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Dresden feiert seinen Förderer Henry Arnhold

Der gebürtige Dresdner Bankier flüchtete vor den Nazis, blieb seiner Heimat immer gewogen. Familie Arnhold sind große Förderer Dresdens. Das wurde nun gefeiert.

Oberbürgermeisterin a.D. Helma Orosz, OB Hilbert, mit Vertretern der Familie Arnold und weiteren Protagonisten des Festaktes im Kulturpalast.
Oberbürgermeisterin a.D. Helma Orosz, OB Hilbert, mit Vertretern der Familie Arnold und weiteren Protagonisten des Festaktes im Kulturpalast. © Marion Doering

Dresden. Am 15. September wäre Henry Arnhold 100 Jahr alt geworden. Der Mäzen starb allerdings 2018. Zu seinen Ehren organisierte Oberbürgermeister Dirk Hilbert am Samstag einen Festakt.

Der OB würdigte den Bankier in seiner Rede im Kulturpalast genauso wie Professor Simone Lässig, die Direktorin des Deutschen Historischen Instituts Washington.

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Arnhold war Kind einer jüdischen Dresdner Bankiersfamilie, wuchs er zunächst in der Villa der Familie an der Tiergartenstraße auf und besuchte die Kreuzschule. 1936 kam er in ein Schweizer Internat, nachdem sein Vater 1935 verstorben, die Bank von den Nazis enteignet wurde und die Judenverfolgung immer weiter um sich griff. Er flüchtete später in die USA.

Dort stellte er die Investmentbank der Familie neu auf. Zusätzlich engagierte er sich mit der Arnhold Foundation im Tierschutz, unterstütze Bildung und Kunst. Er war Berater in der US-Außenpolitik und der deutsch-amerikanischen Zusammenarbeit. Außerdem gründete er die Mulago-Stiftung zur Überwindung von Armut weltweit.

Nach der Wende brachte Arnhold sich auch wieder in seiner Heimatstadt ein. Er ermöglichte einen Austausch zwischen der Technischen Universität (TU) Dresden und der New School in New York und unterstützte unter anderem den Wiederaufbau der Frauenkirche, den Bau der Neuen Synagoge und die Kunstsammlungen Dresden.

Seit 2012 gibt es die „Henry Arnhold Dresden Summer School“. Diese wird von der TU Dresden gemeinsam mit Dresdner Kultureinrichtungen wie den Staatlichen Kunstsammlungen, dem Deutschen Hygiene-Museum und der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek durchgeführt.

Das Engagement für Dresden ging bereits von den Brüdern Max und Georg Arnhold aus, die ab 1882 in Dresden ein privates Bankhaus führten. Sie gründeten einen Pensionsverein für Angestellte und förderten viele soziale Vereine und Gesellschaften. Georg Arnhold unterstützte zudem die Technische Hochschule, die Kunstakademie und die Kunstgewerbeschule. Er finanzierte maßgeblich den Bau des nach ihm benannten Freibades sowie Räume und Ausstellungen im Hygiene-Museum.

Das Engagement der Familie Arnhold ermöglichte auch die neue Orgel im Kulturpalast. An diesem Ort sprach dann auch OB Hilbert. „Die Anwesenheit von Ihnen allen hier im Kulturpalast zeigt beeindruckend, welche Wertschätzung die Familie Arnhold in Dresden genießt.“

Man könne den ganzen Nachmittag verwenden, um über das Engagement der Arnholds für Dresden zu sprechen. „Und zwar bis zur Vertreibung der Familie durch die Nationalsozialisten, genauso wie über die Zeit nach 1990“, so Hilbert. Es sei Henry Arnhold gewesen, der nach 1990 als Sprecher der Familie den Kontakt nach Dresden suchte und das vielfältige Engagement fortsetzte.

Hilbert hatte eine ganz persönliche Begegnung mit Arnhold, vor mehr als zehn Jahren war Hilbert, damals noch OB-Stellvertreter, in New York bei Arnhold, um ihm zu übermitteln, dass er Ehrenbürger Dresdens werden solle. „Er lächelte er mich in seiner freundlichen Art an“, so der OB. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass er sich über diese Geste gefreut hat. Was er mir allerdings antwortete, erstaunte und beeindruckte mich zugleich.“ Weil seine Familie noch Restitutionsansprüche auf einst enteignetes Eigentum in Dresden zu klären habe. Zum anderen sei es nicht er, sondern die ganze Familie Arnhold die sich mit Dresden verbunden fühle.

Henry Arnhold sei ein großes Vorbild, so Hilbert. „Wir ehren heute die Familie Arnhold, weil sie bis heute Brücken über Kontinente, Religionen und politische Systeme hinweg baut.“ dann zitierte er Henry Arnhold: „Dresden ist Familie. Alles andere ist auch sehr schön. Aber es ist nicht dasselbe.“ Deshalb hoffe Hilbert, die Familie fühle sich weiterhin mit Dresden als Familie verbunden.

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Im Rahmen des Festaktes spielte die Dresdner Philharmonie, unter der Leitung von Chefdirigent Marek Janowski, der Dresdner Kreuzchor trat unter der Leitung von Kreuzkantor Roderich Kreile auf. Und Olivier Latry, der Titular-Organist von Notre Dame, spielte auf der neuen Orgel des Kulturpalastes.

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