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Einziger Supermarkt in Dresden-Pillnitz schließt

Nach 15 Jahren macht der Penny-Markt im Dresdner Osten zu, weil in Graupa eine neue Filiale entsteht. Für kranke und ältere Anwohner ist das eine Katastrophe.

Noch ist er offen: Der Dresdner Penny-Markt im Stadtteil Hosterwitz.
Noch ist er offen: Der Dresdner Penny-Markt im Stadtteil Hosterwitz. © Marion Doering

Dresden. Das Gerücht, dass der einzige Supermarkt vor Ort, der Penny-Markt in Hosterwitz auf der Pillnitzer Landstraße zumachen soll, gibt es schon länger. Eva-Maria Mühlner hat es von ihren Nachbarn erfahren und zuletzt auch an der Kasse beim Einkaufen.

"Eine Kundin hat die Kassiererin gefragt. Und sie hat gesagt: Ja, das stimmt. Wenn der neue Markt in Graupa aufmacht, dann wird hier geschlossen", erzählt die 56-Jährige. Für Mühlner ist das eine Katastrophe.

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Die Frau, die an Asthma leidet, bekommt nur eine kleine Erwerbsminderungsrente, ihr Ehemann ist blind. Ein Auto haben die Mühlners nicht, Einkäufe erledigen sie zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Das geht nicht nur ihnen so. Zwischen Wachwitz und Pillnitz auf der rechten Elbseite leben viele Senioren, die Wege zwischen den Ortschaften sind weit. Sucht man bei Google Maps in dieser Umgebung nach Lebensmitteln, ploppt neben dem Penny-Markt nur eine Bäckerfiliale auf.

Markt in Graupa soll Pillnitzer Penny ersetzen

Seit Oktober baut die Rewe-Gruppe im rund fünf Kilometer entfernten Pirnaer Stadtteil Graupa eine neue Filiale. 800 Quadratmeter groß, 70 Stellplätze vor der Tür. Für die Menschen, die in den kleinen Ortschaften an der Dresdner Stadtgrenze leben, ist das ein Segen.

Denn auch hier mangelt es an wohnortnahen Einkaufsmöglichkeiten, seit der Aldi-Markt im nahegelegenen Jessen 2018 nach Pirna-Copitz umgezogen ist. Der neue Penny ist schon fast fertig gebaut, Mitte Dezember wurden die Wände des eingeschossigen Flachdachgebäudes gemauert.

Das Unternehmen wollte sich lange nicht zu den Gerüchten um eine Schließung in Hosterwitz äußern - und hat damit für starke Unsicherheit bei den dortigen Anwohnern gesorgt. Jetzt bestätigte Penny-Ost-Sprecherin Anja Schwerdtfeger auf SZ-Nachfrage, dass die Filiale schon bald geschlossen wird.

Mitte Dezember in Graupa: Der neue Penny-Supermarkt entsteht - und reißt eine Lücke ins Dresdner Versorgungsangebot.
Mitte Dezember in Graupa: Der neue Penny-Supermarkt entsteht - und reißt eine Lücke ins Dresdner Versorgungsangebot. © Daniel Schäfer

"Die im Jahr 1995 eröffnete Penny-Filiale in Dresden-Pillnitz wird mit der Eröffnung der neuen Penny-Filiale in Graupa schließen", so Schwerdtfeger. Begründung: Die Verkaufsfläche von 570 Quadratmetern sei zu klein, um "das Penny-Konzept in voller Breite darzustellen".

Neue Filialen, so Schwerdtfeger, seien mindestens 800 Quadratmeter groß. Die Entwicklung im Lebensmitteleinzelhandel ginge aber immer mehr "in Richtung größeres Sortiment". Außerdem setze man auf breitere Gänge und mehr Platz für die Kunden.

Die Konzepte der Discounter passen nicht mehr

Für Anke Hoffmann, Sprecherin im Dresdner Rathaus, steht die Schließung in Pillnitz beispielhaft dafür, dass Supermarktketten oft nicht die Versorgung in Stadtrandgebieten gewährleisten können. "Die vorherrschenden Betreiberformen, die deutschlandweit im Übrigen nur noch durch wenige Betreiber gekennzeichnet sind, sind sehr unflexibel bezüglich ihrer Betriebskonzepte", sagt Hoffmann.

Diese Konzepte beinhalteten "eine bestimmte Sortimentsgröße, Verkaufsfläche, eine Vertriebsform und meist auch einen festgelegten Baukörper". Städtebaulich seien diese in Vierteln wie Pillnitz und Umgebung aber nicht "integrierbar".

Und wirtschaftlich, so Hoffmann, würden sie auch keinen Sinn machen. "Die Einwohnerdichte und somit das verfügbare Kaufkraftpotenzial sind zu gering", sagt die Sprecherin.

