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Läden dicht: Handelsfläche in Dresden schrumpft

Flächenmäßig gehen die Shopping-Angebote in Dresden zurück. Der Trend habe schon vor Corona eingesetzt. Welche Läden und Stadtteile betroffen sind.

Die Prager Straße in Dresden ist wieder voll - trotz Maskenpflicht. Einige Händler haben den Lockdown jedoch nicht geschafft. Der Online-Handel erzeugt zusätzlichen Druck.
Die Prager Straße in Dresden ist wieder voll - trotz Maskenpflicht. Einige Händler haben den Lockdown jedoch nicht geschafft. Der Online-Handel erzeugt zusätzlichen Druck. © Christian Juppe

Dresden. Erstmals seit dem Abriss des Centrum-Warenhauses im Jahr 2007 ist die Verkaufsfläche in Dresden wieder geschrumpft. So standen im vergangenen Jahr 10.000 Quadratmeter weniger zum Shopping zur Verfügung, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage von SPD-Stadträtin Kristin Sturm mit. Der Rückgang falle mit einem Prozent gemessen an der Gesamtverkaufsfläche zwar gering aus, sei aber nicht zu übersehen. "Es ist bereits deutlich erkennbar, dass sich der Leerstand im Dresdner Einzelhandel im letzten Jahr wesentlich erhöht hat, zum Beispiel entlang der Wilsdruffer Straße oder in Teilbereichen der Prager Straße", heißt es aus dem Rathaus.

Woher kommt der Verlust?

Der aktuelle Verlust sei im Wesentlichen auf den Umzug und die Verkleinerung des Wöhrl-Kaufhauses an der Prager Straße, die Schließung der Spielaxie und einzelner Modeanbieter in der Altmarkt-Galerie sowie den geschlossenen Pfennigpfeiffer-Markt an der Wallstraße zurückzuführen. Für Pfennigpfeiffer gibt es inzwischen einen Nachmieter. Die Kette Woolworth will dort Mitte August einziehen.

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Ist nur die Corona-Krise daran schuld?

Nein, schätzt die Stadtverwaltung ein. Insbesondere der stationäre Mode- und Schuhhandel habe bereits vor der Pandemie einen deutlichen Umsatzrückgang verzeichnen müssen. Ein Grund sei das Konsumverhalten der Menschen, die häufiger als früher über das Internet Kleidung und Schuhe bestellen. Die Modebranche reagiere auf diese Entwicklung sensibler als andere. Darüber hinaus steckten hinter Geschäftsaufgaben immer auch betreiberspezifische Gründe.

Die Verwaltung rechnet damit, dass die Folgen der Pandemie wohl erst in den kommenden Monaten sichtbar werden. Daher sei auch eine Überarbeitung des Zentrenkonzepts nötig. Diese war ohnehin vorgesehen. Durch die Corona-Krise müsse der Entwurf nun jedoch erneut angefasst werden. So sei für den Herbst eine Untersuchung der Einzelhandelssituation geplant.

"Die Pandemie wirkt für Handel und Gewerbe als Katalysator und verstärkt zusätzlich den bestehenden Konkurrenzdruck durch den Onlinehandel", so Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne). "Die wirtschaftlichen Verwerfungen sind noch nicht genau absehbar, von Geschäftsaufgaben und Insolvenzen im Einzelhandel müssen wir aber ausgehen."

Gibt es denn Handelszweige, die wachsen?

Tatsächlich gibt es Branchen, die im stationären Handel expandieren. Allen voran der Lebensmitteleinzelhandel. Dieser weise ein ununterbrochenes Wachstum auf. Im Zentrum haben in den vergangenen zwei Jahren allein in Postplatz-Nähe drei Supermärkte neu eröffnet - zwei Rewe-Märkte und ein Edeka. Ende des Jahres will sich auch Lidl dort etablieren. So ist die Eröffnung eines Geschäfts im Erdgeschoss der neuen Mary-Ann-Apartments geplant, dort, wo früher das alte Fernmeldezentrum stand. Die Supermarkt-Fläche wachse aber nicht nur im Zentrum, sondern überall in Dresden, so die Stadt weiter.

Schrumpft die Handelsfläche auch in den Stadtteilen?

Geschrumpft ist die Handelsfläche zuletzt vor allem im Zentrum. Vor zwei Jahren gab es den letzten großen Flächenrückgang außerhalb. Damals mit dem Auszug von Multi-Möbel, Baby One und dem Getränkemarkt aus dem Otto-Dix-Center (O.D.C.) in Strehlen. Was die vergangenen Monate angeht, so ist bei einigen Stadtteilzentren von eher leichten Flächenverlusten die Rede. Das betrifft zum Beispiel Gorbitz und den Jacob-Winter-Platz in Prohlis. Es habe aber auch Gewinne gegeben, etwa am Nürnberger Ei und am Trachenberger Platz. Dort sei die Bilanz relativ ausgeglichen, so die Stadt.

Stärkt die Stadt vor allem inhabergeführte Geschäfte?

Rossmann, H&M, New Yorker, Deichmann, Zara: Im Dresdner Zentrum ist der Anteil von Filialen großer Handelsketten besonders hoch. Kleine Boutiquen muss man schon suchen. Die Einflussmöglichkeiten der Stadt auf die Vermietungspraxis der Immobilieneigentümer sei aber relativ gering, teilt das Rathaus mit. "Wo es sinnvoll und angemessen ist, wird versucht, die Ansiedlung des kleinteiligen Einzelhandels durch entsprechende Verkaufsflächen- oder Grundflächenbeschränkungen in den Bebauungsplänen zu forcieren." Das sei zum Beispiel am Neumarkt und an der Herzogin Garten geschehen.

Ist das alles?

Nein, die Stadt bemüht sich aktuell um eine "Post-Corona-Zukunftsstrategie" für den innerstädtischen Dresdner Handel. Dabei soll ein Fachbeirat, bestehend aus Einzelhändlern, Gastronomen, Touristikern, Künstlern, Wissenschaftsvertretern und Grundstückseigentümern die Verwaltung beraten. Ziel sei es, so Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne), die Rahmenbedingungen für Handel und Gewerbe langfristig zu verbessern. "Insbesondere sollen Maßnahmen identifiziert werden, die zu einer Erhöhung der Besucherfrequenz und Aufenthaltsqualität führen."

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