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Erste Feuerwehr in Dresden: Als die Turner Brände löschten

Seit es Dresden gibt, müssen in der Stadt auch immer wieder Brände gelöscht werden. Turnsportler gründeten vor 130 Jahren deren erste freiwillige Feuerwehr.

Von Ralf Hübner
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Feuerlöschen um 1875: Feuerwehrmänner der städtischen Feuerwache Altstadt mit zweirädriger Handdruckspritze.
Feuerlöschen um 1875: Feuerwehrmänner der städtischen Feuerwache Altstadt mit zweirädriger Handdruckspritze. © Quelle: Technische Sammlungen Dresden

Dresden. Die Dresdner Feuerwehr ist meist stark beschäftigt. Allein 2021 wurde sie rund 9.500 Mal alarmiert und musste gut 2.000 Brände löschen. Fünf davon waren Großbrände. In anderen Fällen ging es um unter anderem um Verkehrsunfälle, Starkregen oder Sturm. Vor 160 Jahren wurde am 17. Januar 1863 mit zunächst 75 Turnern des Allgemeinen Turnvereins zu Dresden das freiwillige Corps der Turnerfeuerwehr gegründet.

Die Turnerfeuerwehr gilt als erste fest organisierte Feuerwehr in Dresden. Fünf Jahre später wurde die Berufsfeuerwehr gebildet, und einige der Turner waren die ersten festangestellten Feuerwehrleute der Stadt. Doch schon bevor es die Turnerfeuerwehr gab, mussten in der Stadt immer wieder Feuer gelöscht werden, denn seit dem Mittelalter wüteten immer wieder furchtbare Brände. Die Stadt war eng bebaut.

Viele der Häuser waren zum großem Teil aus Holz und mit Stroh gedeckt. Deren Einwohner hantierten mit offenem Feuer. Hinzu kamen Blitzeinschläge oder Brandschatzungen etwa bei Krieg. Beim großen Stadtbrand von 1491 wurde etwa jedes zweite der damals 470 Gebäude zerstört. Auch die damalige Kreuzkirche ging in Flammen auf. Das Feuer soll am 15. Juni um vier Uhr früh bei einem Bäcker in der Großen Webergasse, der späteren Scheffelgasse, ausgebrochen sein.

Einwohner waren bei Feuer auf sich gestellt

Einen Tag später brannte es in der Pirnaischen Gasse. Herzog Albrecht der Beherzte versuchte, den Wiederaufbau mit Vergünstigungen wie Steuerbefreiungen, Darlehen und verbilligtem Baumaterial, Bauholz, Steinen und Kalk zu beschleunigen. Neue Bestimmungen sahen vor, dass die Häuser bis zum zweiten Stock aus Stein gebaut werden mussten.

Wenn zu jener Zeit Feuer ausbrach, waren die Einwohner des betroffenen Stadtviertels vor allem auf sich selbst gestellt. Vom Turm der Kreuzkirche aus wurde das Feuer lokalisiert. Glockengeläut, der Lärm von Hörnern und Trommelwirbel brachten die Menschen auf die Beine. Mit Wassereimern, Einreißhaken und Leitern versuchten sie, der Flammen Herr zu werden. Noch bis 1903 versah der Feuer- und Turmwächter auf dem Turm der Kreuzkirche seinen Dienst.

Pferdebesitzer mussten Wagen Wasserbottiche fahren. Neben Wassereimern verfügten die Dresdner ab 1515 eine erste Handspritze. 1684 ließ Kurfürst Johann Georg III. in Amsterdam eine Schlangenbrandspritze mit Lederschläuchen beschaffen. Das war damals moderne Technik und Dresden war die erste Stadt in Deutschland, die damit ausgerüstet war und der Kurfürst drängte den Rat, genügend Leute für deren Bedienung auszubilden.

Auf Trümmern entsteht die Innere Neustadt in Dresden

Die neue Spritze bewährte sich schon 1685 bewähren, als am 6. August im damaligen Altendresden im Haus des Kunsttischlers Tobias Edler in der Meißner Gasse – zwischen dem jetzigen Blockhaus und dem Bellevue-Hotel – ein Feuer ausbrach und die Stadt fast komplett zerstörten. 331 Häuser brannten bis auf die Grundmauern nieder. Später ließen die Kurfürsten auf den Trümmern die Neue Königsstadt errichten - die jetzige Innere Neustadt.

Der Transport der Feuerspritzen und der schweren Löschtechnik war Sache der 1705 gegründeten Chaisenträgeranstalt. Immer wieder waren die Stadtväter und vor allem der Kurfürst auf einen besseren Feuerschutz Stadt bemüht. Fürst, Adlige und Großbürgertum fürchteten wohl auch um ihren Besitz und Steuerausfälle, die mit der Vernichtung der Häuser, das damit einhergingen.

1701 zerstörte ein Feuer große Teile des Residenzschlosses. 1704 lernte August der Starke die spätere Gräfin Cosel kennen, als sie bei einem Brand ihres Wohnhauses in der Kreuzgasse die Löschmannschaften kommandierte. Während des Siebenjährigen Krieges wurden 1758 zunächst die Pirnaische Vorstadt und am 17. Juli 1760 bei Kämpfen zwischen Österreichern und Preußen 226 Bürgerhäuser sowie die Kreuzkirche niedergebrannt.

Brand der Kreuzkirche sorgte für technischen Schub

1806 wurde ein Major Dittrich erster Feuerlöschdirektor von Dresden, 1835 gründete sich ein "Feuerlösch- und Rettungsverein". Die Stadt war auf 95.000 Einwohner gewachsen, das Brandschutz- und Feuerlöschwesen musste dringend reformiert werden. Mit der Gründung der Turner- und später der Berufsfeuerwehr brach eine neue Ära an. Sie bestand bis 1881.

Von 1889 an verfügte die Berufsfeuerwehr über ein Hauptdepot auf der Annenstraße auf Altstädter Seite und ein Nebendepot auf der Bautzner Straße in der Neustadt. Der Brand der Kreuzkirche 1897 sorgte für einen technischen Schub. Die ersten beiden Dampfspritzen wurden bewilligt und die Berufsfeuerwehr weiter aufgestockt und ab 1899 ein neues System von Straßenfeuermeldern aufgebaut.

Während des Ersten Weltkrieges kam es 1916 zu einem Großbrand einer der größten deutschen Munitionsfabriken im Arsenal, dem jetzigen Industriegelände. Im selben Jahr nahm die damals neue Feuerwache in der Louisenstraße den Probebetrieb auf. 1926 gab es in Dresden fünf Feuerwachen und etwa 300 Feuerwehrbeamte.

Im Zweiten Weltkrieg gingen bei der Zerstörung der Stadt auch rund 100 Einsatzfahrzeuge verloren. Das war fast der gesamte Fahrzeugbestand. 107 Hilfs- und Löschkräfte der Feuerwehr starben. Nach dem Krieg wurden 128 Fahrzeuge für die Feuerwehr beschlagnahmt. Die Berufsfeuerwehr zählte noch rund 350 Mann. Damit begann der Wiederaufbau.