merken
PLUS Dresden

Einkaufen: "Passt auf Dresdens Innenstadt auf"

Meistgelesen: Der Globetrotter-Chef Andreas Bartmann warnt vor einem neuen Kaufpark in Nickern. Er sieht den Einzelhandel in Dresdens City in Gefahr.

Im Dresdner Clobetrotter-Haus auf der Prager Straße sollen künftig auch Fahrräder angeboten werden.
Im Dresdner Clobetrotter-Haus auf der Prager Straße sollen künftig auch Fahrräder angeboten werden. © Sven Ellger

Dresden. Es war gerade eine Woche nach Grenzöffnung, als der Hamburger Andreas Bartmann mit einem VW-Bus nach Dresden gefahren ist. Darin waren Kletterausrüstungs- und Outdoorartikel, die der Globetrotter-Chef auf Wunsch von zwei Dresdner Bergsportlern zum Verkauf mitbrachte.

Seitdem sind über 30 Jahre vergangen und Globetrotter Ausrüstung mittlerweile in Dresden eine Institution. Doch nun schlägt Bartmann warnende Töne an. "Mit großer Sorge beobachte ich die Entwicklung zur Entscheidung zum Kaufpark Nickern. Scheinbar sind sich hier einige Verantwortliche immer noch nicht bewusst, um die Dramatik der Veränderung unserer Innenstädte und des künftigen Kaufverhaltens im Einzelhandel", sagt der Manager.

Jubel
Zwei echt starke Jubiläen
Zwei echt starke Jubiläen

Die gedruckte Sächsische Zeitung wird 75 Jahre alt. Digital gibt es uns seit 25 Jahren. Beide Jubiläen wollen wir feiern - und Sie können dabei gewinnen.

Der Hamburger weiß, wovon er spricht. Allein in Dresden hat er mehrere Umzüge organisiert, weil die Firma immer weiter gewachsen ist. Von der Rähnitzgasse ging es ins ehemalige Sporthaus am Pirnaischen Platz, später ins World Trade Center und zuletzt, im September 2011, ist das neue Haus auf der Prager Straße mit 5.566 Quadratmetern eröffnet worden.

Außerdem betreibt Globetrotter Ausrüstung sechs weitere große Häuser und zahlreiche Filialen in ganz Deutschland. "Unser Dresdner Haus hat uns die letzten zwölf Monate am meisten Freude bereitet und den geringsten Umsatzrückgang von allen gehabt", sagt Bartmann. Er führt das auch auf die noch relativ gesunde Struktur des Innenstadthandels zurück.

Andreas Bartmann hat die Globetrotter Ausrüstung in Dresden mit aufgebaut.
Andreas Bartmann hat die Globetrotter Ausrüstung in Dresden mit aufgebaut. © Globetrotter

Doch jetzt spielten die Politiker mit dem Feuer, wenn sie den Neubau in Nickern zuließen, den Elbpark-Besitzer Kurt Krieger plant. Am 10. März soll der Bauausschuss mit dem Votum über einen neuen Bebauungsplan darüber entscheiden, ob der alte Kaufpark abgerissen und ein neuer gebaut wird.

In dem besteht laut Bebauungsplan die Möglichkeit, die Verkaufsfläche für das innenstadtrelevante Sortiment von bisher 19.000 auf rund 31.000 Quadratmeter zu erhöhen. "Bei Möbeln sehe ich das leidenschaftslos, aber man kann jedes T-Shirt und jeden Schuh nicht zweimal verkaufen", sagt Bartmann. Diese Sortimente gehörten in die Innenstadt.

Was passiert, wenn an der Peripherie viel Verkaufsfläche dazukommt, könne man gut in der historischen Lübecker Innenstadt sehen, erklärt Bartmann. Die sei regelrecht ausgeblutet. "Das ist schlimm, wenn die Innenstadtbesucher plötzlich vor vielen schwarz zugeklebten Fenstern stehen. Deshalb müssen sich die handelnden politischen Akteure bewusst sein, den Innenstadthandel zu schützen", sagt der Hamburger.

Erste Geschäfte in der Altmarktgalerie leer

Dabei sind erste Auswirkungen des langen Corona-Lockdowns in Dresden bereits sichtbar. In der ersten Einkaufsadresse der City, der Altmarktgalerie, gibt es schon einige dieser zugeklebten Fenster. Der französische Modeanbieter Promod befindet sich in einem Insolvenzverfahren und hat den Mietvertrag deshalb nicht verlängert.

Die gute Nachricht: Der Kosmetikanbieter Rituals will dort am 21. April eröffnen, falls das wieder möglich ist. Fast leer ist dagegen die Filiale des Süßwarenhändlers Arko, der ebenfalls Insolvenz anmelden musste.

