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Petri Heil am Elberadweg

Die Elbe zählt unter Hobbyfischern als Top-Angelrevier. Zwei von ihnen zeigen ihre Lieblingsstelle unterhalb des Elberadwegs am Alberthafen in Dresden.

Unweit des Elberadwegs in Dresden haben Fischer ihr Revier. Das Angeln liegt im Trend, sind sie überzeugt.
Unweit des Elberadwegs in Dresden haben Fischer ihr Revier. Das Angeln liegt im Trend, sind sie überzeugt. © Sven Ellger

Dresden. Dort, wo die Hafenbrücke am Alberthafen auf den Hafenweg führt, geht eine schmale Steintreppe hinunter auf die Elbwiesen, die hier besonders breit sind. In einiger Entfernung kann man die Elbe sehen und zwei Männer, die ihrem Hobby nachgehen: Victor Vincze und Reinhard Hörig haben ihre Friedfischangeln in den Fluss gestellt und warten bis einer anbeißt. Die meisten Radfahrer, die oben auf dem Elberadweg entlangdüsen, haben gerade keine Zeit für ein entspannendes Hobby: Es ist Donnerstagnachmittag und viele von ihnen scheinen nach Feierabend schnell nach Hause zu wollen.

Das Bild, das sich dem Spaziergänger unterhalb des Radwegs bietet, strahlt Ruhe aus: Die Elbe liegt breit zu Füßen, links und rechts davon die spätsommerlich grünen Elbwiesen mit Bäumen, die noch voller Blätter stehen, am Horizont der nur leicht bewölkte Himmel und im Vordergrund zwei einsame Angler. Dieses Bild hat Victor Vincze auch gefallen, als er einmal hier entlangradelte: „Das ist eine gute Stelle, um mit dem Fahrrad herzukommen und es ist sehr schön gelegen, wie eine kleine Halbinsel“, beschreibt der Dresdner eine seiner Lieblingsangelstellen.

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An der Weißeritzmündung und vor allem unter den Elbbrücken angelt er auch gern: „Da gibt es viele Barsche und Zander“, sagt er. Seinen bisher größten Fisch hat er am Blauen Wunder aus der Elbe gezogen: ein 2,60 Meter langer Wels.

Revier nicht nur für Radfahrer, sondern auch für Angler: Die Hafenbrücke am Alberthafen in Dresden.
Revier nicht nur für Radfahrer, sondern auch für Angler: Die Hafenbrücke am Alberthafen in Dresden. © Sven Ellger

Die Elbe zählt zu den besten Gewässern zum Angeln in Dresden und Umgebung und wird von Hobbyanglern sehr stark befischt. Im sozialen Netzwerk „Alle angeln“ bezeichnen die Mitglieder den Fluss als Top-Angelrevier. Hier schwimmen Welse, Hechte, Brassen, Lachse, Zander, Karpfen, Döbel und Barsche. Doch heute hat bisher noch keiner von ihnen angebissen: „Vielleicht liegt es an der Sonne, die so aufs Wasser knallt“, vermutet Victor Vincze, „dann können sie die Angel besser sehen als bei bewölktem Wetter.“ Sein letzter Fang waren am zehnten August zwei Brassen mit je 600 Gramm Körpergewicht. Das steht so in seiner Fangkarte, die er mit vielen anderen Unterlagen wie dem Angelschein beim Angeln dabeihaben muss.

"Zur Angelausrüstung gehört auch ein Müllbeutel"

Er und Reinhard Hörig gehören zu den Gründungsmitgliedern des Anglervereins Dresden-Centrum e. V., den es erst seit 2017 gibt. Der Verein Dresden-Mitte wurde irgendwann zu voll, sagt Reinhard Hörig, der seit 49 Jahren angelt. Mittlerweile hat der neue Anglerverein 125 Mitglieder und seit langer Zeit sogar wieder eine Kindergruppe.

Angeln ist ein Trend, sind sich beide einig, und sie glauben, dass die Corona-Pandemie das noch verstärkt hat: „Viele Leute hatten mehr Zeit und beim Angeln ist man an der frischen Luft und meist in Abgeschiedenheit“, sagt der 71-jährige Vereinsvorsitzende. Aber auch das Bewusstsein für die Natur und ihren Schutz sei gewachsen und dafür könne man sich beim Angelsport auch einsetzen.

Victor Vincze und Reinhard Hörig gehören zu den Gründungsmitgliedern des Anglervereins Dresden-Centrum e. V.
Victor Vincze und Reinhard Hörig gehören zu den Gründungsmitgliedern des Anglervereins Dresden-Centrum e. V. © Sven Ellger

Bevor es mit dem Fischfang losgeht, beräumt ein Angler erst einmal die Stelle von Müll, sofern welcher herumliegt: „Zur Angelausrüstung gehört deshalb auch ein Müllbeutel“, sagt Reinhard Hörig. Etwas, womit man nicht unbedingt rechnen würde. Der Verein organisiert mehrmals im Jahr Elbwiesenreinigungen, bei denen sie schon einen vergrabenen E-Scooter und eine Waffe gefunden haben.

Erst in diesem Jahr hat die Stadt Dresden die Pachtvergabe an die Angler für weitere 18 Jahre erteilt, was immer mit viel Aufwand und buchdicker Bürokratie verbunden ist, erzählen die beiden. Beim Angeln geht es darum, eins mit der Natur zu sein, sagt Victor Vincze, den es vor allem zur Entspannung an diesen Ort an den Elbwiesen zieht: „Die beste Angel nützt dir nichts, wenn du keine Ahnung vom Gewässer, den Fischen und der Natur hast“, sagt er. Und etwas Glück gehört natürlich auch dazu. Das Ziel sei nicht, den dicksten Fisch zu angeln, denn der Verein sei gegen das Trophäenangeln, bekräftigt der Vereinsvorsitzende Reinhard Hörig: „Die großen Fische sollen im Fluss bleiben für den Nachwuchs“, sagt er.

Alle Teile der Serie finden Sie hier.

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Nach über einer Stunde hat sich an den beiden Angeln noch nichts getan: „Die Elbe ist sehr launisch“, sagt Victor Vincze, „manchmal habe ich nach fünf Minuten zwei Karpfen und kann nach Hause gehen und manchmal gibt sie mir tagelang gar nichts.“ Er zieht die Angel aus dem Wasser: Offenbar hat die Elbe das gehört, kein großer Fang, nur ein loser Fischkopf. Sehr wahrscheinlich wird er heute ohne Fisch im Fahrradnetz den Elberadweg nach Hause radeln.

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