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Droht DVB-Wartehäuschen Verschrottung?

Mehr als 800 Unterstände müssen abgerissen werden, weil das so in den Verträgen steht. Das findet selbst der Eigentümer sinnlos und macht Angebote.

Viele der Fahrgastunterstände in Dresden sind in gutem Zustand, müssen aber Ende 2022 abgerissen werden.
Viele der Fahrgastunterstände in Dresden sind in gutem Zustand, müssen aber Ende 2022 abgerissen werden. © Sven Ellger

Dresden. Nach aktuellem Stand müssen die Dresdner Ende 2022 eine Weile im Regen stehen, ungeschützt vor Wind und möglicherweise Schnee. Denn die meisten Wartehäuschen müssen abgerissen werden.

Das hängt mit den Verträgen für die Außenwerbung zusammen. Die Wartehallen müssen aber nicht verschrottet werden, sagt der Eigentümer der meisten davon in Dresden. Welche Lösungen es gäbe.

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Mehr als 800 Unterstände könnten verschrottet werden

Derzeit hat Dresden rund 950 Fahrgastunterstände an den DVB-Haltestellen über die Stadt verteilt. Laut Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) sei das Ziel, auf 1.500 Glashäuschen zu kommen. Die DVB verweisen darauf, dass die Ausschreibung der Werbeverträge Sache der Stadt sei. "Wir würden uns natürlich freuen, wenn es zusätzliche Unterstände für unsere Kunden gäbe und die vorhandenen modernisiert werden."

Doch aktuell droht, dass mehr als 800 von ihnen abgerissen und verschrottet werden müssen. So steht es in den Verträgen zur Außenwerbung mit den Werbe-Konzernen Wall und Ströer. Wall macht vor allem die Haltestellen-Werbung, ihnen gehören 800 Wartehäuschen, Ströer 23.

Laut Wall, denen natürlich daran gelegen ist, wieder die Werbeverträge in Dresden zu bekommen, müssen ihre 800 Unterstände aber nicht abgerissen werden. "Wir haben das Interesse, die Infrastruktur zu erhalten, unabhängig davon wie die Ausschreibung der Außenwerbung ausgeht", so Wall-Sprecherin Frauke Bank.

Es gebe drei Typen von Wartehäuschen, einige davon sind auch bereits alt, weil die Werbe-Verträge nun nach 30 Jahren enden. "Aber die meisten können weitergenutzt werden", so Bank. "Wir verstehen den Kurs der Stadt nicht ganz."

"Massive Verkehrsbeeinträchtigungen"

Die Wartehäuschen von Wall seien "in großer Mehrheit in einem tadellosen Zustand", sagt Bank. 700 der 800 Anlagen werden als "sehr gut" bis teils "neuwertig" eingestuft. "Lediglich 100 der bestehenden Unterstände sind aus unserer Sicht auszutauschen, hierbei handelt es sich um einen Typ, der bereits seit 1990 besteht und dem man, beispielsweise an den Dächern, sein 'hohes Alter' auch trotz bester Pflege einfach mal ansieht."

Die Sprecherin warnt zudem vor den Auswirkungen des Ab- und möglichen Neu-Aufbaus. "Dies würde eine massive Beeinträchtigung des öffentlichen Nahverkehrs und des Stadtverkehrs mit sich bringen", so die Wall-Sprecherin. Dafür seien "umfangreiche Baumaßnahmen" nötig. "Hieraus resultieren vor allem deutliche Einschränkungen für die Fahrgäste, die mitunter dann bei Wind und Wetter ohne Wetterschutz auf die nächste Straßenbahn oder den nächsten Bus warten müssen."

Auch unter dem Aspekt nachhaltigen Handelns verstehe Wall den Wunsch der Stadt nicht, die bestehende Infrastruktur unbedingt abbauen zu wollen. Bei einem kompletten Austausch der Anlagen wäre der Ausstoß von Kohlendioxid um 26 Prozent höher als wenn die Häuschen stehen blieben und nur einige erneuert würden. "Das entspricht dem CO2-Ausstoß von 74.000 Autofahrten zwischen Dresdner Frauenkirche und Brandenburger Tor in Berlin", rechnet Bank vor.

Deshalb biete Wall an, die Wartehäuschen in jedem Fall zu erhalten. Entweder, wenn Wall erneut den Zuschlag erhält. Die Stadt oder ein neuer Betreiber könnten die Wartehallen aber auch kaufen. Ein entsprechendes Angebot von Wall liegt der SZ vor. Danach will das Unternehmen für die 800 Unterstände zwei Millionen Euro von der Stadt oder vier Millionen Euro von dem Unternehmen, das den Zuschlag erhält.

Bürgermeister Kühn bewertet das als taktisches Angebot. Der Preis sei viel zu hoch, zumal Wall fordert, dass alle Ersatzteile bei ihnen bestellt werden. Dadurch könne es ziemlich teuer werden. Bank sagt, der Preis sei nicht zu hoch, verweist auf den guten Zustand der meisten Häuschen. "Wir werden sie nicht zum Spottpreis verkaufen." Außerdem habe Wall Interesse an einer Verlängerung, da in der Niederlassung in Dresden rund 20 Festangestellte sonst vor einer unklaren Zukunft stünden.

Milliardengeschäft Außenwerbung

Die Wartehäuschen sind für die Werbeunternehmen eigentlich nur Beiwerk und Mittel zum Zweck für Werbeflächen. In Dresden geht es neben den Wartehäuschen um rund 50 Litfaßsäulen, 50 bis 60 große Werbeflächen, sogenannte Mega-Lights, etliche kleinere City-Lights, einige öffentliche Uhren mit Werbeflächen und einiges mehr.

Außenwerbung ist ein Milliarden-Geschäft. Bundesweit lag der Umsatz 2019 bei rund 2,45 Milliarden Euro, heruntergebrochen auf Dresden sind das 16,5 Millionen Euro. Mit der Digitalisierung kann die Werbung häufiger gewechselt werden - entsprechend ist künftig mit erheblich mehr Umsatz zu rechnen. Die neuen Verträge sollen über 15 Jahre laufen. Damit können laut einer Berechnung der Stadt zwischen 248 und 817 Millionen Euro umgesetzt werden - je nachdem, wie viele Werbeträger digital sind.

Die Stadt setzt vor allem auf mehr Unterstände, die von den Firmen auch gewartet und gepflegt werden. Im Stadtrat gibt es das Ziel, mehr Geld aus den Verträgen zu ziehen. Aktuell erhält die Stadt gut eine Million Euro pro Jahr, Stadträte wollen 2,5 bis vier Millionen Euro mehr erreichen.

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