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Dresden: Als Testzentrum durch die Krise?

Im Lockdown darf im Hacker-Pschorr am Altmarkt kein Bier ausgeschenkt werden - nun soll eine neue Idee der Gastronomie helfen. Warum sie zu scheitern droht.

Gastro-Duo mit ernsten Mienen: Christian Seegerer (l.) und Daniel Fenske sind die Chefs im neuen Hacker-Pschorr-Wirtshaus am Dresdner Altmarkt.
Gastro-Duo mit ernsten Mienen: Christian Seegerer (l.) und Daniel Fenske sind die Chefs im neuen Hacker-Pschorr-Wirtshaus am Dresdner Altmarkt. © Sven Ellger

Dresden. Stühle und Tische stehen bereit, in wenigen Tagen wäre alles vorbereitet - Daniel Fenske und Christian Seegerer wollen endlich loslegen. Sie wollen Gäste bewirten, Bier ausschenken, Essen zubereiten - sie wollen Geld verdienen. Im Lockdown ist auch ihr Restaurant in der Dresdner Innenstadt seit Monaten geschlossen.

Erst im August vergangenen Jahres haben die beiden Gastronomen eine Lücke am Altmarkt gefüllt. In den ehemaligen Räumen des Barococo eröffneten sie das Hacker-Pschorr, ein bayrisches Wirtshaus, mit bayrischem Bier und bayrischem Essen. Ganz traditionell. Und doch soll ihre Gastronomie auch modern sein: die Innenausstattung in hellem Holz, auf der Speisekarte vegetarische und vegane Gerichte. Das kam gut an bei den Dresdnern, sagt Geschäftsführer Daniel Fenske.

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Zwei Monate durften sie arbeiten. "Wir hatten sehr viele Gäste, es war eine tolle Zeit." Zumindest bis sich Mitte Oktober ein weiterer Lockdown abzeichnete. Die Dresdner seien verunsichert gewesen, viele haben auf einen Restaurantbesuch verzichtet, vielleicht auch aus Angst, dass sie sich mit dem Coronavirus anstecken könnten.

Anfang November war Schluss, die Gastronomie wurde dichtgemacht. Seitdem schwanken Fenske und Seegerer zwischen Optimismus und Frust. Inzwischen ist der Optimismus einer Gelähmtheit gewichen, sagen sie. "Uns fehlt die Perspektive, dass es weitergeht."

Beim Striezelmarktbesuch in Dresden verliebt

Dabei sah es noch vor Ostern so aus, als könnten die Dresdner Gastronomen wenigstens ihre Außenbereiche öffnen. "Wir haben alles vorbereitet, die Köche waren zwei Wochen da, haben sich Gedanken über die Gerichte gemacht, die wir den Gästen nun endlich servieren wollten", erinnert sich Betriebsleiter Christian Seegerer.

Dass die Gastronomie sein Leben ist, dass ein Beruf für ihn nur in dieser Branche infrage kommt, habe er schon als 16-Jähriger gewusst. Seitdem geht Seegerer, heute 33, einen klaren Weg, richtet seine Karriere darauf aus, es mit guter Arbeit bis ganz nach oben zu schaffen. Der gebürtige Bayer macht eine Ausbildung zum Koch, studiert Betriebswirtschaft, lernt seine Frau kennen, auch sie arbeitet in derselben Branche.

Sie begleitet ihn auf seinem Weg, der sie beruflich zuletzt auf Schloss Elmau in Garmisch-Partenkirchen führt. "Damals dachte ich, dass ich oben angekommen bin." Doch an seinem Höhepunkt sei er hier in Dresden, als Restaurantleiter im Hacker-Pschorr. Bei einem Striezelmarktbesuch hat er sich in die Stadt verliebt. "Als ich dann die Stellenausschreibung gelesen habe, war mir sofort klar: Das mache ich", sagt Seegerer.

Fenske lacht und erzählt, dass Seegerer ihn damals angerufen und nur einen Satz gesagt hat: "Du brauchst nicht mehr zu suchen. Ich bin der Richtige." Auch auf seinem Weg nach Dresden ist seine Frau an seiner Seite, mit ihrer Tochter lassen sie 2019 ihr Leben in Bayern hinter sich, fangen noch einmal neu an. "So war das allerdings nicht gedacht", sagt Christian Seegerer.

Christian Seegerer ist Restaurantleiter im neuen Hacker-Pschorr. Dass seine Branche keinerlei Perspektive für eine Wiedereröffnung hat, macht dem Gastronomen zu schaffen.
Christian Seegerer ist Restaurantleiter im neuen Hacker-Pschorr. Dass seine Branche keinerlei Perspektive für eine Wiedereröffnung hat, macht dem Gastronomen zu schaffen. © Sven Ellger

Er ist sichtlich ergriffen, muss das Gespräch kurz unterbrechen. Der gestandene Gastronom ringt um Fassung. Und wieder: "Wir haben momentan keine Perspektive." Dieses Wort fällt sehr oft, auch Daniel Fenske kann seine Emotionen nur schlecht verbergen. Er ist gefasster, wirkt vor allem frustriert. Denn nun scheint auch ihre neue Idee nicht wirklich aufzugehen.

