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"Dresdens Innenstadt braucht Erlebnisse"

Dresdens Zentrum hat Angst vor der Zeit nach Corona. Citymanagerin Friederike Wachtel über Möglichkeiten, die Innenstadt lebendig zu halten.

Friederike Wachtel ist Dresdens Citymanagerin.
Friederike Wachtel ist Dresdens Citymanagerin. © Sven Ellger

Dresden. Bau- und Verkehrsbürgermeister Stephan Kühn (Grüne) hat am Mittwoch angekündigt, einen Fachbeirat für die Dresdner Innenstadt zu gründen, mit dem eine Post-Corona-Strategie erarbeitet werden soll. Mitarbeiten sollen Vertreter zivilgesellschaftlicher Organisationen aus den Bereichen Handel, Gewerbe, Gastronomie, Hotellerie, Marketing, Tourismus und Kultur, um zusammen mit der Stadt die Situation zu analysieren und Lösungsansätze für eine lebendige Innenstadt zu definieren. Die SZ sprach dazu mit Citymanagerin Friederike Wachtel.

Frau Wachtel, der Innenstadt geht es nicht erst seit gestern schlecht. Kommt die Idee dieser Arbeitsgruppe nicht viel zu spät?

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Wir als Citymanagement haben den Wunsch nach einer solchen Gruppe bereits letztes Jahr geäußert, haben mit Vertretern der Verwaltung und Stadträten dazu gesprochen. Steter Tropfen höhlt den Stein, jetzt ist sie da. Es ist müßig zu fragen, ob zu spät. Hauptsache es passiert etwas, damit schnell Impulse für eine lebendige und attraktive Innenstadt davon ausgehen.

Ihr Verein hat gemeinsam mit dem Handelsverband Sachsen bereits im Vorjahr auf ein fehlendes aktuelles Zentrenkonzept hingewiesen, in dem Ziele und Aufgaben für die Innenstadtentwicklung formuliert werden könnten. Das vorliegende stammt aus dem Jahr 2006. Wäre das nicht die Aufgabe, daran zu arbeiten?

Das wäre es durchaus, weil ein aktuelles Konzept mit seiner Analyse der Situation Diskussionsgrundlage wäre und ein geeignetes Instrument, um die Entwicklung zu steuern. Das alte ist völlig überholt, der Onlinehandel hat sich erst danach richtig entwickelt und prägt inzwischen das Einkaufsverhalten elementar. An eine Corona-Pandemie war an diesem Zeitpunkt nicht zu denken. Vielleicht ergibt sich in der Arbeit im Fachbeirat, dieses Konzept so schnell wie möglich erstellen zu lassen.

Bürgermeister Stephan Kühn möchte einen großen Kreis an Akteuren einbeziehen. Das klingt nach Elefantenrunde. Geht da nicht wichtige Zeit verloren?

Natürlich bündeln wir als Citymanagement die Probleme unserer mehr als 80 Mitglieder. Aber ich finde es wichtig, dass die Händler, Gastronomen und Kulturschaffenden ihre Sorgen und Erwartungen persönlich ansprechen können. Es ist wichtig, Details dieser Innenstadtprotagonisten zu hören. Sie haben einen so großen Handlungsdruck, dass sie aufs Tempo drücken werden.

Wie kann die Innenstadt aus Ihrer Sicht wieder attraktiv werden?

Da muss für alle Alters- und Interessengruppen etwas angeboten werden. Dresdens Innenstadt braucht Erlebnisse. Dazu zählt längst nicht nur Kunst und Kultur mit einem vielfältigen Shopping- und Gastronomieangebot. Es muss auch mehr Freiraum mit Grünflächen und Sportmöglichkeiten mitten in der City geben, damit man sich wieder gern aufhält und angesprochen fühlt. Ich denke zum Beispiel an regelmäßige Lauf- oder Fahrradveranstaltungen, Konzerte und Treffpunkte für Familien. Dresdens Innenstadt muss Touristen, Gäste aus dem Umland und Einheimische gleichermaßen ansprechen. Das funktioniert nicht sofort, es ist ein jahrelanger Transformationsprozess. Hier helfen uns nur langfristig angelegte Konzepte. Dafür muss auch Geld da sein. Ein paar Fördermittel hier und kleines Budget da, reichen für ein nachhaltiges Standortmarketing nicht aus.

Wie kann Ihr Verein das positiv vorantreiben?

Das Citymanagement besteht neben mir nur noch aus einem weiteren festen Mitarbeiter, dazu kommen die ehrenamtlich agierenden Vorstandsmitglieder. Wir sind Ansprechpartner für Händler, Gastronomen, Kulturschaffende, aber auch für die Stadtverwaltung und -politik. Wir analysieren, geben Stimmungsbilder ab und vernetzen Akteure. Viele Interessenten wollen jetzt gern unser Netzwerk nutzen. Dieses steht aber in erster Linie unseren Mitgliedern, dem Verein und zur Entwicklung der Innenstadt zur Verfügung.

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Beim Thema Vorantreiben heißt das für mich konkret auch Wahrheiten anzusprechen und nicht immer nur in Schubladen zu denken. Konkret geht es um fehlende Parkplätze und die Anhebung der Parkgebühren. Es kommen definitiv nicht alle Gäste aus dem Umland oder aus Tschechien mit öffentlichen Verkehrsmittel in die Innenstadt. Für sie muss es auch gute und bezahlbare Möglichkeiten geben, ihr Auto abzustellen. Sonst wandern sie in Einkaufszentren am Stadtrand mit kostenlosen Parkflächen ab. Darüber muss noch einmal neu diskutiert werden.

Auch zum Thema Sonntagsöffnungszeiten brauchen die Händler und Gastronomen, aber auch der Verein Planbarkeit und Verlässlichkeit. Nur so können wir auch viele Besucher für unser Stadtzentrum begeistern.

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