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Dresdner Fernsehturm: Betreiber bald vorgestellt

Fast 30 Jahre ist der Turm jetzt für die Öffentlichkeit geschlossen. Einer, der schon an der Eröffnung 1969 mitgewirkt hat, will das ändern.

Klaus Martin hat seit über 50 Jahren eine enge Bindung zum Fernsehturm.
Klaus Martin hat seit über 50 Jahren eine enge Bindung zum Fernsehturm. © Sven Ellger

Dresden. Diesmal könnte es klappen. Mit den zugesagten 12,8 Millionen Euro vom Bund und jeweils 6,4 Millionen Euro von Stadt und Land soll der Fernsehturm baulich so ausgestattet werden, dass in einigen Jahren wieder Besucher den Blick vom Turmcafé und der Besucherterrasse auf Dresden genießen können. Das städtische Geld ist im Haushaltsplan 2021/22 sowie mittelfristig bereitgestellt. Was noch fehlt, ist der Beschluss des Stadtrates zur Absichtserklärung, den Turm wieder öffnen zu wollen. Aktuell wird darüber in den Gremien der Stadt debattiert. Genau wie über das Verkehrskonzept. Vor allem die Wachwitzer Anwohner sehen darin noch einige Punkte, die geklärt werden müssen.

Insgesamt aber hat das Vorhaben Fahrt aufgenommen. Auch, was die Betreibersuche anbelangt. "Die Gespräche mit den Interessenten für den Betrieb des Dresdner Fernsehturms sind weit fortgeschritten", sagt Benedikt Albers, der Sprecher der Funkturm GmbH, der der Sendeturm gehört. Während des laufenden Auswahlverfahrens könne man zwar keine Details nennen. "Wir sind aber zuversichtlich, in den nächsten Wochen weitere Informationen zu dem neuen Betreiber kommunizieren zu können."

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Bei der Stadt rechnet man im 2. Quartal 2021 damit. Gegenwärtig würden die eingereichten Angebote geprüft. In einer nächsten Phase soll darüber verhandelt werden, informiert Marcel Timmroth, der Referent im Bürgermeisteramt und zuständig für das Fernsehturmprojekt ist. Ist der Betreiber ausgewählt, wird mit ihm konkret geplant, wie die Ausstattung im Turm aussehen soll.

Sondergenehmigung für Spezialmöbel

Einer, der genau diese Aufgabe vor über 50 Jahren schon einmal übernommen hat, ist Klaus Martin. Er war 26 und gerade frisch von der Handelshochschule in Leipzig gekommen, als er ab 1967 als Technologe des HO-Gaststätten-Betriebes an der Ausstattung des Fernsehturmes mitarbeiten durfte. Damals musste er berechnen, wie viele Arbeitskräfte im Turmcafé nötig waren, wie der Warenfluss funktionieren und wie die Kücheneinrichtung aussehen sollte.

"Ich weiß noch genau, wie schwierig es war, die Spezialmöbel zu bekommen, denn der Turm ist ja ein Rundbau. Da passte nichts von der Stange", erinnert sich Martin, der sich heute seit vielen Jahren im Fernsehturmverein engagiert. Um die Passstücke in Nirosta-Stahl zu bekommen, benötigte er sogar Sondergenehmigungen von der SED-Bezirksleitung und dem Rat der Stadt Dresden.

"Aber wir haben alles daran gesetzt, dass der Terminplan nicht gefährdet wurde. Das Arbeitsklima damals war einzigartig, alle wollten, dass es am Turm voranging und hatten Euphorie und Elan für das mitunter schwierige Projekt", erinnert sich Martin.

Der 78-Jährige weiß noch wie heute, als er und andere, die am Turm mitarbeiteten, im Mai 1969 zum Chef des Rundfunk- und Fernsehtechnischen Zentralamtes auf den Weißen Hirsch gerufen wurden. Dort teilte man den Anwesenden mit, dass die Arbeiten an der geplanten Gaststätte am Fuße des Turms eingestellt werden. "Erst später haben wir erfahren, dass das vorgesehene Geld stattdessen für den Bau der Bobbahn in Altenberg verwendet werden sollte", sagt Martin.

Damals waren aber bereits die Kellerräume und Teile des Erdgeschosses in Wachwitz fertig. Martin erinnert sich, dass der Architekt der Gaststätte bei der Verkündung damals Tränen in den Augen hatte. "Ich bekam dann die Aufgabe, aus der Baracke für die Bauarbeiter eine Imbissbude zu machen, damit Gäste des Turmes auch unten etwas essen konnten." Allerdings sei dieser Imbiss so primitiv gewesen, dass er sich nur ein Jahr hielt.

Die Ausstattung aus den Hellerauer Werkstätten wurde ausgebaut. Heute präsentiert sich das ehemalige Turmcafé im tristen Rohbau-Look.
Die Ausstattung aus den Hellerauer Werkstätten wurde ausgebaut. Heute präsentiert sich das ehemalige Turmcafé im tristen Rohbau-Look. © Sven Ellger

Ein trauriges Jubiläum

Obwohl viele Jahre vergangenen sind, engagiert sich Klaus Martin weiter für den Wachwitzer Turm. Es bedrückte ihn sehr, als er erfuhr, dass der Fernsehturm am 30. Juni 1991 für die Öffentlichkeit aus vorwiegend bautechnischen und Brandschutzgründen für Besucher gesperrt. "Aussichtsplattform und Café in 145 m Höhe bleiben dem Publikum inzwischen seit fast 30 Jahren verschlossen. Ein trauriges Jubiläum", sagt er.

Als 2004 der Fernsehturmverein gegründet wurde, war Martin dabei. Wie viele andere, die sich in ihrer Freizeit und unbezahlt für die Revitalisierung des Turms einsetzten. "Es waren aber vorwiegend emotionale Forderungen des Vereins, die die verantwortlichen Vertreter von Stadt, Land und Telekom nicht zwingend zu Handlungen veranlassten", schätzt Martin heute ein.

Erst, als er 2014 für und mit dem Verein ein Exposé zur Revitalisierung erarbeitete, unterstützt mit Petitionen von über 40.000 Unterschriften, kam Bewegung in das Vorhaben. Hinzu kam eine repräsentative Umfrage, nach der sich über 70 Prozent der Dresdner eine Wiedereröffnung des Turmes wünschten. Die weitere Entwicklung ist bekannt und Martin stolz, dazu beigetragen zu haben.

Doch nun fordert er mehr Tempo bei der Umsetzung ein. "30 Jahre geschlossener Fernsehturm darf nicht zum Mahnmal der Langsamkeit werden! Die Zielstellung der Wiedereröffnung muss 2025 sein", sagt er.

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Dabei lässt er seine Idee, dass Besucher mit einer Seilbahn zum Turm fahren können, nicht aus den Augen. Kontakte bestehen zu einer österreichischen Seilbahnfirma. "Zunächst ist die Wiedereröffnung des Turmes wichtig, aber in einem zweiten Schritt sollte auch der Bau am Turmfuß mit populärwissenschaftlichen Angeboten kommen, um Gäste über das ganze Jahre anzuziehen", sagt Klaus Martin. Dann kämen Besucher auch an den rund 100 Tagen, an denen Nebel oder andere Witterungseinflüsse den Blick vom Turm nicht ermöglichen.

Noch können nur wenige ausgewählte Gäste den Blick von der Aussichtsplattform genießen.
Noch können nur wenige ausgewählte Gäste den Blick von der Aussichtsplattform genießen. © Sven Ellger

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