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Erster Dresdner "Zero-Waste"-Salon hat eröffnet

Auf dem Weißen Hirsch können sich Dresdner seit Anfang März nachhaltig die Haare schneiden lassen. Ein Konzept, das auf großes Interesse stößt.

Juliette Beke empfängt ihre ersten Kunden im Friseursalon "Gesundes Haar" im ehemaligen Lahmann-Sanatorium.
Juliette Beke empfängt ihre ersten Kunden im Friseursalon "Gesundes Haar" im ehemaligen Lahmann-Sanatorium. © Marion Doering

Dresden. Juliette Beke hat es geschafft. Die Friseurmeisterin ist nach langen Jahren als Dozentin im fränkischen Forchheim zurück in ihre Heimat, die Dresdner Neustadt, gekehrt. Und Beke hat sich in Dresden gleich noch einen Traum erfüllt.

Pünktlich zum 1. März eröffnete sie ihren eigenen Friseursalon. Mitten in der Pandemie, mit einem ungewöhnlichen Konzept. Denn ihr Geschäft setzt auf einen "Zero-Waste"-Ansatz.

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Riesiger Ansturm auf die ersten Termine

Das bedeutet: Nachhaltiges Frisieren mit dem Ziel, möglichst wenig Müll zu produzieren. "Viele meiner Bekannten aus der Friseurbranche hatten es ebenfalls satt, dass fast alle Produkte Mikroplastik, Silikone oder Flüssigplastik enthalten. Und in Friseurläden fällt unglaublich viel Verpackungsmüll an", erzählt Beke. Doch angegangen seien das Problem bisher nur wenige kleine Naturfriseure.

Tucholsky, Rilke, Kafka: Sie alle saßen wohl Anfang des 20. Jahrhunderts in dem Wartesaal, in dem heute Haare geschnitten werden.
Tucholsky, Rilke, Kafka: Sie alle saßen wohl Anfang des 20. Jahrhunderts in dem Wartesaal, in dem heute Haare geschnitten werden. © Marion Doering

In Dresden sei das Thema hingegen gleich auf großes Interesse gestoßen, sowohl bei Kunden als auch bei vielen Friseuren. Nach mehreren Medienberichten kann sich Beke Anfang des Jahres kaum vor Anfragen retten. Das liege auch daran, dass die Arbeit mit Naturprodukten deutlich gesünder sei.

"Die Friseure stehen Schlange, um bei mir zu arbeiten und auch auf die ersten Termine gab es einen riesigen Ansturm", erzählt die Frau mit den braunen Kräusellocken.

Keine Abstandsprobleme im Lahmann-Wartesaal

Beke steht in der Mitte eines riesigen Raumes, durch die Fenster bescheinen einzelne Sonnenstrahlen drei sehr lange Holztische. "Das ist eine Spezialanfertigung aus heimischer Ulme", sagt die Friseurmeisterin.

Weil sie ihren Laden in der Pandemie geplant hat, hat Beke jetzt keine Probleme mit den Hygienevorgaben. Ihr Salon befindet sich im ehemaligen Wartesaal des sanierten traditionsträchtigen Lahmann-Sanatoriums auf dem Weißen Hirsch. An den Wänden finden sich vereinzelt denkmalgeschützte Wandmalereien, gerade lässt Beke die alte Rezeption restaurieren.

"Wir befinden uns hier auf 240 Quadratmetern, da gibt es keine Abstandsprobleme", sagt die 40-Jährige. Und auch inhaltlich orientiert sich Beke bei ihrer Arbeit an den Ideen Lahmanns. Am vorderen Ende der Tische stehen aufgereiht mehrere selbst beschriftete Dosen, Tuben und Fläschchen.

"Bis auf die Haarfarbe mischen wir einmal pro Woche alles selbst", sagt Beke und hält das "Haarspray" hoch. Die Zutaten: Wasser, Zucker und Grapefruit-Öl. Gegenüber bekommt eine junge Frau gerade einen neuen Haarschnitt verpasst.

Kopfhautanalyse mit einem Mikroskop: Das gehört zu jeder Behandlung bei Juliette Beke dazu.
Kopfhautanalyse mit einem Mikroskop: Das gehört zu jeder Behandlung bei Juliette Beke dazu. © Marion Doering

Zuvor haben Beke und eine ihrer fünf Mitarbeiterinnen bei der Kundin eine Haaranalyse mit dem Mikroskop durchgeführt.

"Das dauert mit Beratung etwa eine halbe Stunde. So sehen wir, wie gesund die Haare sind und ob die Poren vor dem Schneiden gereinigt werden müssen", sagt Beke.

In Ruhe und vollumfänglich arbeiten will Beke hier. Aus den Lautsprechern dudelt Entspannungsmusik, Töpfe mit Aloe-Vera-Pflanzen und Kerzen rahmen die Behandlungsplätze.

So will die Friseurmeisterin faire Löhne zahlen

In einer Branche, in der Konkurrenzkämpfe und prekäre Arbeitsbedingungen an der Tagesordnung sind, will die 40-Jährige andere Akzente setzen - auch intern.

Aber wie kann das funktionieren? "Ich bin gegenüber meinen Mitarbeiterinnen sehr transparent", sagt Beke. "Sie wissen ganz genau, was ich für Kosten an Miete und Material habe und wie dann der Stundenlohn aussieht."

Janine Adam zum Beispiel ist gelernte Friseurin und gibt ihrer langjährigen Freundin in den ersten Monaten nach der Eröffnung Starthilfe bei der Organisation.

"Es funktioniert sehr viel über die Mund-zu-Mund-Propaganda", sagt Adam. Beide Frauen sind überzeugt, dass Zero Waste mehr ist als ein Trend. Deshalb soll es - wenn es die Corona-Regeln erlauben - bald auch Angebote für Kosmetik und Fußpflege am Weißen Hirsch geben. Zusätzlich sollen die Kunden Klangmassagen buchen können.

Dafür möchte Juliette Beke auch eine Kosmetikerin anstellen. Bisher sind die beiden kleinen Räume, die zur Bautzner Straße führen, bis auf einen Schrank und einige Pakete jedoch noch weitgehend leer.

Die Produkte mischen die Friseurmeisterin und ihr Team selbst. Die Rezepte gibt Juliette Beke den Kunden weiter.
Die Produkte mischen die Friseurmeisterin und ihr Team selbst. Die Rezepte gibt Juliette Beke den Kunden weiter. © Marion Doering

Aber die Friseurmeisterin ist schon glücklich darüber, dass ihr Salon überhaupt eröffnen konnte. Denn wegen Corona hatte sich das Projekt zunächst immer weiter nach hinten verschoben. Als sich dann doch noch die Türen im ersten Obergeschoss öffneten, habe die erste Kundin sogar ein Willkommensgeschenk mit dabei gehabt.

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Juliette Beke ist auch wegen der guten Resonanz sicher, dass sich die Investition in den neuen Salon auszahlen wird. Zumindest umwelttechnisch ist die Bilanz auf jeden Fall positiv.

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