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Dresdner Zentrum fürchtet neuen Kaufpark in Nickern

Das Einkaufszentrum in Nickern soll wachsen. Dagegen gibt es nun Protest vom City Management. Es fürchtet einen Verlust von Kaufkraft in der Innenstadt.

Der Kaufpark an der Dohnaer Straße in Nickern ist schon jetzt zu groß, moniert das City Management.
Der Kaufpark an der Dohnaer Straße in Nickern ist schon jetzt zu groß, moniert das City Management. © René Meinig

Dresden. Dieser Vergleich wird Möbel-Millionär Kurt Krieger nicht gefallen. Aus Sicht des City Managements Dresden liegt er aber nahe. Zwar spricht ihn Citymanagerin Friederike Wachtel nicht aus, aber die jüngste Mitteilung aus ihrem Hause zeigt: Die Gefahr, die durch Corona droht, könnte auch Krieger für die Läden in der Innenstadt heraufbeschwören: Kapitulation vieler Geschäfte, weil die Einnahmen zu gering sind. Gegen Corona helfen nur Schutzmaßnahmen und Impfungen. Gegen den Höffner-Eigentümer will das Citymanagement jetzt den Stadtrat in Stellung bringen.

Anlass der Sorge sind Kriegers Pläne für den Umbau des Kaufparks in Nickern. Zwar werde Prohlis von der Aufwertung des Einkaufszentrums "sehr profitieren", ist das City Management überzeugt. Doch die geplante Größe weckt Befürchtungen. "Ohne zu übertreiben hat das Vorhaben das Potential, unserer Innenstadt irreparable Schäden zuzufügen", schreibt die Institution an die Stadträte, insbesondere an den Bauausschuss.

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Dort soll der Kaufpark-Plan von Krieger am 10. März noch einmal diskutiert werden. Friederike Wachtel erklärt, aus Sicht des City Managements seien im Zusammenhang damit zahlreiche Punkte nicht ausreichend bedacht worden, noch ungeklärt oder gar nicht mehr aktuell.

Einkaufszentrum ist schon jetzt zu groß

Thema Nummer 1 ist dabei die Größe und damit verbunden das sogenannte Innenstadtsortiment, das künftig im Kaufpark angeboten werden könnte. "Der Bebauungsplan sieht nach dem letzten Stand vor, dass die Festsetzung für die maximale Verkaufsfläche für das zentrenrelevante, also innenstadtrelevante Sortiment von 19.000 Quadratmeter gemäß bisherigem Stand auf 31.778 Quadratmeter erhöht wird."

Dies sei ein Zuwachs von mehr als 60 Prozent, rechnet das City Management vor und findet das "nicht akzeptabel". Die bereits heute zulässige "zentrenrelevante Verkaufsfläche" sei bereits größer, als eigentlich erlaubt. Möglich war das durch entsprechende Ausnahmegenehmigungen.

Entsprechend dem Einzelhandelskonzept der Stadt befinde sich der Kaufpark aber an einem Standort, der keine Konkurrenz zum Zentrum sein soll. "Deshalb sieht das Einzelhandelskonzept eine Erweiterungsmöglichkeit mit Verkaufsflächen im zentrenrelevanten Sortiment auch nicht vor."

"Jeder Abfluss von Kaufkraft in den Kernsortimenten muss verhindert werden", stellt das City Management fest, aber gerade darauf ziele die Umstrukturierung des Kaufparks. Produktkategorien, die das belegen, sind Kleidung, Schuhe und Lederwaren. Allein dafür soll die Angebotsfläche von derzeit knapp 7.900 Quadratmetern auf 12.000 erhöht werden, heißt es in dem Schreiben an die Stadträte. "Das ist nicht hinnehmbar."

Corona-Folgen sind noch nicht klar

Punkt 2 hat dann doch direkt mit Corona zu tun. Die aktuellen Berechnungen zur Auswirkung der neuen Kaufpark-Struktur stammen aus dem Jahr 2017, meint Wachtel. Die Corona-Pandemie und ihre Konsequenzen seien also nicht mit eingeflossen. "Da wir uns derzeit noch mitten in der Pandemie befinden, können aktuell auch noch keine verlässlichen Prognosen abgegeben werden."

Deshalb sei es aus Sicht des City Managements "zwingend erforderlich, eine neuerliche Untersuchung vorzunehmen, sobald das Ende der Pandemie absehbar ist". Im Klartext: Die Verantwortlichen für die Geschäfte im Zentrum erwarten dann andere Ergebnisse, als die 2017er-Untersuchung ergeben hat. Wachtel rechnet mit Schließungen, wenigstens aber Verkleinerungen von Ladenflächen, das Bild der Läden im Zentrum werde sich "grundlegend verändern".

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Das Fazit: Es ist zu früh, um über die Vorlage im Bauausschuss zu entscheiden. Das City Management bittet um mehr Zeit für die Arbeit an einer "belastbaren Entscheidungsgrundlage". Also für die Arbeit an Zahlen, die alle Regeln berücksichtigen und in die auch die Corona-Folgen für die Innenstadt eingeflossen sind.

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