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Lugturm mal wieder von oben

Heidenaus Hausturm hat eine lange und interessante Geschichte. Jetzt wird er saniert. Am Sonntag konnten Besucher erstmals hinaufsteigen.

Bernd Krause (l.) und Andreas Witschel (M.) nutzten die Gelegenheit. Oben auf dem Lugturm, auf dem die Brüstung noch fehlt, erklärt ihnen Rainer Nitzsche Vergangenheit und Zukunft.
Bernd Krause (l.) und Andreas Witschel (M.) nutzten die Gelegenheit. Oben auf dem Lugturm, auf dem die Brüstung noch fehlt, erklärt ihnen Rainer Nitzsche Vergangenheit und Zukunft. © Marko Förster

Uwe Pahlitzschs erster Besuch am Lugturm liegt über 60 Jahre zurück. Da kam er mit einem Freund von einem Ausflug in die Sächsische Schweiz zurück. Die Beiden sahen Licht am Lugturm und kehrten in der Gaststätte ein. Es gefiel dem damals 13-Jährigen, er wollte wiederkommen. Doch das eine Mal, das er zurückkam, war alles verwildert. Nun holt der Possendorfer alles nach. Seit drei Jahren kommt er fast jedes Wochenende zum Lugturm. So auch am Sonntag. Doch dieser Tag war nicht wie jeder.

Uwe Pahlitzsch kommt inzwischen fast jedes Wochenende an den Lugturm. Das erste Mal ist 60 Jahre her.
Uwe Pahlitzsch kommt inzwischen fast jedes Wochenende an den Lugturm. Das erste Mal ist 60 Jahre her. © Marko Förster
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Erstmals seit Jahrzehnten konnten Besucher wieder auf den Turm hinauf. Der wird gerade saniert und ist noch nicht ganz fertig, aber in kleinen Gruppen und vorsichtig konnte man es wagen. Draußen sind es vier Stufen, drinnen 53. Und die sind in erstaunlich gutem Zustand. Dass der Turm 1938 baupolizeilich gesperrt wurde, wird zwar immer wieder erzählt, ist aber nirgends belegt, sagt Nitzsche. Der Turm ist 141 Jahre alt. Damals wurde er aus 17.800 Ziegeln und viel Sandstein in drei Wochen für rund 3.700 Mark gebaut. Die Sanierung dauert etwas länger und kostet auch mehr.

Liebeserklärung im Turm

Ein Teil ist schon geschafft. Die Klinkerfugen sind ausgebessert, die Eingangsstufen saniert, der Sandstein aufgearbeitet. Aufgrund der heutigen Sicherheitsforderungen ist für die sieben Brüstungsplatten noch ein Stahlgestell erforderlich. Drinnen wird der Putz noch abgeklopft und erneuert. Dann verschwindet auch die mit roter Farbe und um ein Herz gesprühte Liebeserklärung "I love you". Wer da wen liebt, weiß keiner. Die Worte stammen wohl aus den 90er Jahren, als Turm und Gelände verwilderten. Die Eingangstür ist bei einem Zimmerermeister in Brandenburg, die Fenster sollen wieder Glasscheiben erhalten und ins Kellerverlies, das nie richtig genutzt wurde, kommt die Elektrik, damit der Turm innen und außen beleuchtet werden kann.

Spenden-Möglichkeiten für den Lugturm

  • 70 Euro für eine Stufe im Inneren des Turmes
  • Vier Tafeln am Turm zu je 500 Euro, vier sind schon "gekauft".
  • Acht Brüstungsplatten zu je 750 Euro, davon sind fünf bereits gespendet.
  • Die vier Eingangsstufen zu je 350 Euro sind schon vergeben.
  • Immer zur Öffnungszeit gibt es die Gelegenheit zu spenden.

Drei Männer und ein Turm

Drei Männer setzen sich heute federführend für den Turm ein. Neben Pächter Jens Genschmar und seiner Familie sind das Rainer Nitzsche, der Vorsitzende des Niedersedlitzer Heimatvereins, und Planer Rene Mischke. Der Heimatverein hat den Turm damals gebaut und fühlt ihm sich auch heute noch verbunden. Mischke wollte zwar schon vor Jahren den Dresdner Fernsehturm flott machen, nun ist das Turm-Projekt eine Nummer kleiner, aber geht auch schneller.

In die Tiefe und in die Höhe

Nach dem Turm soll ein erstes festes Gebäude für ordentliche Toiletten gebaut werden. Wann es mal wieder eine ebenso feste Gaststätte gibt, wie die, die 1996 abgebrochen wurde, ist offen. Der ehemalige Keller aber soll als nächstes weiter freigelegt und vielleicht ein Ort für Veranstaltungen werden. Es geht am Lugturm also in die Tiefe und in die Höhe. Gemäß dem Spruch auf einer der vier Tafeln am Turm: "Den Blick hinab, das Herz nach oben." Der Blick ist aktuell vom Turm aufgrund der Bäume sehr eingeschränkt. Unter der Maßgabe, neue Bäume zu pflanzen, dürfen einige für Sichtschneisen gefällt werden, sagt Genschmar.

Uwe Pahlitzsch ist begeistert. "Sehr schön, gute Ideen", sagt er. "Schauen wir mal, wie es in zehn Jahren ist." So lange wird es nicht dauern. Zumindest nicht, bis der Turm fertig ist. Im günstigsten Fall vielleicht noch dieses Jahr, sicher aber im nächsten.

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