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Auferstehung einer Dresdner Einkaufsstraße

Nach langer Flaute entwickeln sich Handel und Gastronomie rund um die Grunaer Zwinglistraße. Wer sich hier einmietet und wie die Flächen genutzt werden.

Hans-Peter Klengel ist einer der Vorstände der Wohnungsgenossenschaft, der die Ladenzeile gehört. Der Handel an der Papstdorfer Straße entwickelt sich gut, sagt er.
Hans-Peter Klengel ist einer der Vorstände der Wohnungsgenossenschaft, der die Ladenzeile gehört. Der Handel an der Papstdorfer Straße entwickelt sich gut, sagt er. © Marion Doering

Dresden. Der Supermarkt hat den Durchbruch gebracht, sagt Hans-Peter Klengel. Seit 2006 ist er technischer Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Aufbau (WGA) und verfolgt seitdem, wie sich die Ladenzeile an der Zwingli- und Papstdorfer Straße entwickelt. Der Genossenschaft gehören die Häuser, in deren Erdgeschoss sich die Geschäfte befinden. Jahrelang standen Läden leer - bis der Supermarktdiscounter Norma eine Filiale eröffnete. Das war 2015 - und zugleich die Initialzündung für den Handel.

Nach und nach folgten weitere Mieter, inzwischen sind alle Läden wieder belebt. Neben Grunaer Urgesteinen wie der Apotheke und der Billigtextilkette Zeeman am östlichen Ende der Arkade hat ein Reisebüro seine Räume im Erdgeschoss bezogen.

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Die Apotheke profitiert vom gegenüberliegenden Ärztehaus. Die Textilkette ist ebenfalls schon viele Jahre Mieter in der Grunaer Ladenzeile.
Die Apotheke profitiert vom gegenüberliegenden Ärztehaus. Die Textilkette ist ebenfalls schon viele Jahre Mieter in der Grunaer Ladenzeile. © Marion Doering

"Vor 2015 standen hier viele Läden leer"

Allerdings blieb die Corona-Krise hier nicht ohne Folgen - das Reisebüro hat vor gut einem halben Jahr zugemacht, sagt Klengel. Nun versucht ein neuer Reiseanbieter sein Glück am selben Standort. Gleich daneben befindet sich ein Geschäft für Holzspielwaren, in dem es Holzspielzeug für die ganz Kleinen, aber auch Puppenhäuser und Modellautos gibt.

"Vor 2015 standen hier viele Läden leer", räumt Klengel ein. Gewerbeflächen waren in den Jahren zuvor nicht gut nachgefragt. Dennoch wollte die WGA das Gebiet in Altgruna entwickeln und attraktiver gestalten - und nahm 800.000 Euro in die Hand, um eine Fläche für den Supermarkt herzurichten. "Uns war klar, dass wir einen starken Ankermieter brauchen." An Lebensmittelgeschäften mangelte es im Gebiet ohnehin, bis auf den Netto an der Zwinglistraße gibt es kaum Anbieter im Umfeld. Doch es war gar nicht so einfach, eine der Ketten für den Standort zu gewinnen, berichtet Klengel. Denn es fehlen Parkplätze. Ein Ausschlusskriterium für die meisten Unternehmen.

Wer im Grunaer Norma einkaufen geht, kommt meist zu Fuß. Für die zahlreichen Senioren, die in Altgruna nicht nur in den Sechsgeschossern der WGA, sondern auch in den Vonovia-Hochhäusern leben, war der neue Supermarkt ein Segen. "Er bereichert das Gebiet definitiv", sagt Klengel und betont, dass die Wohnungen in Gruna sehr gefragt sind. "Wir haben hier keinen Leerstand." Das liegt wohl auch daran, dass die WGA die Wohnzeile 2016 saniert und zehn Aufzüge eingebaut hat. "Für die Älteren ist das optimal."

Doch auch die Jugend hat in der Ladenzeile einen Anlaufpunkt gefunden. Im Familienzentrum Pauline haben Kinder und Jugendliche eine Begegnungsstätte bekommen. Auch andere Geschäfte werden heute nicht mehr zum Shopping, sondern für soziale Angebote genutzt. Neben der Seniorenbegegnungsstätte der Volkssolidarität hat die Genossenschaft selbst ein Kindersportzentrum eingerichtet. Inzwischen gibt es dort auch Gesundheitssport für Senioren.

Skepsis in einigen Punkten

Weitere wichtige Mieter sind die Gastronomen. An der Ecke zur Zwinglistraße - vielen Dresdnern ist das Eckrestaurant aus der Nachwendezeit als einer der ersten Italiener in der Stadt bekannt - hat sich ein Kebab-Haus eingemietet. An derselben Stelle hatte sich vor Jahren ein Betreiber mit asiatischen Speisen versucht. Er musste die Kneipe dann allerdings aufgeben, so Klengel. Das Geschäft mit Döner und Co. scheint aber gut zu laufen.

Auch neben der Stadtteilbibliothek, die seit 1985 viele Leser und damit auch Kundschaft nach Gruna zieht, hat sich ein neues gastronomisches Angebot etabliert: Die Fabrik versteht sich selbst als ein kleines Speisencafé, in dem es neben allerlei süßem Gebäck Sandwiches und Burritos gibt. Ein Mix, der anzukommen scheint - am Mittag sind die Plätze vor dem Café fast alle besetzt.

Seit diesem Mittwoch dürfen die Gäste der "Fabrik" auch wieder direkt vor dem Café Platz nehmen.
Seit diesem Mittwoch dürfen die Gäste der "Fabrik" auch wieder direkt vor dem Café Platz nehmen. © SZ/Nora Domschke

Hans-Peter Klengel ist jedenfalls zufrieden, wie sich die Ladenzeile und der Mix an Geschäften entwickelt haben. Von Corona bedingten Schließungen habe er bislang nichts gehört, alle Betreiber halten durch, hofft er. Dass Gruna nun auch vonseiten der Stadt weiter entwickelt werden soll, freut den WGA-Vorstand. In das Areal zwischen Zwinglistraße und Rothermundpark sollen Städtebaufördermittel fließen, kürzlich stellten die Stadtplaner ihre Pläne für das Gebiet vor.

Klengel ist allerdings bei einigen Punkten skeptisch, etwa mit Blick auf den Abriss der alten und heruntergekommenen Kaufhalle am Findlingsbrunnen. In zentraler Lage im Stadtteil bietet das Gebäude neben den schön bepflanzten Blumenbeeten am Brunnen nicht unbedingt einen schönen Anblick.

Der Findlingsbrunnen wurde saniert, die Blumenbeete sind neu bepflanzt. Die alte Kaufhalle stört den sonst gepflegten Eindruck des Areals allerdings.
Der Findlingsbrunnen wurde saniert, die Blumenbeete sind neu bepflanzt. Die alte Kaufhalle stört den sonst gepflegten Eindruck des Areals allerdings. © Sven Ellger

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Seit vielen Jahren gehört das Gebäude, in dem sich ein Asiamarkt befindet, einem Eigentümer, der es nicht verkaufen will. "Wir haben auch schon angefragt, wir würden es für neue Wohnungen nutzen", so Klengel. Aber da sei bislang nichts möglich. Zudem werde das Angebot des Marktes im Gebiet gut angenommen. "Das passt einfach hier rein." Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs, wie es etwa auch der Schuhladen zu bieten hat, ein nicht zu teures Sortiment - das ist bei den älteren Anwohnern gefragt.

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