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Flotte Dresdner Kanal-Sanierer

Eine gewaltige Röhre wird schneller als geplant verlegt. Worauf es beim Finale besonders ankommt.

Projektleiter Heiko Nytsch (vorn) und Bauleiter Philipp Kühne vor dem gewaltigen Hauptkanal, der saniert wird. Durch eine aufwendige Lösung gibt es während der Arbeiten kaum Verkehrseinschränkungen.
Projektleiter Heiko Nytsch (vorn) und Bauleiter Philipp Kühne vor dem gewaltigen Hauptkanal, der saniert wird. Durch eine aufwendige Lösung gibt es während der Arbeiten kaum Verkehrseinschränkungen. © SZ/Peter Hilbert

Dresden. Heiko Nytsch und Philipp Kühne stehen in der tiefen Baugrube kurz vorm Kaditzer Klärwerk. Hinter ihnen die gewaltige Röhre des Neustädter Hauptkanals, der von den Fachleuten als Abfangkanal bezeichnet wird. Der Projektleiter der Stadtentwässerung Dresden und der Bauleiter der Firma Echterhoff freuen sich, dass hier ein Großprojekt fast umgesetzt ist – und das deutlich schneller als geplant. Bis zu 30 Bauleute sind hier aktiv. „Es ist bisher sehr gut gelaufen“, erklärt Projektleiter Nytsch.

Schon seit 1910 Jahre fließt die braune Brühe durch die rechtselbische Abwasser-Hauptschlagader von der Prießnitzstraße bis zum Klärwerk Kaditz. Immerhin handelt es sich dabei um ein Drittel der Dresdner Abwässer. Über drei Viertel des 6,6 Kilometer langen Neustädter Abfangkanals sind saniert. Zuletzt war bis Anfang 2020 der Abschnitt unter der Scharfenberger Straße zwischen Ballhaus Watzke und dem Ende der Flutrinne saniert worden. Danach kam das letzte, 1,5 Kilometer lange Stück an die Reihe. Es beginnt an der Micktener Böcklinstraße und verläuft unter der Scharfenberger Straße bis zum Klärwerk. Damit dies möglich wird, haben Leitungsbauer 2020 eine insgesamt 2,5 Kilometer lange Super-Pipeline gebaut. Über diese Ersatztrasse fließt seit November das Abwasser durch die Flutrinne zum Klärwerk.

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Hier wird ein zwei Tonnen schweres Kunststoffteil in die tiefe Baugrube gehoben. Mittlerweile sind alle derartigen Teile in den alten Kanal eingebaut.
Hier wird ein zwei Tonnen schweres Kunststoffteil in die tiefe Baugrube gehoben. Mittlerweile sind alle derartigen Teile in den alten Kanal eingebaut. © SZ/Peter Hilbert

Durch die Ersatztrasse werden kaum größere Verkehrseinschränkungen nötig. Es mussten nur drei Baugruben ausgehoben werden. Bei der Sanierung haben die Kanalsanierer per Kran glasfaserverstärkte Kunststoffrohre (GfK) eingehoben, die meistens drei Meter lang sind. Der Spezialwagen, der in der Aarsleff-Werkstatt konstruiert wurde, bugsiert sie unterirdisch aus den Baugruben in den alten, bis zu 2,7 Meter hohen Kanal, wo sie letztlich zusammengefügt werden. So entsteht ein neuer dichter Kanal in der alten Abwasserröhre.

Ein Blick in die Röhre während des Einbaus. Der Spalt zwischen dem Kunststoffteil und dem alten Kanal wurde hier bereits mit Beton verpresst.
Ein Blick in die Röhre während des Einbaus. Der Spalt zwischen dem Kunststoffteil und dem alten Kanal wurde hier bereits mit Beton verpresst. © SZ/Peter Hilbert

Mitte Mai waren alle Kunststoffelemente eingebaut, erklärt Nytsch. Zuletzt geschah dies im 95 Meter langen Abschnitt direkt vor dem Klärwerk. Doch mit dem Einschieben der Rohre ist es nicht getan. Denn letztlich muss der große Hohlraum zwischen der neu eingebauten Kunststoff-Rohrtrasse, die etwa 2,3 Meter hoch ist, und dem alten, bis zu 2,7 Meter hohen Kanal verfüllt werden. Das geschieht mit hochflüssigem Beton. Der Großteil wurde bis Anfang Juni geschafft.

Über blaue Rohre wird das Abwasser während der Kanalsanierung ins Klärwerk gepumpt. Die Super-Pipeline ist 2,5 Kilometer lang.
Über blaue Rohre wird das Abwasser während der Kanalsanierung ins Klärwerk gepumpt. Die Super-Pipeline ist 2,5 Kilometer lang. © SZ/Peter Hilbert

Mitte Juni soll auch der letzte Abschnitt mit dieser Betonemulsion verpresst sein, sodass der Hohlraum zwischen dem alten Kanal und den neuem Rohr verfüllt ist. Parallel dazu werden 30 Einstiegs- und Lüftungsschächte mit einem bewährten Verfahren komplett saniert. „Bis Ende Juni soll auch das fertig sein“, sagt Projektleiter Nytsch. „Ab Mitte Juli können wir die Absperrschieber am Anfang und am Ende des Abschnitts öffnen“, verweist er auf den nächsten Schritt. Dann fließt das Abwasser wieder auf der gesamten Länge durch den komplett sanierten Neustädter Abfangkanal.

Das Bauende ist jetzt ist Sicht. Zum Abschluss werden auch die Baugruben wieder verfüllt.
Das Bauende ist jetzt ist Sicht. Zum Abschluss werden auch die Baugruben wieder verfüllt. © SZ/Peter Hilbert

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