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Sicherheit in Dresdens Innenstadt: Stadt prüft Wiedereinführung der Citystreife

Dresdens Innenstadt fehlt einiges, vor allem Grün, aber auch ein hohes Sicherheitsgefühl. Was Stadtplaner, Gewerbetreibende, Wissenschaftler und Stadtverwaltung vorschlagen, damit die City attraktiver wird.

Von Kay Haufe
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Auf der Prager Straße gibt es einige leerstehende Geschäfte.
Auf der Prager Straße gibt es einige leerstehende Geschäfte. © Archivfoto: Rene Meinig

Dresden. Nur etwas mehr als die Hälfte der Dresdnerinnen und Dresdner finden ihre Innenstadt attraktiv, von zehn Prozent gibt es sogar die Bewertung unattraktiv. Das hat die Auswertung der aktuellen Bürgerumfrage ergeben. Sichtbare Zeichen einer negativen Entwicklung sind zum Beispiel leere Schaufenster auf der Prager Straße oder vermüllte Bereiche im Umfeld des Wiener Platzes. Doch wie sollte oder müsste sich die Innenstadt verändern, um wieder mehr Besucher anzulocken?

Ideen dazu gab es beim Dresdner Handelsforum des Citymanagements am Dienstag. Unternehmerin Claudia Riedel von Schaulust, Tourismusexpertin Corinne Miseer, Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne), Kulturamtsleiter David Klein, Tourismusforscher Marco Richter und der Hamburger Stadtplaner Thomas Krüger hatten unterschiedliche Anregungen für die Entwicklung der City.

Unter welchen Problemen leidet die Innenstadt?

Das sind eine ganze Menge, schätzt Dresdens Baubürgermeister ein. Zum Beispiel die unattraktiven Rückseiten der Prager Straße in Richtung Reitbahn- und St. Petersburger Straße. Doch das ist erkannt und es stehen Fördermittel für zwei Projekte bereit, um diese Bereiche zu entsiegeln und begrünen, damit sich Leute dort künftig gern aufhalten.

Auch das Thema Sicherheit rund um den Wiener Platz werde in der Verwaltung beobachtet. "Wir prüfen die Wiedereinführung der Citystreife", erklärt Kühn. Die Citystreife, ein privates Sicherheitskonzept auf Dresdens Einkaufsmeile, bei dem mehrere Teams aus Wachleuten von früh bis abends auf Patrouille ginge, war 2015 und 2016 mehrere Monate lang getestet worden. In dieser Phase hatte sich das Sicherheitsgefühl für Kunden und Mitarbeiter der Geschäfte stark verbessert. Große und kleine Händler sowie Sicherheitsdienste hatten den Test finanziert.

Wie kann Dresdens Innenstadt wieder attraktiver werden? Gäste der Podiumsdiskussion zum Handelsforum waren Kulturamtsleiter David Klein, Unternehmerin Claudia Riedel, Moderator Dietrich Nixdorf, Tourismusexpertin Corinne Miseer und Tourismusforscher Marco
Wie kann Dresdens Innenstadt wieder attraktiver werden? Gäste der Podiumsdiskussion zum Handelsforum waren Kulturamtsleiter David Klein, Unternehmerin Claudia Riedel, Moderator Dietrich Nixdorf, Tourismusexpertin Corinne Miseer und Tourismusforscher Marco © Sven Ellger

Nach der Dachsanierung des Hauptbahnhofes werde man ab 2025 den Vorplatz attraktiver gestalten, das sei bereits in Planung. Wesentlich mehr Grün soll es auch am südlichen Eingang der Prager Straße geben, am Dr.-Külz-Ring sowie an der Kreuzstraße und dem gerade entstehenden neuen Verwaltungszentrum am Ferdinandplatz. Die Stadt hat eine ämterübergreifende "Taskforce Innenstadt" ins Leben gerufen, so Kühn.

Thomas Krüger sieht die Verlagerung des Umsatzes in große Center am Stadtrand wie den Elbepark als problematisch an. Er spricht auch die bis 2021 permanent steigenden Mieten in den Innenstädten an, die es Händlern schwer machen. Derzeit gebe es aber einen Rückgang. Dass die Dresdner Innenstadt so aussieht, wie sie aussieht, sei eine Folge der Fokussierung auf den Konsum in den 1990er-Jahren, schätzt David Klein ein. Heute sei vielmehr die Multifunktionalität wichtig.

Gibt es Gruppen, die gar nicht mehr in die City kommen?

