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Büchers Best: "Bei uns bilden sich Schlangen"

Seit zwei Wochen bieten Dresdner Händler per Click & Collect Waren zum Abholen an. Für manche lohnt sich das Geschäft, andere sind verzweifelt.

Für Büchers Best in der Dresdner Neustadt läuft das Click & Collect-Geschäft einigermaßen gut. Andere Händler berichten von einer regelrechten Flaute.
Für Büchers Best in der Dresdner Neustadt läuft das Click & Collect-Geschäft einigermaßen gut. Andere Händler berichten von einer regelrechten Flaute. © Marion Doering (Archiv)

Dresden. Das Schild im Schaufenster war ihre große Hoffnung: "Click & Collect" ist darauf zu lesen, darunter die Bitte: "Helfen Sie dem lokalen Handel." Seit Schuhhändlerin Manuela Pautzsch das Schild im Fenster hängen hat, konnte sie gerade einmal sechs Paar Schuhe verkaufen. Das ist die schmale Ausbeute der vergangenen zwei Wochen. Click & Collect - das neue Einkaufsmodell im zweiten Corona-Lockdown läuft für die Dresdner Händler höchst unterschiedlich.

Schuhladen: Kaum Kundschaft, kaum neue Ware

Seit 15. Februar dürfen Kunden wieder beim Händler vor Ort bestellen und die Ware dann im Geschäft abholen. Obwohl man meinen könnte, dass die Dresdner angesichts der ersten warmen Frühlingstage nun auf leichteres Schuhwerk umsatteln, geht der Plan von Manuela Pautzsch bislang nicht auf.

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Seit elf Jahren betreibt die 54-jährige Dresdnerin das "Schuh Art" in Kleinzschachwitz, in der Putjatinstraße befindet sie sich in direkter Nachbarschaft zu anderen kleinen Läden, also quasi im Stadtteilzentrum. Viele Stammkunden sind ihr seit Jahren treu geblieben, erzählt Manuela Pautzsch.

Wie zur Bestätigung reicht jemand Blumen in den Laden, wünscht alles Gute für die Zukunft, drückt die Daumen, dass es weitergeht. Doch bis auf viele Gespräche über das allgegenwärtige Corona-Thema ist nichts hängen geblieben. Damit es wirklich weitergeht, braucht die Händlerin aber Umsätze. Sechs Paar Schuhe - das ist ein Tropfen auf den heißen Stein, das reicht nicht zum Überleben.

Manuela Pautzsch ist spürbar angegriffen, sie atmet tief durch. "Ich habe Depressionen", erzählt sie. Es sei alles zu viel momentan: kaum Kundschaft, Lieferanten, die nichts liefern, weil nichts produziert wurde, die Ungewissheit, ob es sich überhaupt lohnt, Geld für die Frühjahrs- und Sommerkollektion auszugeben. Die Überbrückungshilfe III für die Umsatzausfälle im Januar hat sie beantragt, eine Rückmeldung gibt es dazu nicht.

Doch selbst, als die Geschäfte bis Mitte Dezember noch öffnen durften, habe sie nur wenig verkauft. "Man spürt, dass die Menschen ihr Geld zusammenhalten. Zur Not tun es dann eben noch mal die alten Schuhe." Dazu komme, dass sie bislang keine Internetseite hat, und um eine zu kaufen, fehlt das Geld.

An einen Online-Shop sei schon aufgrund der Lagerkapazitäten nicht zu denken. "Für unsere Branche, in der Schuhe und Kleidung anprobiert werden müssen und die Kunden einfach mal durch den Laden stöbern wollen, ist Click & Collect absolut keine Alternative."

Geschenkeladen: Onlineshop wirft mehr ab als Click & Collect

So sieht es auch bei Hendrik Dietrich im Geschenkeladen Catapult in der Neustadt aus. Zwischen 11 und 18 Uhr hält er sein Geschäft offen. "Click & Collect wird bei uns genutzt, aber wirklich viel zum Umsatz trägt es nicht bei", sagt er. Sein Onlineshop wirft mehr ab. Die meisten Kunden würden sich für Click & Collect entscheiden, weil sie ohnehin in der Neustadt oder einem angrenzenden Stadtteil wohnen und durch die Abholung die Versandkosten sparen.

Bücherladen: Romane, Koch- und Kinderbücher gefragt

Gut läuft es dagegen im Buchladen Büchers Best ein paar Straßen entfernt. "Bei uns wird Click & Collect sehr positiv angenommen und es bilden sich sogar manchmal Schlangen von Kunden, die etwas abholen wollen", freut sich eine Mitarbeiterin. Es sei schön, mal wieder drei Sätze mit den Kunden zu sprechen und eine neue Buchempfehlung zu geben. Besonders gefragt seien Romane, Kochbücher und Kinderbücher.

Elbepark: Nur zwölf Geschäfte machen mit

Wie unterschiedlich gut das Bestell- und Abholsystem von den Dresdnern angenommen wird, zeigt sich auch im Elbepark, in dem sich eigentlich sehr viele Geschäfte befinden, momentan aber nur zwölf diesen Service anbieten. Darunter vor allem die großen Filialisten wie Media Markt und C&A, so Manager Gordon Knabe. "Die Nutzung ist sehr unterschiedlich, während es bei Media Markt und Cyberport sehr gut läuft, gibt es bei den kleineren Läden nur wenig Nachfrage", sagt er.

Vor allem in der Textilbranche laufe es gar nicht, sagt Gordon Knabe und bestätigt damit auch die Erfahrungen von Betreibern anderer Bekleidungsgeschäfte. "Den Händlern hätte ein früherer Start mehr geholfen, um noch ein wenig vom Wintergeschäft mitzunehmen", so Knabe. "Der Umsatz mit Click & Collect ist in Summe eher schwach und liegt bei fünf Prozent des sonstigen", sagt er.

Baumärkte: "Abholservice wird rege genutzt"

Richtig gut läuft es dagegen in den Dresdner Baumärkten. Das teilen zumindest Bauhaus und Hornbach auf SZ-Anfrage mit. Wie die Unternehmen schon zum Start von Click & Collect vor zwei Wochen vermutet haben, stieg die Nachfrage in den vergangenen Tagen parallel zu dem Temperaturen. Und sie steige stetig weiter, so Hornbach-Sprecher Florian Preuß. "Irgendwann kommen wir damit in den Märkten auch an unsere Grenzen." Deshalb sei es gut, dass die anderen Bundesländer nun nach und nach ihre Baumärkte wieder für die Privatkunden öffnen.

Sachsen-Anhalt und Bayern folgen am Montag. Dennoch sei Hornbach froh, dass - anders als im Frühjahr 2020 - Click & Collect in Sachsen und damit auch Dresden in diesem Jahr überhaupt möglich sei.

Und auch Bauhaus bestätigt: "Der Bestell- und Abholservice wird von den Kunden in Dresden gegenwärtig sehr gerne und rege genutzt, was sicherlich auch an den frühlingshaften Temperaturen liegt." Gekauft werde alles rund um Werkstatt, Haus und Garten.

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