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Dresden: Frau wegen Mordauftrags angeklagt

Eine 41-Jährige will eine jüngere Frau umbringen lassen. Wie sie dabei vorgegangen ist.

Die Staatsanwaltschaft hat eine 41-Jährige angeklagt. Sie soll einen Mord in Auftrag gegeben haben.
Die Staatsanwaltschaft hat eine 41-Jährige angeklagt. Sie soll einen Mord in Auftrag gegeben haben. © Archiv/Rene Meinig

Dresden. Die Staatsanwaltschaft hat gegen eine Frau Anklage erhoben, die im Februar 2021 im Internet einen Mord in Auftrag gegeben haben soll. Es handelt sich um eine 41-jährige Deutsche. Die Frau hat dazu das sogenannte Darknet genutzt, einen Teil des Internets, der nur mit besonderem Wissen zugänglich ist.

In diesem Bereich des Internets gibt es laut der Staatsanwaltschaft eine Seite, auf der solche Taten als Dienstleistungen angeboten werden. Insbesondere die "gezielte Tötung von Menschen gegen Entgelt" sei dort ein Thema. Die Frau wollte eine 23-jährige Deutsche umbringen lassen, heißt es weiter.

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Der Hintergrund: Die jüngere Frau war die neue Lebensgefährtin ihres getrennt lebenden Ehemannes. Binnen zwei Wochen sollte sie umgebracht werden. Die Betreiber der Internetseite bestätigten den Auftrag und teilten der 41-Jährigen mit, dass dafür 0,2 Bitcoins zu zahlen seien - bis Ende Februar 2021. Dabei handelt es sich um eine virtuelle Währung. Aktuell entspricht diese Summe etwas mehr als 5.500 Euro.

Dann soll die Auftraggeberin konkrete Informationen zu dem Opfer weitergegeben haben, damit die potenziellen Täter die Frau auch sicher identifizieren können. Dabei blieb es, der Mordauftrag sei bisher nicht ausgeführt worden, teilt die Anklagebehörde mit.

Die Staatsanwaltschaft erfuhr von Mitarbeitern des Magazins "Der Spiegel" von dem Mordauftrag. Sie hatten zum Darknet recherchiert und dabei entdeckt, dass eine Person mit dem Nutzernamen "Kjm4m" eine solche "Dienstleistung" bestellt hatte. "Muss wie ein Unfall aussehen", schrieb sie demnach in einer verschlüsselten Nachricht und erteilte weitere Anweisungen. Demnach sollte der Anschlag nicht im Radius von einem Kilometer um das Haus des Opfers stattfinden. Der Betreiber antwortete, er habe den Auftrag einem "Hitman" zugeteilt, also einem vermeintlichen Täter. "Lass mich wissen, wie du es erledigt haben willst", soll er geschrieben haben. "Wir brauchen gewöhnlich ein bis zwei Wochen und schicken dir dann einen Beweis."

Zu der Tat kam es nicht, denn die Spiegel-Reporter gaben den Behörden in diesem Fall einen Hinweis. Die Ermittler analysierten daraufhin die Kommunikation zwischen einem Administrator der Darknet-Plattform und dem Account "Kjm4m". Dabei fanden sie das Mordmotiv und stellten unter anderem fest, dass die Auftraggeberin aus der Sächsischen Schweiz stammt. Das potenzielle Mordopfer ist demnach im Raum Pirna zu Hause. Laut der Staatsanwaltschaft konnte die finanzielle Abwicklung des Bitcoin-Bezahlvorgangs weitgehend aufgeklärt werden. Die Angeschuldigte schweigt jedoch bislang zu den Tatvorwürfen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Beschuldigte aus Eifersucht, Neid und Wut auf die neue Lebensgefährtin gehandelt hat. Sie wurde am 26. Februar 2021 vorläufig festgenommen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Dresden hat der Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Dresden einen Tag später Haftbefehl gegen die Frau erlassen. Sie sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Die Frau ist nicht vorbestraft.

Das Landgericht Dresden muss jetzt über die Eröffnung des Hauptverfahrens und die Zulassung der Anklage entscheiden. Auch ein Termin zur Hauptverhandlung wird vom Landgericht bestimmt.

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