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Dresdner Wirte stellen Lieferdienste ein

Das Geschäft lohnt sich nicht für jeden, einige Gaststätten schließen komplett. Andere setzen weiter auf den Bringe-Dienst - und auf neue Ideen.

Gastronom Olaf Kranz bietet im Advent freitags 3-Gang-Menüs zum Abholen in Schmidts Restaurant an.
Gastronom Olaf Kranz bietet im Advent freitags 3-Gang-Menüs zum Abholen in Schmidts Restaurant an. © Sven Ellger

Dresden. Die Restaurants sind geschlossen, doch der Außer-Haus-Verkauf von Getränken und Speisen ist erlaubt. Um es auch den ganz Bequemen einfach zu machen, setzen viele Dresdner Gastronomen auch auf einen Lieferservice. Das rechnet sich allerdings nicht für jeden - die ersten Kneiper geben diese Service nun komplett auf. Und es gibt jene, die weitermachen und sich was Neues einfallen lassen.

"To-go-Geschäft reicht nicht"

Das Wenzel an der Königstraße gibt das Außer-Haus-Angebot und damit auch den Lieferdienst auf - es schließt während des Lockdowns komplett. "Leider ist das To-go-Geschäft nicht so gewachsen, wie wir hofften – obwohl wir mit unserer Gans zum fixen Zubereiten daheim zuletzt ein stark nachgefragtes Produkt angeboten haben. Doch es reicht einfach nicht", erklärt Benjamin Hamm, Leiter in der Königstraße. Wenn sie überleben wollen, müssten sie schließen. Wer eine Gans essen möchte, könne zu den Kollegen in das Restaurant Am Thor auf der Hauptstraße gehen. Ebenso eingestellt haben das To-Go-Geschäft die L´Osteria an der Kreuzstraße und Fräulein Lecker auf dem Bischofsweg. Dort können aber Kuchen und Törtchen bestellt werden.

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Im aktuellen Gastro-Lockdown bieten zahlreiche Restaurants Speisen zum Mitnehmen an. Für Feinschmecker gibt es jetzt ein neues Angebot in Dresden: Das Fünf-Sterne-Hotel Bülow Palais mit dem Sternerestaurant Caroussel bietet Gourmet-Take-away für zu Hause. Die Gerichte werden soweit vorbereitet, dass sie mit einem minimalen Aufwand daheim erhitzt, angerichtet und frisch genossen werden können. Dazu gibt es eine detaillierte Anleitung vom Küchenteam des Bülow Palais'.

"Die Idee ist natürlich nicht neu, auch nicht in der gehobenen Küche", sagt Sven Vogel, Mitinitiator des Angebotes im Bülow Palais. "Neu ist nur: Erstmals und auf vielfachen Wunsch unserer Gäste kochen wir die bestellten Gerichte, verpacken und vakuumieren sie, sodass mit wenigen Handgriffen eine perfekte Mahlzeit für zu Hause bereitsteht."

Zur Wahl stehen ein Adventsmenü und ein vegetarisches Menü in jeweils drei oder vier Gängen sowie das Bülow-Gänse-Paket. Die Preise liegen zwischen 39 und 55 Euro pro Menü und 105 Euro für das Gänse-Paket.

Neuer Liefertrend: Gans, Ente und andere Festtagsbraten

Die Gans - sie steht derzeit ganz oben auf der Verkaufsliste der Gastronomen, die weiterhin am Außer-Haus-Geschäft festhalten. Oder neu darauf setzen. Wie Eric Lindner, der die Augustobar im Haus der Presse betreibt, seine Suppen derzeit aber in einem Foodtruck an der Ostra-Allee anbietet. Dort kann jeder seine Mittagsangebote mit ins Büro oder nach Hause mitnehmen.

Weil Eric Lindner, der selbst gelernter Koch ist, auch die Betriebskantine am Max-Planck-Institut betreibt, will er die Großküche dort nun auch für die Zubereitung von Gans, Ente und Rehkeule nutzen. Die Rehkeule und die Gans gibt es für jeweils vier Portionen, die Ente für zwei bis drei, dazu gibt Eric Lindner eine Anleitung mit, wie das Essen zu Hause warm gemacht wird. Die drei Menüs können in der Nöthnitzer Straße abgeholt oder geliefert werden. Alle Infos dazu gibt es unter www.augustobar.de.

"Wir unterstützen uns alle gegenseitig"

Auf einen Wochentag im Advent konzentriert sich das Schmidt's in Hellerau. Chef Olaf Kranz kocht mit seinen Azubis ein Drei-Gänge-Advents-Menü mit Maronensuppe, Kalbsrücken und Mascarponecreme für 42 Euro, das sich die Kunden am Freitag zwischen 14 und 16 kalt abholen können und es zu Hause nur noch erwärmen müssen. Eine Anleitung, wie das am besten geht, wird auch hier mitgeliefert.

Das Angebot werde gut angenommen. "Alles darüber hinaus lohnt sich nicht", sagt der Gastronom. Er ist froh, mit diesem Angebot wenigstens seine Azubis gut beschäftigen zu können. "Wir können so alles gut vorbereiten und ich habe auch ausreichend Zeit für die Lehrlinge", sagt Kranz.

Für die Weihnachtsfeiertage bietet er eine komplette Gans mit Rotkohl, Klößen und Soße für fünf Personen an, diesmal heiß, die am 25. Dezember von 10.30 bis 12.30 Uhr in entsprechenden Behältern abgegeben wird. "Ich bin froh, dass die Zusammenarbeit mit meinem Lausitzer Gänsebauern, der Gärtnerei aus Radebeul für das Gemüse und dem Dresdner Kräuterspezialisten Veith Adam so gut funktioniert. Wenn Corona etwas Positives hat, ist es, dass wir uns gut vernetzt haben, uns laufend austauschen und uns alle gegenseitig unterstützen", sagt Kranz.

Nothilfen-Webseite überlastet

Diese schöne Erfahrung macht auch Dirk Hesse von der Einkehr am Palmenhaus in Pillnitz. Weniger zufrieden ist er allerdings mit der Resonanz auf sein Außer-Haus-Angebot, zumindest an Wochentagen. Dabei bietet er seinen Kunden sogar bis 16 Uhr am gleichen Tag an, noch für den Abend zu ordern. "Aber gerade am Donnerstag hatte ich lediglich zwei Bestellungen. Da sind meine Kosten höher, als ich am Ende damit verdiene", sagt er. Doch er will sich nicht nachsagen lassen, er hätte es nicht nötig.

Für die Weihnachtsfeiertage hat er sich mit seinen Kollegen zusammengesetzt, um die Zeitfenster für die Abholung einzutakten. "Wir hatten volle Reservierungsbücher und müssen jetzt erst mal alle Kunden anrufen, ob die auch abholen wollen", sagt er. Dann würden diese bevorzugt bedacht.

Das Weihnachtsmenü entstehe gerade. Zum Thema Nothilfe für Gastronomen versuche sein Steuerberater seit Tagen, diese zu beantragen. Doch die Webseite sei laufend überlastet. "Das kenne ich aus dem Frühjahr. Da ist es mir erst nachts 3 Uhr gelungen, dort reinzukommen", sagt Hesse.

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