tillmann Richter freuen sich, dass die kopierten Prunkvasen jetzt auf den Sockeln stehen. Faust hat den Deckel, Richter die Köpfe an der rechten Vase „Vier Elemente“ gefertigt.
Der Steinbildhauermeister Marcus Faust (l.) und der Steinbildhauer Tillmann Richter freuen sich, dass die kopierten Prunkvasen jetzt auf den Sockeln stehen. Faust hat den Deckel, Richter die Köpfe an der rechten Vase „Vier Elemente“ gefertigt. © Christian Juppe

Dresden. Nach 14 Jahren bietet sich am Zugang der Hauptallee zum Großen Garten an der Lennéstraße ein neues altes Bild. Jetzt stehen die beiden kopierten Marmor-Prunkvasen „Vier Elemente“ und „Vier Erdteile“ auf ihren Sockeln. So können Passanten die außergewöhnlichen Kunstwerke wieder bewundern. Am Freitagnachmittag hat der Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) die imposanten Skulpturen an den Schlösserbetrieb übergeben.

Am Zugang zum Großen Garten bietet sich ein neues Bild. Nach 14 Jahren stehen wieder Marmor-Prunkvasen auf den Sockeln.
Am Zugang zum Großen Garten bietet sich ein neues Bild. Nach 14 Jahren stehen wieder Marmor-Prunkvasen auf den Sockeln. © Sven Ellger

Begeistert zeigte sich der Dresdner SIB-Niederlassungsleiter Ulf Nickol. „Für mich ist es ein großartiges Gefühl, auf die Vasen zuzugehen und ihre Schönheit zu genießen“, sagte er am Freitag. Sachsens Schlösserchef Christian Striefler lobte die großartige Leistung der Handwerker, die die Kopien der berühmten Prunkvasen hergestellt hatten. „Für die Besucher ist das ein wunderbares Eingangsportal in den großen Garten."

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Diese Postkarte zeigt einen Blick zum Königlich Großen Garten um 1910. Zu dieser Zeit hatten die Prunkvasen schon 80 Jahre dort gestanden.
Diese Postkarte zeigt einen Blick zum Königlich Großen Garten um 1910. Zu dieser Zeit hatten die Prunkvasen schon 80 Jahre dort gestanden. © Sammlung Holger Naumann

Die Originale der Dresdner Prunkvasen standen bis 2007 am Zugang zum Großen Garten. Seitdem sind die Sockel an der Hauptallee verwaist. Sie waren nach Angaben des Staatsbetriebes Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) nicht mehr standsicher. Im Marmor gab es Risse. Zudem waren die Eisenstäbe, die die Einzelteile miteinander verbinden, verrostet. Bei ihrem Alter ist das aber kein Wunder.

Die Prunkvasen „Vier Elemente“ und „Vier Erdteile“ wurden vom berühmten italienischen Bildhauer Antonio Corradini um 1720 hergestellt. Sachsens Kurfürst August der Starke hatte seine Einkäufer losgeschickt, um Kunstwerke aus Carrara-Marmor zu erwerben und ab 1728 im Großen Garten aufstellen zu lassen. Es war ein Prestigeprojekt. 1730 kamen Corradinis Vasen in den Großen Garten, wo damals etwa 200 Marmorskulpturen aufgestellt wurden. Seit 1834 standen die Prunkvasen an der Hauptallee. Sie gehören zu den heute noch 37 Skulpturen im Großen Garten.

Monatelang hatte der Dresdner Steinbildhauer Oliver Matz daran gearbeitet, diesen und einen weiteren Frauenkopf vom Original (r.) zu kopieren.
Monatelang hatte der Dresdner Steinbildhauer Oliver Matz daran gearbeitet, diesen und einen weiteren Frauenkopf vom Original (r.) zu kopieren. © Sven Ellger

Das Problem: Zwar wurde auf die Vasen eine spezielle Lösung aufgetragen, um die Substanz des eigentlich sehr harten Marmors zu festigen. Doch im Freien können die maroden Skulpturen nicht mehr aufgestellt werden. Deshalb fiel 2016 die Entscheidung, die Prunkvasen zu kopieren.

Der Marmor war mit dem Tieflader aus den Steinbrüchen um Carrara bei Pisa beschafft worden. Die tonnenschweren Blöcke für diese und weitere Skulpturen im Großen Garten wie „Die Zeit raubt die Schönheit“ rollten mit Tiefladern über den Brennerpass nach Deutschland.

Freude über das besondere Kunstwerk. Tillmann Richter, Bärbel Hempel, Romy Kumann, Eva-Maria Rausch (v.l.) und weitere Steinbildhauer haben die Teile dieser Prunkvase geschaffen. Im Juli dieses Jahres wurde sie probeweise in Großenhain zusammengebaut.
Freude über das besondere Kunstwerk. Tillmann Richter, Bärbel Hempel, Romy Kumann, Eva-Maria Rausch (v.l.) und weitere Steinbildhauer haben die Teile dieser Prunkvase geschaffen. Im Juli dieses Jahres wurde sie probeweise in Großenhain zusammengebaut. © Kristin Richter

2018 hatte der SIB die Fachleute beauftragt, die Einzelteile zu kopieren. Das war eine Herausforderung für zehn Steinbildhauerinnen und Steinbildhauer aus Dresden, Potsdam, Großenhain und Berlin. Im Sommer dieses Jahres hatten sie ihre Arbeit geschafft. Bei einem Testaufbau im Juli waren sie bei der Großenhainer Naturstein- und Denkmalpflegefirma Witschel mithilfe von Stahlbolzen zusammengefügt worden.

Ein Blick auf die beiden Prunkvasen beim Probeaufbau. Im Vordergrund sind Details der Vase "Vier Erdteile" zu sehen.
Ein Blick auf die beiden Prunkvasen beim Probeaufbau. Im Vordergrund sind Details der Vase "Vier Erdteile" zu sehen. © Kristin Richter

„Vorher hatten wir schon Schablonen von den seitlichen Köpfen gemacht und sie angehalten“, berichtet der zuständige SIB-Sachgebietsleiter Kai-Uwe Beger. „Es hatte alles gut funktioniert. Auch mit den Oberflächen waren wir sehr zufrieden.“

4,6 Tonnen schwer ist diese Vase, die die Besucher jetzt wieder am westlichen Zugang zum Großen Garten bewundern können.
4,6 Tonnen schwer ist diese Vase, die die Besucher jetzt wieder am westlichen Zugang zum Großen Garten bewundern können. © Sven Ellger

Im August wurden Gerüste an den beiden großen Sockeln aufgebaut. Am 6. September rollte der Mobilkran an, sodass die Fachleute der Großenhainer Firma Witschel die Prunkvasen binnen drei Tagen montieren konnten. Auf einen fest verankerten Stahlbolzen in der Mitte wurden nach dem Prinzip eines Kinderspielzeugs zuerst der Fuß, dann der Hauptkörper mit den Köpfen und zuletzt der Vasendeckel eingehoben.

Mit Spezialmörtel verschlossen die Handwerker Fugen und andere Öffnungen. Die Dresdner Restauratorin Dana Krause brachte zum Schluss eine dünne Schutzschicht auf die Oberfläche auf. So konnten am Freitagmorgen die Gerüste fallen. Eine Vase wiegt stattliche 4,6 Tonnen. Die rohen Marmorblöcken, aus denen die Teile gefertigt wurden, waren über 12 Tonnen schwer.

Die Herstellung der Vasen-Kopien ist Teil des Skulpturenprogramms für den Großen Garten. Dafür investiert der Freistaat binnen zehn Jahren rund 3,7 Millionen Euro.

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