Tatsächlich kommen junge Menschen heute sehr viel seltener in die Innenstadt als noch vor zehn Jahren, sagt Thomas Krüger. Es gibt einen Verlust bei dieser Zielgruppe von 35 Prozent. "Für die verliert die City an Attraktivität, weil es keinen Grund für sie gibt, dorthin zu kommen." So "entwöhnten" sich die Jungen von der Innenstadt und dieses Verhalten werde auch später oft beibehalten. "Das ist eine sehr problematische Entwicklung für den Handel", sagt auch Kühn.

Was muss Dresden verändern, damit wieder mehr Leben in die Innenstadt kommt?

"Die Konstante der europäischen Stadt war, dass sie ein Treffpunkt war, kein Konsummarkt. Und das sollte sie wieder werden", sagt Thomas Krüger. Das beinhalte auch das "Abhängen, draußen, ohne Konsumzwang, in angenehmer Umgebung". Eine Chance sieht Krüger in der Entwicklung, dass Gastronomie für junge Menschen durchaus ein Anlass ist, die Innenstadt zu besuchen. "Die warten nur auf neue Formate, um sie auszuprobieren."

Angebote für bestimmte Zielgruppen müssten entwickelt werden, empfiehlt Marco Richter. "Das Thema Familie ist ganz groß, was kann ich denen bieten." Aber in puncto Zielgruppen sei Dynamik drin, die Anforderungen änderten sich permanent und man müsse variabel sein und schnell reagieren. "Es gibt nicht die eine Empfehlung, Kreativität muss gefördert werden." Dazu müssten Dresdner wie Touristen einbezogen werden, der Erholungswert der Innenstadt müsse gestärkt werden ebenso wie der Freizeit- und Erlebniswert.

Claudia Riedel wünscht sich, dass in Dresden risikovoller mit Kultur im öffentlichen Raum experimentiert wird. "Mir fehlen die verrückten, bunten Ideen, die Dresdner selbst entwerfen. Dafür müssen junge Leute mit an den Tisch geholt werden, die bauen die weitere Stadt doch auf!"

Wer sollte ins Boot geholt werden für mehr Attraktivität?

"Die Immobilieneigentümer müssen mit ran", sagt David Tobias, Geschäftsführer des Handelsverbandes Ostsachsen. Es könne nicht Aufgabe der Händler und der Kommune allein sein, Ideen für die Innenstadt zu entwickeln. "Wir brauchen von denen auch eine Co-Finanzierung, sie profitieren am Ende auch davon." Ähnlich sieht das Claudia Riedel. "Wir müssen ehrlich miteinander sprechen, Unternehmer, Stadt und Vermieter."

Andrea Knabe, die Centermanagerin des QF am Neumarkt, erklärt, wie schwierig es ist, einen geeigneten Ansprechpartner zu finden, wenn man eine Idee hat, um Leerstände zu neu zu belegen. "Das Citymanagement ist personell nicht so aufgestellt, um diese Aufgabe übernehmen zu können. Aber wir brauchen eine Stelle in Dresden, die das aufnimmt und koordiniert", fordert sie und findet Unterstützung von Claudia Riedel. "Es muss einen geben, der den Hut aufhat und Akteure zusammenbringt."

Welche Entwicklungen schaden der Innenstadt?

Der Handelsriese Globus will sich seit Jahren in Dresden ansiedeln, aktuell ist ein Grundstück in der Friedrichstadt, keine zwei Kilometer von der Innenstadt entfernt, im Gespräch. Thomas Krüger warnt davor, ein weiteres Fachmarktzentrum wie dieses zuzulassen. "Die haben fast alles im Angebot, was es in der Innenstadt auch gibt und ziehen Kunden von dort ab." Doch wer bezahle am Ende die Bespielung der Innenstadt?

"Wenn sich die Innenstadt nicht auf Shopping konzentriert, sondern auf die soziale Funktion, den Treffpunkt, den Erlebnisbereich, kommt sie vielleicht aus der Wettbewerbssituation heraus. Doch die Händler leiden unter einem solchen neuen Angebot", sagt Tourismusforscher Richter.

Er habe seine Kunden befragt, wer nach einem Besuch des Elbeparkes noch in die Innenstadt fährt, sagt Centermanager Gordon Knabe. "Das Ergebnis waren sechs Prozent. Also wird ein neuer Anbieter noch mehr Leute abhalten, in die Innenstadt zu gehen. Allein der Elbepark rechnet mit der Globusansiedlung mit 10 bis 15 Prozent Umsatzverlust."