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Kaufpark Nickern: Investor stellt Ultimatum

Im März soll der Dresdner Bauausschuss über einen Neubau des Kaufparks in Nickern entscheiden. Bei einem Nein zieht der Investor Konsequenzen.

So soll der neue Kaufpark Nickern aussehen.
So soll der neue Kaufpark Nickern aussehen. © Visualisierung: Krieger Liegenschaften

Dresden. Er will den Kaufpark Nickern abreißen und neu bauen: Mit dieser Ansage überraschte Kurt Krieger den städtischen Bauausschuss Mitte Januar. Die Substanz des 24 Jahre alten Gebäudes an der Dohnaer Straße sei verschlissen, es sei auf dem "direkten Weg in die Verslumung". Deshalb plant der Besitzer des Elbeparkes einen Neubau für rund 260 Millionen Euro Investitionssumme.

Inzwischen hat Krieger die Pläne noch einmal überarbeiten lassen: Am 10. März werden sie erneut im Bauausschuss präsentiert. "Sollte es dort kein Ja von den Stadträten und Baubürgermeister Kühn zu unseren Projekt geben, dann ziehen wir uns von der Kaufoption zurück", stellt Krieger in einer Pressekonferenz an diesem Freitag klar.

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Er wolle keinen Druck aufbauen, aber die Zeit dränge, damit die Händler in Nickern eine Perspektive erhalten. Bis 21. März gilt die Kaufoption für den Kaufpark, die Krieger mit der Hamburger Redos-Gruppe vereinbart hat. "Ich brauche jetzt ein eindeutiges Signal von der Stadt an mich, sonst mache ich es nicht", sagt Krieger. Ihm sei nicht bekannt, dass es noch einen weiteren Interessenten gebe. "Die sind froh, dass sie in mir einen gefunden haben." Denn das Projekt sei eigentlich aus wirtschaftlicher Sicht nicht gut darstellbar.

Warum will Krieger es trotzdem umsetzen? "Es ist ungewöhnlich, dass sich in einer Zeit, in der es dem Handel schlechtgeht, jemand aufmacht und eine Handelsimmobilie baut", sagt der 73-Jährige. Doch er habe schon "alles Mögliche" gebaut, 50 Bebauungsplanverfahren durchgestanden und sei immer ein einziger Optimist gewesen. Dazu komme die Affinität zu Dresden.

Schon 2023 erste Neueröffnungen

Gibt es das eindeutige Signal aus dem Ausschuss, dann will der Berliner schon in diesem Jahr mit dem Abriss des ehemaligen Baumarkts, der Tankstelle und des Parkhauses loslegen. "Im Vertrauen darauf, dass ich die Baugenehmigung bekomme."

Dann müssen Masten und große Leitungen verlegt werden. Die Drogerie Müller soll während dieser Zeit in einem Zelt verkaufen, bevor sie in den ersten Teil des Neubaus mit Media-Markt und Müller einziehen kann, der im Herbst 2023 öffnen soll. Dann erfolgt der Abriss der zweiten Hälfte des alten Kaufparks und die Fertigstellung der weiteren Neubauten bis Herbst 2024.

Entstehen sollen drei Gebäude, zwei davon bezeichnet Krieger als Stadthäuser, die den Eingang zum Einkaufszentrum bilden. In das erste links vom Eingang an der Dohnaer Straße sollen im Erdgeschoss eine Bäckerei mit angeschlossenem Café und eine Apotheke einziehen, in den zwei darüberliegenden Geschossen ein Kinderland mit rund 2.000 Quadratmetern Fläche.

Im zweiten Gebäude rechts vom Eingang sollen TK Maxx und H&M die Ankermieter sein, deren Flächen über das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss verlaufen. In den oberen Stockwerken sind ein Fitnessstudio, ein Ärztehaus und weitere Büros vorgesehen. In der Mitte ist eine große Mall mit einer großen Gastronomie-Landschaft mit viel Lichteinfall geplant. Kaufland und Media-Markt werden auch wieder als Anbieter dabei sein.

Kurt Krieger zeigt das Modell des neuen Einkaufszentrums, auf dessen Dächern geparkt werden soll.
Kurt Krieger zeigt das Modell des neuen Einkaufszentrums, auf dessen Dächern geparkt werden soll. © SZ/Kay Haufe

Aber ein modernes Zentrum locke nur Kunden, wenn es mehr bietet als Einkaufen, das könne man auch im Internet, sagt der Investor. "Deshalb gibt es nicht nur das Kinderland, sondern in der Mitte auch eine große überdachte Leinwand, auf der die Väter Fußball schauen können, während die Frauen einkaufen." Außerdem sind zahlreiche Gastronomieangebote vorgesehen. "Der neue Kaufpark muss für die nächsten 25 Jahre etwas bieten."

Die Tankstelle, nach der viele SZ-Leser in den sozialen Medien gefragt hatten, wird es aber nicht mehr geben. Nicht nur aus Platzmangel auf dem Grundstück, wie Krieger sagt, sondern auch, weil der Bedarf nach Benzin und Diesel perspektivisch sinken werde. Dafür bekomme der Möbeldiscounter Sconto einen Neubau, aber auf einem anderen Grundstück.

Auch die Anzahl der Parkplätze nehme ab von derzeit 2.300 auf später 1.900. Diese finden sich dann auch auf den Dächern der Gebäude, außerdem wird es andere Zufahrten geben. Auch künftig bleibe das Parken kostenlos. Nur während Abriss und Neubau wird es schwierig für die Kunden werden, die mit dem Auto anreisen, sagt Krieger.

Andere Kundschaft als in Dresdens Innenstadt

Nachdem sich kürzlich das Citymanagement kritisch zum Neubau des Kaufparkes geäußert hatte, weil es fürchtet, dass die Läden in Nickern Kunden aus der Innenstadt abziehen könnten, bleibt der Berliner Investor gelassen. "Es ist nicht unsere Absicht, den Innenstadthandel anzugreifen. Wir ändern nichts am dafür relevanten Angebot", sagt er.

Aus seiner Sicht seien es auch völlig andere Kunden, die in Nickern einkaufen, als die, die dafür in die Innenstadt führen. Außerdem gebe es ein Handelsgutachten, das diese Aspekte beachte und das werde im Verfahren berücksichtigt.

So präsentiert sich der Kaufpark Nickern aktuell.
So präsentiert sich der Kaufpark Nickern aktuell. © Sven Ellger

Zu seiner Situation in der Corona-Pandemie und der langen Schließung des Einzelhandels befragt, spricht Krieger von einem Brief, den er an Angela Merkel geschrieben habe. "Es war kein freundlicher", sagt er und erzählt, dass seine rund 10.000 Mitarbeiter seit vielen Monaten jeden Montag getestet werden. Es herrsche durchgehend Maskenpflicht.

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Es sei schade, dass ausgerechnet der Einzelhandel trotz der vielen Hygienemaßnahmen so lange geschlossen blieben müsse. Rund ein Drittel der Händler werde es nicht schaffen, schätzt Krieger ein und bezieht sich auf die Umsätze seiner rund 500 Mieter.

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