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Dresden: Gastro-Hilfe reicht nicht aus

Warum die Unterstützung die Ausfälle der Restaurants nicht kompensiert und sich ein Lieferdienst für viele Wirte nicht lohnt.

Während andere Gastronomen das Außer-Haus-Geschäft längst aufgegeben haben, halten Frank Ollhoff und sein Küchenchef André Fröbel am Lieferdienst im "Petit Frank" fest.
Während andere Gastronomen das Außer-Haus-Geschäft längst aufgegeben haben, halten Frank Ollhoff und sein Küchenchef André Fröbel am Lieferdienst im "Petit Frank" fest. © René Meinig

Dresden. Angesichts der Corona-Krise geht es in vielen Branchen ums Überleben. Auch die Dresdner Gastronomie hat zu kämpfen, seit Anfang November sind die Restaurants und Kneipen geschlossen, wer nicht auf Liefer- und Abholdienst setzt, hat keine Einnahmen. Die im Lockdown zugesagten Hilfen blieben zunächst aus, der Frust unter den Wirten der Landeshauptstadt war groß. Was sich bei ihnen inzwischen getan hat und wie das verbleibende Geschäft läuft.

Kosten trotz geschlossener Restaurants nicht gedeckt

Frank Ollhoff, Chef des "Petit Frank" in Pieschen, hat den Novemberabschlag in Höhe von 10.000 Euro inzwischen bekommen. "Doch leider noch kein Geld, was darüber hinaus geht", sagt er. Er warte noch auf den Rest der Novemberhilfen und auch für Dezember sei bisher nichts eingegangen auf seinem Konto. "Ich bin sicher, die Hilfen werden kommen, aber ich hoffe, dass es nicht mehr lange dauert - da ich meine Mitarbeiter bisher nicht in Kurzarbeit geschickt habe, um sie nicht hängen zu lassen", sagt er. Aber dafür brauche er das Geld. Ollhoff bietet tageweise einen Lieferdienst an. "Das läuft ganz gut, aber wir machen das vor allem für unseren Kopf, damit wir eine Aufgabe haben und damit wir in Kontakt mit den Gästen bleiben."

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Ähnlich wie Ollhoff geht es Daniel Fischer vom Restaurant "Daniel" in Striesen. Auch er hat die 10.000 Euro Abschlagzahlungen bekommen, aber noch nicht mehr. "Die Dezemberhilfe können wir Gastronomen erst seit Anfang dieser Woche beantragen", sagt er. Er gehe nicht davon aus, dass die Wirte vor März wieder öffnen können. Alle seine Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, und sein Laden sei zu. Anders als Frank Ollhoff hat Daniel Fischer das Liefergeschäft inzwischen aufgegeben. Er habe es über Weihnachten probiert, doch der Aufwand stünde in keinem Verhältnis zum Nutzen. "Wir haben am 25. und 26. Dezember etwa 40 Essensbestellungen gehabt, dafür haben wir mit vier Tagen und vier Leuten alles vorbereitet."

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Dagegen hatten Olaf Kranz und einige seiner Mitarbeiter im "Schmidt's" in Hellerau zu Weihnachten alle Hände voll zu tun. Er hätte noch weitaus mehr Gänse verkaufen können, sagt er. Und dass, obwohl er sogar die Gänse, die er zum Martinsessen beim Bauern aus der Region nicht abnehmen konnte, alle zusätzlich zubereitet habe. "Das war sehr schön für uns, diesen Rückhalt von den Kunden zu spüren", sagt Kranz.

Wie die anderen Gastronomen habe er den Abschlag von 10.000 Euro erhalten, warte aber noch auf die November- und Dezemberhilfen. Von einem befreundeten Steuerberater habe er gehört, dass die ersten Bescheide für andere Betroffene bereits eingegangen sind. Insofern ist er optimistisch, auch bald diese Unterstützung zu bekommen.

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Wolle Förster: "Uns fehlt der Kontakt zu den Gästen"

Bei Unternehmer Wolle Förster, der unter anderem das "Sushi & Wein", das "Klax" und mehrere Spielautomaten betreibt, stehen 80 Prozent der GmbH still. Von der beantragten Novemberhilfe seien bisher ebenfalls 10.000 Euro Abschlagszahlung eingetroffen. Das einzige, was in seinem Unternehmen noch laufe, sei der Sushi-Liefer- und Abholservice, den er sieben Tage die Woche von 11 bis 22 Uhr anbietet.

Und das durchaus mit Erfolg: Hier übersteige der Umsatz an vielen Tagen sogar den Umsatz bei regulärem Restaurantbetrieb. "Dennoch würden wir viel lieber wieder öffnen", sagt Wolle Förster. "Uns fehlt der Kontakt zu den Gästen, das kurze 'Hallo' und 'Tschüss' beim Abholen oder Liefern ist überhaupt nicht damit zu vergleichen, die Gäste im Restaurant zu bewirten."

Das bestätigen auch Matteo Böhme und sein Vater Thomas Böhme, die das "Gerücht" in Laubegast betreiben. Bei ihnen in der urigen Kneipe gibt es an einigen Tagen zumindest noch das selbstgebraute Laubegaster Bier und den handgemachten Glühwein in der Flasche zum Mitnehmen. Auch ein Essen bieten sie an - natürlich "to go", also zum Abholen. Von der beantragten Novemberhilfe sei Ende Dezember ein Abschlag in Höhe von 50 Prozent auf dem Konto eingegangen, so Matteo Böhme. Um die Fixkosten zu decken, reiche das aber längst nicht aus. "Wer keine Rücklagen mehr hat und auf die monatlichen Einnahmen angewiesen ist, hat keine Chance."

Am 23. Dezember habe Böhme von seinem Steuerberater erfahren, dass nun die Dezemberhilfe ebenfalls beantragt werden kann, doch bislang habe der Steuerberater noch keine Zeit gefunden, den Antrag fertig zu machen. Angesichts vieler weiterer Mandanten sei der zeitliche Aufwand für die Steuerbüros derzeit enorm.

Gaststättenverband fordert höhere Abschläge

Die im Zuge des November- und Dezember-Lockdowns zugesagten Hilfen haben bei den Dresdner Gastronomen viele Hoffnungen geweckt, obwohl die Verzweiflung und die Perspektivlosigkeit aufgrund der erlassenen Corona-Maßnahmen weiter groß sind. Abschlagszahlungen sind bei den Betrieben zwar angekommen. "Aber für viele reicht das nicht, und ein relevanter Teil der Branche kann noch keine Hilfen beantragen und weiß nicht, ob und nach welchen Spielregeln die Betriebe eine Entschädigung für die finanziellen Ausfälle enthalten", so die Dehoga Sachsen.

Der Hotel- und Gaststättenverband fordert eine weitere Erhöhung der Novemberhilfe auf bis zu 500.000 Euro, zudem müssten die Beantragung und die Klärung der Frage verbessert werden, ob auch Unternehmen, die bereits einen Abschlag von 10.000 Euro erhalten haben, den höheren Abschlag beantragen können.

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