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Bergwirtschaft statt Lugsteinhof

Jochen Löbel ist wieder Hoteldirektor. Allerdings in Dresden. Mit dem Osterzgebirge bleibt er in Blickkontakt.

Jochen Löbel steht im Restaurant der Bergwirtschaft am Wilden Mann in Dresden. Aus den Fenstern hinter kann er bis ins Osterzgebirge blicken.
Jochen Löbel steht im Restaurant der Bergwirtschaft am Wilden Mann in Dresden. Aus den Fenstern hinter kann er bis ins Osterzgebirge blicken. © Sven Ellger

Auch vom Dresdner Norden her reicht der Blick weit. Doch statt über den Erzgebirgskamm fällt er über eine Dächerlandschaft. Jochen Löbel steht im Corona-geschlossenen Restaurant der Bergwirtschaft Wilder Mann und schaut Richtung Süden. Hinter dem nieselgrauen Dresden werden die ersten Felder weiß, dahinter erheben sich die weiß verschneiten Berge des Osterzgebirges.

"Bei schönem Wetter kann man sogar die Kohlhaukuppe erkennen", sagt er. Seine Heimat wenigstens von Ferne zu sehen, ist dem ehemaligen Direktor des Zinnwalder Lugsteinhofes wichtig.

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Anders als in Dresden liegen rund um den Lugsteinhof in Zinnwald 24 Zentimeter Schnee.
Anders als in Dresden liegen rund um den Lugsteinhof in Zinnwald 24 Zentimeter Schnee. © Egbert Kamprath

Besitzer Sauer schätzt Löbels ruhige Art

Seit Anfang November führt er das Dresdner Hotel am nördlichsten Ende der Großenhainer Straße. "Ich freue mich natürlich über das Vertrauen, das mir Rolf-Dieter Sauer entgegengenbringt", sagt er. Sauer ist der Besitzer der Bergwirtschaft, außerdem Vizepräsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Sachsen.

"Ich kenne Jochen Löbel schon lange, er ist ja auch Mitglied in der Dehoga", sagt er: "Das ist ein fleißiger Mann, macht eine gute Personalführung." Bei Lehrlingsmessen habe sich Löbel stehts engagiert. "Außerdem ist er ein Mensch, der im Umgang mit Behörden und Verwaltungen leise auftritt und ruhig bleiben kann", sagt Sauer und fügt lachend an: "Im Gegensatz zu mir!"

Tagesgeschäft: Beantragung von Kurzarbeit und Hilfen

Kontakt zu Behörden haben Hoteliers gerade mehr, als den meisten lieb ist. Der Einstieg in den neuen Hotelbetrieb fiel für Löbel mit dem Lockdown zusammen - entsprechend wenig hatte seine Arbeit zunächst mit Gästebetreuung zu tun.

Viel mehr ging es um die Beantragung von Hilfen und Kurzarbeit, um das Aufstellen von Arbeitsplänen und letztlich - erstmalig in seiner ganzen beruflichen Laufbahn - um die Schließung der Bergwirtschaft während der Feiertage: "Ich wollte, dass unsere Angestellten wenigstens einmal richtig Weihnachten mit ihren Familien feiern können, statt für zwei, drei Gäste das Hotel offen zu halten", sagt Rolf-Dieter Sauer.

Für Geschäftsreisende bleibt die Bergwirtschaft geöffnet

Derzeit sind immerhin zehn Zimmer belegt: "Auch wenn wir von diesen Einnahmen nicht überleben könnten, helfen sie zusammen mit den Staatshilfen, etwas über die Runden zu kommen", sagt er. Die Bergwirtschaft, 2007 als Vier-Sterne-Hotel mit 88 Zimmern und 200 Betten neu eröffnet, zählt mit ihrer Nähe zur A4 viele Geschäftsreisende zu ihrem Klientel: "Das ist jetzt unser großes Glück."

Doch auch hier geht es ohne Bustourismus und Hochzeitsfeiern an den Wochenende nicht kostendeckend weiter: "Mein Ziel sind eigentlich 70 Prozent Auslastung. Aber dafür muss natürlich erst wieder der Normalbetrieb zugelassen sein."

Bankette statt Familienwanderungen

Zwei Kinder flitzen durch das leere Restaurant, der Nachwuchs eines Angestellten, der schnell den Dienstplan durchsprechen möchte. "Die Kindergärten sind ja geschlossen", sagt Löbel schulterzuckend. Kinder stören ihn nicht, im Lugsteinhof mit seinen Familienferien-Angeboten gehörten sie selbstverständlich dazu.

In Dresden hat es Löbel mit einer anderen Klientel zu tun. Weniger Wander- und Freizeitangebote, mehr Bankette und Konferenzen stehen im Mittelpunkt. "Doch ich mache das ja hier nicht alleine. Für den Bankettbereich habe ich zwei Mitarbeiterinnen mit großer Fachkompetenz. Dafür kann ich meine touristischen Erfahrungen mit einbringen."

Schon immer mal ein modernes Haus leiten

Auch wenn Löbels Abschied vom Lugsteinhof vom neuen Betreiber, der Windsor Service GmbH, erzwungen wurde und gerichtlich auch noch nicht zu Ende ausgefochten ist - unglücklich ist Löbel über den Lauf der Dinge nicht: "Ich hatte immer Häuser geleitet, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel hatten - schon vor dem Lugsteinhof."

Mit einem neuen Hotel, dessen Einrichtung dem Zeitgeschmack entspricht, habe er immer geliebäugelt. "Insofern bin ich souverän auf der Zielgeraden meiner beruflichen Laufbahn angekommen."

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Und dann ist da ja noch dieser Blick. "Den Armin Schumann vom Luisenhof hatte ich immer darum beneidet. Jetzt habe ich auch so einen", sagt Löbel. Das allerbeste daran sind die Berge im Hintergrund: Geisingberg, Kahleberg und Kohlhaukuppe. Mit dem Erzgebirgszweigverein in Geising will er nach wie vor seine Drei-Berge-Wanderungen anbieten. Und Sprecher vom Wirtestammtisch Osterzgebirge bleibt Löbel auch.

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