merken
PLUS Sport

Ein Preis, den die Laufszene lieber nicht erhalten hätte

Die Macher von Team Challenge, Nachtlauf und Co. trotzen der Corona-Krise. Leicht fällt das den Dresdnern nicht. Doch Ideen gibt es immer neue, ausgezeichnete sogar.

Endstation Sehnsucht, auch für die Laufszene-Geschäftsführer Reinhardt Schmidt, André Egger und Günter Frietsch (von links). Das Rudolf-Harbig-Stadion ist das Ziel bei der Rewe Team Challenge, die es in diesem Jahr wieder geben soll.
Endstation Sehnsucht, auch für die Laufszene-Geschäftsführer Reinhardt Schmidt, André Egger und Günter Frietsch (von links). Das Rudolf-Harbig-Stadion ist das Ziel bei der Rewe Team Challenge, die es in diesem Jahr wieder geben soll. © PR/Laufszene Events

Dresden. Der Rückblick aufs vergangene Jahr fällt aus, haben sie beschlossen. Was soll es schon zurückzublicken geben für eine Laufagentur, die sportliche Massenveranstaltungen organisiert, in einer Zeit, in der sportliche Massenveranstaltungen verboten sind. Viel lieber, meinen die Macher der Laufszene Events GmbH aus Dresden, wollen sie vorausschauen auf das, was kommt.

Das etwas kommt, wieder größere Läufe stattfinden können mit ein paar hundert, ja sogar tausenden Teilnehmern, daran haben sie keine Zweifel. Und an Ideen dafür mangelt es ihnen ohnehin nicht. Diese Kreativität hat Reinhardt Schmidt, André Egger und Günter Frietsch, die 2008 als Drei-Mann-Unternehmen und gut 1.000 Läufern bei der Rewe Team Challenge anfingen, schon immer ausgezeichnet.

Oppacher Mineralquellen
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!
Genieß‘ die Heimat mit Oppacher!

Oppacher füllt Heimat in Flaschen ab und überzeugt seine Kunden mit regionalem Mineralwasser in ausgezeichneter Qualität.

Das Ergebnis sind Nachtläufe in Dresden, Leipzig und Chemnitz oder auch der Sachsen-Trail und die Adventure Walks, ausgedehnte Wanderungen also in der Sächsischen Schweiz und neuerdings zudem in Thüringen. Insgesamt bewegt die Laufszene pro Jahr inzwischen weit über 50.000 Teilnehmer, davon 25.000 bei der Team Challenge. Soweit die Zahlen vor Corona.

Die Pandemie, die zuallererst einmal gravierende gesundheitliche Probleme mit sich bringt, hat die Veranstaltungsbranche hart getroffen – die Laufszene samt ihrer mittlerweile sieben Angestellten inklusive. „Die Corona-Auswirkungen haben auch uns kalt erwischt. Plötzlich wird dir von jetzt auf gleich der Stecker gezogen“, sagt Egger, spricht von schlaflosen Nächten und wiederholt das, was er seit nun fast einem Jahr regelmäßig betont: „Wir sind keine Absage-Agentur, sondern wollen stattfinden und Dinge umsetzen.“

Der Citylauf soll stattfinden, die Team Challenge auch

So diffus und zeitlich kaum abschätzbar die Corona-Lage speziell in Sachsen derzeit sein mag, die Pläne der Laufszene für dieses Jahr sind sehr konkret. Die Team Challenge gibt es diesmal als Zwei-Tages-Event am 16. und 17. Juni mit jeweils sechs Startwellen à 1.000 Läufern, der Anmeldestart dafür ist am 13. Januar. Und Auftakt in die Laufsaison soll am 21. März wie immer der Dresdner Citylauf sein, allerdings mit neuem, pandemie-angepasstem Konzept und neuer Strecke in der Innenstadt.

Geholfen haben dabei die Erfahrungen aus dem Vorjahr. Erstmals wird es im Rahmen des Citylaufs ein Einladungsrennen geben für internationale Topläufer im Marathon, Halbmarathon und über 10 Kilometer – so wie vor acht Wochen beim Invitational Run im Großen Garten. „Wir wollten Topläufern die Chance geben, Normzeiten für den Kaderstatus oder das Olympiaticket für Tokio zu laufen. Die Resonanz war riesig. Daraus ist die Idee entstanden, das Ganze zu wiederholen“, erklärt Egger.

Ohne Rückblick geht es also doch nicht für die Laufszene, zumal es den auch von übergeordneter, sozusagen offizieller Stelle gab. German Road Races (GRR), die Interessengemeinschaft von 61 Laufveranstaltern in Deutschland, hat Egger und seine Kollegen für das Engagement im Corona-Jahr 2020, in dem de facto die gesamte Straßen- und Volkslaufsaison ausfiel, mit dem Innovations-Preis ausgezeichnet.

Jury lobt die ausgefallenen Ideen und den Weitblick

„Mit einem ausgeklügelten Hygiene- und Abstandskonzept und einer Reihe von realen Laufveranstaltungen vorrangig im ostdeutschen Raum hat sich André Egger und seine Agentur Laufszene Events GmbH als Hoffnungsträger der stark beeinträchtigten Laufszene verdient gemacht“, heißt es in der Begründung.

Weiterführende Artikel

Die Corona-Kämpfer der Laufszene und ihr Aha-Effekt

Die Corona-Kämpfer der Laufszene und ihr Aha-Effekt

Rennen ist das, was sie am liebsten tun. Doch vor der Corona-Krise weglaufen? Ist für die kreativen Dresdner keine Lösung.

Tatsächlich gingen fast 10.000 Teilnehmer bei realen Läufen an den Start, 17.000 nutzten die virtuellen Angebote. „Exzellente Belege, dass es der GRR Innovations-Preisträger verstanden hat, mit ausgefallenen Ideen, besonderem Weitblick und Augenmaß gerade auch für den Breiten- und Freizeitsport eine sportliche, wettkampfnahe Betätigung zu bieten“, urteilt die Jury. Zudem habe man mit dem Invitational Run im Großen Garten „den Boden für eine Vielzahl der herausragenden Zeiten bundesdeutscher Eliteläufer bereitet“.

Dresden, für Egger sowieso längst Laufhauptstadt Deutschlands, ist seitdem mehr denn je im Fokus, wenn es um Laufsport geht. So gesehen hatte 2020 auch Gutes, selbst wenn die Laufszene auf den Preis wegen der Umstände gern verzichtet hätte.

Mehr zum Thema Sport