Als Seegerer kürzlich erfährt, dass die Stadt das Netz an Testzentren in Dresden ausbauen will, bewirbt er sich. Das Gesundheitsamt befindet die Räume im Hacker-Pschorr für geeignet, beauftragt Seegerer und Fenske. Sie sehen ihre Chance, wenigstens einen Teil der insgesamt 50 Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen zu können. Beim Deutschen Roten Kreuz werden zehn von ihnen geschult, sie lernen, wie die Stäbchen richtig in die Nasen geschoben und mit einer Flüssigkeit versehen werden.

Wer einen der kostenlosen Tests im Hacker-Pschorr machen will, wird im Gastraum - jetzt ausgestattet mit Plexiglasscheiben und zwei Testkabinen - freundlich empfangen. Ein Mitarbeiter erklärt, wie alles abläuft und wann das Testergebnis abgeholt werden kann. Die Kosten für die rund 3.000 georderten Testkits schießen Fenske und Seegerer vor, die erste Abrechnung bei der Kassenärztlichen Vereinigung steht noch aus. Von ihr bekommen die Gastronomen - und nun Testcentermanager - das Geld für die Testkits erstattet, dazu gibt es eine Aufwandsentschädigung, erklärt Fenske.

Die Hacker-Pschorr-Mitarbeiter Marta Seegerer und Maik Friedel lernen nun ein ganz neues Metier kennen. Statt Geschirr und Pfannen sind nun Teststäbchen und Formulare ihre Arbeitsutensilien.
Die Hacker-Pschorr-Mitarbeiter Marta Seegerer und Maik Friedel lernen nun ein ganz neues Metier kennen. Statt Geschirr und Pfannen sind nun Teststäbchen und Formulare ihre Arbeitsutensilien. © Sven Ellger

Damit könne ein Teil der monatlichen Fixkosten gedeckt werden - mehr auch nicht. "Das ist nichts zum reich werden." Und doch bereichert die neue Aufgabe alle, die daran beteiligt sind. Fenske konnte in den vergangenen Wochen und Monaten beobachten, wie sehr seine Mitarbeiter zu kämpfen haben. Vor allem finanziell, klar, wenn mit dem Kurzarbeitergeld nur 60 bis 70 Prozent des Gehaltes überwiesen werden. Auch diese Kosten müssen die Gastronomen vorstrecken, bei vielen Mitarbeitern ist das ein enormer Posten. "Die größte Herausforderung für unsere Branche wird es aber sein, das Personal zu halten", sagt Fenske.

"Es ist einfach nur frustrierend"

Und er stellt sich die Frage: "Sehen junge Menschen ihre Zukunft in der Gastronomie?" Was ist, wenn im Herbst ein neuer Lockdown beschlossen wird, wieder alle Restaurant schließen müssen? Es ist und bleibt das bestimmende Thema: Perspektivlosigkeit.

Die zeichnet sich nun auch bei der Idee für das Testzentrum ab. Wenn Geschäfte und Einrichtungen, die derzeit noch jene Kunden hineinlassen können, die einen negativen Schnelltest vorweisen, bald wieder dichtmachen, weil die Inzidenz steigt, werden auch die Testzentren weniger zu tun haben.

"Es ist einfach nur frustrierend", sagt Fenske und schüttelt den Kopf. Seine große Hoffnung war, dass die Gastronomie mit einer Teststrategie bald öffnen kann, mit dem Testzentrum will das Hacker-Pschorr auch alle anderen Restaurants am Altmarkt und in der Innenstadt unterstützen, sagt Fenske. Andere Dresdner Gastronomen folgten, richteten in ihren Restaurants ebenfalls Teststationen ein, darunter das Schießhaus, das Schwerelos am Hauptbahnhof, das Carolaschlößchen im Großen Garten. Nun macht die 'Notbremse' des Bundes die Hoffnung auf eine schnelle Öffnung vorerst zunichte.

Fenskes Verständnis für dieses Vorgehen hält sich in Grenzen. Der 40-Jährige schüttelt mit dem Kopf. "Ich kann unseren Kunden im Testzentrum nur schwer vermitteln, warum sie mit einem negativen Testergebnis keinen Kaffee bei mir bekommen, sich um die Ecke damit aber eine Hose kaufen dürfen." Von den bislang knapp 2.000 Getesteten habe nur einer ein positives Testergebnis gehabt, ergänzt er.

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