An den Schaufenstern des Modeanbieters WE werden gerade die Werbeschriften entfernt, der Laden ist leer. Komplett ausgeräumt ist auch das einstige Strumpfgeschäft Sympatico. Im Kindermodegeschäft Sternchen hängen viele Zettel mit "Räumungsverkauf" und "Alles muss raus". Auch hier läuft der Mietvertrag aus und wird nicht verlängert. Gerry Webers Filiale ist nach der Pleite geschlossen und es gibt weitere Ladenflächen wie die von O'Neill, die zugeklebt sind. Allerdings gibt es auch eine Neuansiedlung: Der Spielwarenanbieter My toys will öffnen, wenn es wieder möglich ist. Auf die prekäre Situation der Händler hatte das Shoppingcenter vor wenigen Tagen hingewiesen, indem es rot beleuchtet war.

Das Wichtigste zum Coronavirus in Dresden:

Unternehmer Kurt Krieger ist sehr wohl bewusst, dass er mit einem neuen Kaufpark inklusive kostenlosen Parkplätzen eine Konkurrenz für die Innenstadthändler sein könnte. Zwar sagt er auf einem extra in der vergangenen Woche anberaumten Pressetermin, dass er den Kaufpark eher als Konkurrenz für seinen eigenen Elbepark sieht. Zudem gebe es noch ein Gutachten, wie der Kaufpark den Innenstadthandel beeinflussen wird. Doch Krieger schätzte selbst ein, dass ein Drittel der jetzigen Händler den Lockdown nicht überleben wird.

Bekommt der Berliner die Zustimmung zum Neubau im Bauausschuss, soll es in Nickern ganz schnell gehen. Noch dieses Jahr soll der leerstehende Baumarkt, der Sconto-Möbelmarkt und das Parkhaus abgerissen werden. 2022 beginnt der Neubau des ersten Teils, der noch 2023 fertig sein soll. Ende 2024 soll der komplette neue Kaufpark öffnen. Dann seien nur noch Restarbeiten nötig, sagte Krieger. 260 Millionen Euro will er in den Neubau investieren.

Geht es nach den Plänen von Kurt Krieger, soll der Kaufpark Nickern neu gebaut werden.
Geht es nach den Plänen von Kurt Krieger, soll der Kaufpark Nickern neu gebaut werden. © Visualisierung: Krieger Liegenschaften

Für Citymanagerin Friederike Wachtel wäre dies eine Horrorvorstellung. Der Innenstadthandel stehe unter enormen Druck, denn es sind höhere Mieten zu zahlen als in Stadtteilzentren, und steigende Parkgebühren ließen die Zahl der Kunden schrumpfen. "Unter den Handelsexperten besteht Einigkeit, dass ein wesentlicher Teil des Umsatzes, der durch die Pandemie zusätzlich online angefallen ist, von den Kunden zukünftig nicht wieder im stationären Handel ausgegeben werden wird", sagt die Citymanagerin.

Andreas Bartmann hat 120 Mitarbeiter in seinem Dresdner Globetrotter-Haus und hofft, dass dieses bald wieder öffnen kann. Um die Fläche noch effizienter zu nutzen, soll perspektivisch ein Fahrradangebot dazukommen. Zudem soll es wieder Vorträge und Veranstaltungen geben, wenn es wieder möglich ist. "Wenn ein, zwei Jahre ins Land gegangen sind, dann kann die Politik schauen, wie sich alles entwickelt hat. Aber jetzt geht sorgsam mit eurer Innenstadt um", sagt Bartmann.

Weiterführende Artikel

Dresden: Zähes Ringen um Kaufpark Nickern

Dresden: Zähes Ringen um Kaufpark Nickern

Der Bauausschuss will wissen, welche Folgen ein größeres Shoppingcenter für die City hat. Investor Krieger will schnell bauen. Doch noch hat er nicht abgesagt.

Die Dresdner City braucht dringend Ideen

Die Dresdner City braucht dringend Ideen

Die Debatte um den Kaufpark Nickern hat gezeigt, welcher Druck auf dem Dresdner Innenstadthandel lastet. Ein Kommentar.

Dresdner Innenstadt nicht vor die Hunde gehen lassen

Dresdner Innenstadt nicht vor die Hunde gehen lassen

In Folge der Pandemie könnten bald viele Geschäfte leer stehen, befürchtet das Citymanagement. Dennoch sollen Stadtteilzentren weiter entwickelt werden.

Kaufpark Nickern: Investor stellt Ultimatum

Kaufpark Nickern: Investor stellt Ultimatum

Im März soll der Dresdner Bauausschuss über einen Neubau des Kaufparks in Nickern entscheiden. Bei einem Nein zieht der Investor Konsequenzen.

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per E-Mail. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden