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Große Sorgen um Dresdens Einkaufsmeilen

Baubürgermeister Stephan Kühn fürchtet Insolvenzen und Geschäftsaufgaben in der Dresdner Innenstadt. Jetzt wird eine Taskforce gegründet.

Die Prager Straße ist Dresdens Einkaufsmeile Nummer eins. Nach der Pandemie läuft es dort nicht wieder rund.
Die Prager Straße ist Dresdens Einkaufsmeile Nummer eins. Nach der Pandemie läuft es dort nicht wieder rund. © Sven Ellger

Dresden. Dresden droht eine tote Innenstadt. Zumindest haben die langen Lockdown-Schließungen schon deutliche Spuren hinterlassen, sagt Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne). Leere Schaufenster fielen auf, wo bisher Geschäfte für urbanes Treiben sorgten. "Die Pandemie wirkt für Handel und Gewerbe als Katalysator und verstärkt zusätzlich den bestehenden Konkurrenzdruck durch den Onlinehandel."

Die wirtschaftlichen Verwerfungen seien noch nicht genau absehbar. "Von Geschäftsaufgaben und Insolvenzen im Einzelhandel müssen wir aber ausgehen." Deshalb werden nun eine Sonderkommission und eine schnelle Eingreiftruppe gegründet, teilte Kühn am Mittwoch mit.

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Zum einen wird der "Fachbeirat Innenstadt" ins Leben gerufen. Er soll eine Strategie für die Zeit nach der Pandemie erarbeiten. Ziel sei es, die Bedingungen für Händler und Gewerbetreibende zu verbessern. Insbesondere will Kühn mehr Menschen in die Innenstadt lockern und dort die Aufenthaltsqualität verbessern. Händler, Gastronomen, Hoteliers, Kulturschaffende und Touristiker sind aufgerufen, ihre Ideen einzubringen.

"Die Auswirkungen für den Einzelhandel sind enorm"

Die Zeit drängt: Die östliche Wilsdruffer Straße wirkt stellenweise wie ausgestorben. In der Nähe des Altmarktes, auf der Seestraße, stehen die ehemaligen Schuhläden von Clarks und Roland leer. Mehrere leere Schaufensterscheiben sind auch auf Dresdens Einkaufsstraße Nummer eins zu finden, der Prager Straße. Dazu kommt die geringere Kundenfrequenz im Vergleich zu früher. Viele Geschäfte haben daher nur verkürzt geöffnet, manche sieben Stunden, andere noch kürzer. Der sächsische Handelsverband prognostizierte im Januar, dass sechs von zehn Läden in der Dresdner Innenstadt von einer Insolvenz bedroht sind.

Der Handel wird von Citymanagement-Chefin Friederike Wachtel in der Taskforce vertreten. "Die Auswirkungen der Corona-Krise sind für den innerstädtischen Einzelhandel enorm", sagt sie. Es sei wichtig, dass die Stadt mit Einzelhändlern und zahlreichen weiteren Innenstadtakteuren in den Dialog tritt. Die Pandemie habe gezeigt, wie schnell die sonst pulsierende Innenstadt zu einem toten Raum werden könne. "Die Bemühungen zur Wiederbelebung der Innenstadt mit all ihren Facetten Shopping, Kultur, Sport, Erholung und Genuss sehe ich daher als essenzielle Aufgabe."

Zum anderen will der Baubürgermeister eine ämterübergreifende Taskforce unter seiner Leitung gründen. Diese Taskforce wird eng mit dem Beirat zusammenarbeiten und für die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen zuständig sein.

Der Eingreiftruppe wird unter anderem Tourismuschefin Corinne Miseer angehören. Sie sagt: "Eine pulsierende und attraktive Stadt trägt maßgeblich zur Attraktivität des Tourismus- und Kongressstandortes bei und ist zugleich wichtiger Lebensraum für die Einwohner." Außerdem sei eine attraktive Innenstadt ein entscheidendes Kriterium, um Fach- und Arbeitskräfte anzulocken.

Dresdner sollen beteiligt werden

Kühn zufolge stelle nicht nur die Pandemie die Innenstadt vor große Probleme. Auch der Klimawandel, soziale Probleme und die Digitalisierung gehörten dazu. Daher werde sich Dresden an der Neuen Leipziger Charta orientieren, die sich unter anderem für bezahlbaren Wohnraum im Zentrum, eine grüne Stadt der kurzen Wege und eine produktive Stadt mit einem zukunftsfähigen Handel und neuen Arbeitswelten einsetzt. Generell will er die Dresdner im Rahmen einer Bürgerbeteiligung einbeziehen.

Die Stadt kommt damit den Grünen zuvor. Die hatten erst am Dienstag einen Antrag vorgestellt, der am Donnerstag Thema im Stadtrat sein wird. Darin wird von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) gefordert, dass er sich mit dem Citymanagement, Gewerbe- und Handelsverbänden, aber auch mit Vertretern der Wirtschaftsförderung und von Immobilienverbänden zusammensetzt. Sie sollen Konzepte entwickeln, mit denen die Innenstadt kurz- und langfristig wieder belebt werden kann. "Viele Innenstadthändler beklagen, dass zu wenige Dresdner die Geschäfte im Stadtzentrum nutzen würden", sagte Grünen-Stadtrat Thomas Löser, der als kurzfristige Maßnahme eine Werbekampagne unter dem Slogan "Ab in die Mitte" befürwortet. Er nannte außerdem noch die Umnutzung leerstehender Ladenlokale durch die Kreativwirtschaft, Kunst im öffentlichen Raum und Trinkbrunnen als mögliche Ansätze, um die Aufenthaltsqualität im Zentrum zu steigern.

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Auch die Grünen im sächsischen Landtag haben sich am Mittwoch noch zu Wort gemeldet: Man setze sich insbesondere für quartierbezogene Ansätze und Verkehrsberuhigung ein, um die Stadtkerne zu beleben, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher, Gerhard Liebscher. "Die dadurch entstehenden Freiräume ermöglichen, die Gastronomie nach der Pandemie im Außenbereich zu erweitern und stützen Kulturangebote ebenso wie den lokalen Einzelhandel."

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