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Dresdner Straßen-Streit: "pure Auto-Ideologie"

Nach der Attacke der FDP auf die Verkehrspolitik der Dresdner Grünen kontert die Grünen-Verkehrs-Expertin und erklärt ihre Forderungen.

Radfahrer fühlen sich in Dresden bedrängt, das symbolisierte eine Demo des ADFC eindrücklich.
Radfahrer fühlen sich in Dresden bedrängt, das symbolisierte eine Demo des ADFC eindrücklich. © Christian Juppe

Dresden. Mehr Platz für Radfahrer, Beschleunigung für Busse und Bahnen, dafür aber Autos ausbremsen - über den verkehrspolitischen Ansatz der Grünen ärgert sich FDP-Fraktionschef Holger Zastrow massiv. Nach seinem Angriff auf Dresdens Grüne holt Grünen-Stadträtin Susanne Krause zum Gegenschlag aus.

Der Kampf um die Aufteilung von Dresdens Straße ist wieder voll im Gang. Weshalb die Grünen ihren Ansatz für gerecht, sozial und ökologisch halten und Zastrow eine veraltete Verkehrspolitik verfolge.

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Das Spar-Gutachten für die Dresdner Verkehrsbetriebe hat den Kampf um Dresdens Straßen neu beflügelt. Unterschiedliche Ansätze prallen aufeinander. Einige wollen schnellere Busse und Bahnen und mehr Radwege - anderen, wie Zastrow, geht es zu weit. Er wirft den Grünen vor, Verkehr nur vom Rad aus zu denken, wenn sie Tempo 30 für Autos und die Beschleunigung des Nahverkehrs fordern.

Krause räumt als verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Stadtrat ein, dass dadurch Spuren für Autos wegfallen. "Das ist aber keine Ideologie, sondern Logik." Der Platz sei begrenzt; wenn Radwege entstehen, Busse und Bahnen schneller vorankommen sollen, müssten die Autofahrer Abstriche machen. "Aber wenn mehr Dresdner mit Bus, Bahn und Rad unterwegs sind, fahren auch weniger Autos und die haben dann nicht weniger Platz." Zumal mit Tempo 30 sogar mehr Kapazität geschaffen würde, weil die Abstände, die sich aus dem Bremsweg berechnen, geringer sein können.

"No-go-Areas für Radfahrer"

Der grüne Ansatz verhindere keinen Autoverkehr, sondern schaffe mehr Möglichkeiten. "Ich bin überzeugt, dass unsere Verkehrspolitik den Dresdnern die Freiheit gibt, ihr Verkehrsmittel tatsächlich zu wählen", so Krause.

Bisher seinen zu viele Dresdner darauf angewiesen, bestimmte Wege mit dem Auto zurückzulegen. "Das ist zum Teil keine freiwillige Entscheidung. Es gibt No-go-Areas für Radfahrer und weiße Flecken im Nahverkehr, daran wollen wir etwas ändern." Krause nennt als Beispiel den Tunnel am Wiener Platz, durch den Radfahrer nicht dürfen und sich stattdessen auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofes durch Fußgänger schlängeln müssen. Striesen und Blasewitz seien mit Bus und Bahn schlecht angebunden. "Zwischen Borsbergstraße und Elbe gibt es große Lücken und auch die Stadtteile am Rand von Dresden sind schlecht angebunden."

"Es gibt keinen Verkehrskollaps"

Vielmehr hätten einige Maßnahmen, bei denen Autofahrer in Dresden bereits verzichten mussten, gezeigt, dass es funktioniere. Krause verweist darauf, dass die Wilsdruffer Straße mal vierspurig war und jetzt mit einer Spur pro Richtung alle gut zurechtkämen. "Vom Postplatz bis zum Straßburger Platz gibt es durchgängig Radwege, für die Radspur an der Alberstraße haben wir lange gekämpft. Jetzt ist er da und es gibt keinen Verkehrskollaps."

Ebenso sei durch die Umgestaltung an der St.-Petersburger-Straße kein Verkehrschaos entstanden. "Aber es ist sicherer für die Radfahrenden geworden", so Krause. Generell sei Sicherheit ein wesentlicher Aspekt der grünen Verkehrspolitik. "Wir wollen, dass die alte Dame von Weixdorf aus sicher mit dem Rad ihre Freunde besuchen kann und elfjährige Schüler sicher alleine mit dem Rad zur Schule kommen."

Es sei logisch, dass Autofahrer verzichten müssen, sagt Dresdens Grünen-Verkehrsexpertin Susanne Krause.
Es sei logisch, dass Autofahrer verzichten müssen, sagt Dresdens Grünen-Verkehrsexpertin Susanne Krause. © Sven Ellger

Dresdner Mobilität hat sich verändert

"Viele Dresdner wollen mehr Fahrrad fahren und auch mit der Bahn oder dem Bus unterwegs sein", ist sich Krause sicher. Dazu komme die soziale Komponente, denn nicht jeder Dresdner könne sich ein Auto leisten. "Zwei Drittel der Wege werden mit dem Umweltverbund zurückgelegt. Die Leute wissen auch, dass Autofahren nicht gut fürs Klima ist."

Demgegenüber fühlten sich 75 Prozent der Radfahrer bedrängt und aus der Kommunalen Bürgerumfrage der Stadt ergebe sich, dass auf Platz zwei der größten Probleme für die Dresdner nicht ausreichende Radwege stehen. "Deswegen sind wir dafür, dass sich die Verkehrspolitik an der Nachfrage orientiert." Deshalb müsse man jetzt bei den Autofahrern Abstriche machen und stattdessen für Rad und Nahverkehr etwas tun. "In Dresden wurde jahrzehntelang Verkehr für Autos geplant, für die ist gesorgt. Die anderen Verkehrsmittel haben Nachholbedarf." Zudem müsse Dresden die Werte des nationalen Klima-Plans schaffen.

Von Zastrows Vorschlägen provoziert

Verpflichtende Verkehrserziehung für Radfahrer und andere Vorschläge von FDP-Mann Zastrow werde Krause nicht kommentieren. "Darüber können wir an dem Tag reden, an dem in Dresden kein Autofahrer auch nur einen Regelverstoß begangen hat." Damit meine sie, mal schnell das Handy zu checken, vor abgesenkten Bordsteinen oder Ausfahrten halten, zu geringe Abstände und vieles mehr. "Radfahrende, die mir auf der Marienbrücke auf der falschen Seiten entgegenkommen, nerven mich auch, aber die Elbbrücken sind da einfach nicht gut mit anderen Radwegen verknüpft", so Krause.

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Zastrows Vorschlag, den Elberadweg als Radroute auszubauen, provoziere Krause dann schon. Dieser Teil sei ja noch gut. "Wenn Herr Zastrow dann aber sagt, dass dafür Radfahrende andere Straßen gar nicht mehr benutzen dürfen, ist das pure Auto-Ideologie."

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