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Dresdner Fernsehturm als Museum?

Die Idee der Grünen, aus dem Fernsehturm ein Museum zu machen, wird von einem Liberalen als "Todesstoß" bezeichnet. Und das ist noch nicht das Ende der Diskussion.

Über ihn und seine Zukunft wird gerade heftig gestritten: der Fernsehturm.
Über ihn und seine Zukunft wird gerade heftig gestritten: der Fernsehturm. © © by Matthias Rietschel

Dresden. Sie haben es immer wieder betont: Die Grünen im Dresdner Stadtrat lehnen die Sanierung des Fernsehturmes ab. Sie argumentieren inzwischen auch mit der Corona-Pandemie, die im Haushalt eine andere Prioritätensetzung erfordere. Auch das Verkehrskonzept sei nicht stimmig.

Stattdessen schlagen die Grünen eine "kleine Lösung" vor, wie der Turm künftig genutzt werden könnte. Schon vergangenen Mittwoch haben sie diese im Stadtbezirksbeirat Loschwitz vorgetragen, damit aber keine Mehrheit gefunden. Die Lösung sieht vor, dass der Fernsehturm durch einen Verein für gebuchte museale Führungen geöffnet und die Aussichtsplattform ohne kostspielige Umbaumaßnahmen Interessierten zugänglich gemacht werden. "Mit einer solchen Kompromisslösung wäre allen gedient", sagt Wolfgang Deppe, der Sprecher für Umwelt. Einen entsprechenden Ergänzungsantrag wollen die Grünen in den kommenden Tagen in den Ausschüssen des Stadtrates stellen.

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Thomas Löser, Sprecher der Grünen für Stadtentwicklung und Bau, gibt außerdem zu bedenken, dass die versprochenen sechs Millionen Euro Fördermittel des Freistaates im aktuellen Landeshaushalt nicht eingestellt sind, diese aber für das Gesamtprojekt als Kofinanzierung benötigt würden. Mit einer sanften Öffnung könnte man den Anwohnern die Angst vor einem Verkehrschaos nehmen und trotzdem Interessierten eine Möglichkeit der Besichtigung dieses technischen Denkmals und Bauwerkes der Ostmoderne ermöglichen.

"Emotionalen Wert nicht erkannt"

Als Todesstoß für den Turm bezeichnet hingegen Holger Zastrow diese Idee, der Fraktionschef der FDP im Dresdner Stadtrat. "Der neue Vorstoß der Grünen ist kein Rettungsring, sondern ein Strick. Die Grünen wollen das Todesurteil über den Fernsehturm fällen."

Die Grünen-Politiker wüssten, dass das "Nutzungskonzept Museum" die Turmsanierung ad absurdum führen würde. Es gehe aber nicht darum, nur eine Hülle aus Stahlbeton, Glas und Stein zu erhalten, sondern den Dresdnern einen lebendigen Ort zurückzugeben, so Zastrow.

Er wirft den Grünen vor, nicht begriffen zu haben, welchen emotionalen Wert der Wachwitzer Turm für ganz viele Menschen hat und welches Potential für die touristische Entwicklung der Region in ihm steckt. "Die Grünen haben sich zum Sprachrohr der Turmverhinderer gemacht", so Zastrow weiter. Er könne die Vorbehalte der Anwohner nachvollziehen, wenn der Turm aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Aber in der Hälfte seiner 50-jährigen Geschichte sei der Turm ein öffentlicher Ort gewesen. Es sei ein einmaliger Glücksfall, dass die Stadt mit einem Investment von nur 6,4 Millionen Euro dank der zugesagten Fördermittel einen komplett sanierten Turm haben könne.

Einsatz für den Turm nicht vergessen

Die Grünen würden mit den Antrag zur musealen Nutzung den Fernsehturm "durch die Brust ins Auge" verhindern wollen, schreibt Barbara Lässig, die nun wieder die Pressesprecherin des Fernsturm-Vereins ist, wie ein Gericht jüngst entschieden hat. Sie verweist darauf, wie sich Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) und Bundestagsabgeordneter Thomas Jurk (SPD) für den Fernsehturm eingesetzt hätten.

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Dürfe man den Herren jetzt diese schallenden Ohrfeigen zuteil werden lassen, fragt Lässig und bezieht sich auf ein Schreiben von Kretschmer aus dem Mai dieses Jahres. Darin hatte er sinngemäß geäußert, dass er den Freistaat als Finanzierungsbeteiligten weiterhin in der Verantwortung sieht. "Bitte keinen kleinen 'musealen' Vorschlag prüfen", sagt Lässig. Sie schätzt ein, dass die übergroße Mehrheit der Dresdner Bevölkerung darum bitte, sich wieder auf den erfolgreicheren Weg zu begeben.

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