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"Die Lage in der Dresdner Gastro ist ernst"

Die neuen Coronaregeln bedeuten mehr Aufwand für die Wirte in Dresden. Dabei fehlt es an helfendem Personal.

Wirte im Trompeter: Alexandra Göllner und Stefan Flügge
Wirte im Trompeter: Alexandra Göllner und Stefan Flügge © René Meinig

Dresden. Nach einem relativ sorgenfreien Sommer in Dresden mit niedrigen Infektionszahlen steigt die Inzidenz wieder deutlich an. Bei 53,9 liegt sie am Mittwoch. Die Regeln sind wieder strenger. Auch für die Gastronomie. Derzeit wird in Sachsen und Dresden über die sogenannte "2-G-Regel" debattiert. Gastronomen und Veranstalter sollen künftig selbst entscheiden dürfen, ob sie nur Geimpfte und Genesene als Gäste hereinlassen. Das geht aus einem Entwurf der neuen Corona-Schutzverordnung hervor.

Würden sich Wirte für die Regel entscheiden, würden Abstandsgebot und die Maskenpflicht für Gäste wegfallen. In einem Restaurant könnten so mehr Tische aufgestellt werden.

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Welche Regeln gelten aktuell in der Gastronomie?

Seit Samstag ist in Dresden die sogenannte 3-G-Regel in Dresden in Kraft. In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens, wie auch in der Innengastronomie, ist es Pflicht nachzuweisen, dass man geimpft, genesen oder frisch getestet ist. Vor dem Betreten muss der Gast nachweisen können, dass er vollständig gegen das Coronavirus geimpft, von Corona genesen oder negativ auf das Coronavirus getestet ist. So sieht es die sächsische Corona-Schutzverordnung vor.

Außerdem gilt die Testpflicht für ungeimpfte und ungenesene Beschäftigte und Selbständige, wie auch Kellner, mit direktem Kundenkontakt. Sie sind ab Samstag wieder verpflichtet, sich zweimal pro Woche zu testen oder testen zu lassen. Der Testnachweis muss vier Wochen aufbewahrt und jederzeit vorgezeigt werden können. Arbeitgeber sind verpflichtet, die Tests kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Wie liefen die ersten Tage?

Sushi-König Wolfgang "Wolle" Förster, der die Sushi&Wein-Läden betreibt, hat schon eine Veränderung im Verhalten der Gäste festgestellt: "Ein Viertel der Gäste hat sich entschieden, das Sushi abzuholen, statt sich ins Restaurant zu setzen", sagt er. Einige hätten angerufen und sich zuerst erkundigt, ob "3-G" gefordert ist, und dann zum Abholen bestellt. Ob die Gäste Verständnis für die strengeren Regeln haben, kann er nicht beurteilen. "Sie haben sich jedenfalls nicht aufgeregt. Zum Glück bieten wir ja Abholen oder Anliefern als Alternative an."

Die Auflagen sind für die Gastronomen aufwendig. "Die Kontrolle von Impfausweisen ist ja das kleinste Übel. Aufwendig ist die Kontaktnachverfolgung. Das liegt an dem App-Chaos in Deutschland." Corona-App, Luca-App, Pass4all – jeder habe eine andere App auf dem Handy. "Wir registrieren mit der Corona-App. Pass4all ist ja nach einer bestimmten Zeit mit Kosten verbunden, Luca eher im Norden verbreitet. Wer die Corona-App nicht hat, muss den Kontakt-Zettel ausfüllen, und das dauert dann", so Förster. "Natürlich sind die Kontrollen ein Zusatzaufwand, der geleistet werden muss. Umso wichtiger ist es, dass sich die Gäste an die Staffelung und ihre jeweilige Reservierungszeit halten", sagt auch Olaf Kranz, Chef des Schmidts.

Wie ist die Personalsituation?

Die Kontrollen erfordern Personal. Personal, dass aber vielerorts in Dresden in den Lokalen fehlt. Schon vor Corona waren Köche und Kellner Mangelware, die Pandemie hat die Abwanderung in andere Branchen verschärft. "Wir haben auch Personal verloren. Viele saßen im Lockdown auf dem Sofa und haben drüber nachgedacht, ob sie noch mal was anderes machen wollen im Leben. Denn sie haben festgestellt: Es ist schon verlockend, abends und am Wochenende daheim zu sein", sagt Wolle Förster.

Momentan habe er genug Personal, um die Arbeit zu schaffen, aber jeder einzelne sei komplett ausgelastet. "Mehr Servicekräfte würden wir gerne einstellen, aber die Suche ist schwer. Dabei kenne ich gleich 3 Migranten, die seit 5 Jahren keine Arbeitserlaubnis haben, Geld vom Staat bekommen und viel lieber arbeiten würden. Ich würde mir wünschen, dass die Politik es diesen Leuten leichter macht, auf den Arbeitsmarkt zu kommen."

Auch Olaf Kranz, Chef des Schmidts kennt die Personalsorgen. "Leider ist die Lage weiterhin angespannt, vor allem im Bereich Service. Der Markt ist leer und jeder Gastronom sucht. Die Anspannung ist auch beim Servicepersonal spürbar." Die Öffnungszeiten hat er bereits nach dem 2.Lockdown angepasst und Schließzeiten erweitert. "Aktuell ist keine Entspannung in Sicht." Auch Stefan Flügge aus dem Traditionshaus Trompeter in Bühlau findet kaum neues Personal. "Wir haben seit fast drei Monaten eine offene Stelle in der Küche als Koch und finden niemanden. Die Lage in der Dresdner Gastro ist ernst", sagt er.

Das bestätigt auch die Gewerkschaft. Rund zwölf Prozent - also etwa 9.000 Mitarbeiter - haben allein in Sachsen ihren Job in der Hotel- und Gastro-Branche an den Nagel gehängt, um in anderen Bereichen zu arbeiten. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) beruft sich bei diesen Zahlen auf Angaben der Arbeitsagentur.

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Auch Lars Fiehler, Sprecher der Dresdner Industrie- und Handelskammer (IHK) und damit auch zuständig für die Gastronomie, bestätigt die Personalnot: "Während der langen Schließzeiten sind wohl doch nicht wenige Mitarbeiter in andere, weniger von Schließungen betroffene Wirtschaftsbereiche gewechselt."

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