20 Euro mehr pro Monat für die Fahrt zum Supermarkt?

Der Siegeszug der Discounter, er hat auch Schattenseiten. Das Versprechen, jeder könne flächendeckend billig einkaufen, können die Ketten oft nicht einhalten. Darunter leiden vor allem weniger mobile Menschen und Geringverdiener.

Die Lebensmittelversorgung zwischen Wachwitz und Pillnitz, so Hoffmann, funktioniere nur mit dem Markt in Hosterwitz - und den Einkaufsmöglichkeiten in Loschwitz und Blasewitz.

Um zu den dort ansässigen Konsum-Märkten zu kommen, müssten die Anwohner aber den Bus nehmen oder mit dem Auto fahren. "Bei Konsum einzukaufen können wir uns nicht leisten", sagt Eva-Maria Mühlner. Außerdem sei es ihr zu gefährlich, in Zeiten hoher Corona-Zahlen den ÖPNV zu nutzen. Und niemand weiß, wie schnell sich die Pandemie wieder beruhigt.

Graupa, wo der neue Penny entsteht, liegt hingegen in der Tarifzone Pirna. Wer dort einkaufen möchte, muss deshalb tief in den Geldbeutel greifen. "Einmal Grundnahrungsmittel einkaufen würde mit rund 5 Euro Fahrgeld zu Buche schlagen", sagt Mühlner. Aufpreis für eine ermäßigte Monatskarte wären knapp 20 Euro - und selbst die könnte Mühlner aufgrund ihres Alters gar nicht beziehen.

Bezirksamtsleiter: In Planungen "null eingebunden"

Der Vorsitzende der Stadtbezirksämter Loschwitz und Blasewitz, Christian Barth, kennt die Probleme mit der Versorgung vor Ort. Weder das Dresdner Rathaus noch das Bezirksamt hatten vor der jetzigen Entscheidung Kontakt mit den Verantwortlichen der Rewe-Gruppe.

"Wir sind in die Planungen von Penny null eingebunden, ich weiß davon seit kurz vor Weihnachten vom Hörensagen", so Barth. Er hoffe darauf, sagt er, dass der Markt das Problem von alleine regele.

Christian Barth vom zuständigen Bezirksamt sieht seinen Einfluss auf die Supermarktkette beschränkt. Er hofft stattdessen, dass ein neuer Betreiber den Laden übernimmt.
Christian Barth vom zuständigen Bezirksamt sieht seinen Einfluss auf die Supermarktkette beschränkt. Er hofft stattdessen, dass ein neuer Betreiber den Laden übernimmt. © Sven Ellger

"Wir können als Amt nur Kommunikation betreiben." Barth verstehe die Sorgen der Anwohner, sagt er. "Mir fallen selbst in Blasewitz einige Stellen ein, an denen Märkte fehlen." Pillnitz und Umgebung seien von der Infrastruktur grundsätzlich aber nicht schlecht aufgestellt, meint der Amtsleiter.

Ob hier mehr Supermärkte nötig sind, zweifelt er an. Wenn der eine Versorger wegfalle, dann entstehe aber "eine schwierige Situation".

In Verhandlungen mit möglichen Nachmietern

Könnte sich der drohende Versorgungsengpass im Dresdner Osten überhaupt noch abwenden lassen? "Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und bedauern die Schließung, weil es zum Selbstverständnis von Penny gehört, auch den Service des 'Marktes um die Ecke' zu bieten", sagt Discounter-Sprecherin Schwerdtfeger.

Auch ein Umbau hätte den Markt aus Unternehmenssicht aber nicht attraktiver gemacht, so Schwerdtfeger. Im Juni sollen deshalb alle Mitarbeiter der Filiale mit nach Graupa umziehen.

Ob sich ein neuer Betreiber finden wird, bleibt indes unklar. Bezirksamtsleiter Barth glaubt trotz der Schließung, dass der Standort Potenzial dafür hat, dass hier viele Menschen einkaufen. "Ich hoffe, dass das Gebäude nicht zu lange leer bleibt", sagt er - und verspricht, sich im Rahmen der Möglichkeiten für eine Nachnutzung einzusetzen.

Bei Penny stehe man schon mit "möglichen Nachmietern aus dem Lebensmittelbereich" in Verhandlungen, sagt Schwerdtfeger. Äußern will sich das Unternehmen dazu aber noch nicht.

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Und so bleibt für Eva-Maria Mühlner und die anderen Anwohner erst einmal nichts anderes übrig, als weiterhin zu warten und zu hoffen. Darauf, dass das Schloss bald nicht der einzige Punkt auf der Landkarte in Pillnitz und Umgebung ist.

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