SZ + Dresden
Merken

"Wir haben 90 Prozent weniger Gäste"

Dresdner Wirte kämpfen mit den Öffnungszeiten bis 20 Uhr und mit den 2-G-Regeln. Sie setzen jetzt auf Lieferdienste.

Von Julia Vollmer
 3 Min.
Teilen
Folgen
Stefan Flügge und Alexandra Göllner, die Wirte vom Restaurant Trompeter auf der Bautzner Landstraße
Stefan Flügge und Alexandra Göllner, die Wirte vom Restaurant Trompeter auf der Bautzner Landstraße © Trompeter / PR

Dresden. Nur noch 20 Uhr offen und Einlass nur noch für Geimpfte und Genese. Auch wenn die Corona-Regeln dringend nötig sind, leiden die Dresdner Gastronomen unter ausbleibenden Gästen.

"Wir haben in den Restaurants von „Sushi & Wein“ 90 Prozent weniger Gäste. Das liegt zu je 50 Prozent an den 2G-Vorgaben und daran, dass wir so zeitig schließen müssen", sagt Sushi&Wein-Chef Wolle Förster. Er fragt: "Wer geht denn abends essen, wenn 20 Uhr geschlossen wird? " Gästegruppen, die sich für die Sushi-Kurse angemeldet hatten, haben alle abgesagt. Das passiere generell bei jeder Reservierung, sobald einer ungeimpft ist.

Seine Rettung? Der Sushi- Liefer- und Abholdienst. "Er hat uns die ganze Zeit gerettet und zieht jetzt wieder stark an. Hier haben wir keine Sorgen und müssen auch keine Mitarbeiter in die Kurzarbeit schicken." Wenn er sein Gesamtunternehmen ansehe, sehe das anders aus. Die Nachtbar Klax und die Spielhallen mit den Automaten sind ja komplett geschlossen. "Nur durch das Außer-Haus-Geschäft mit Sushi kommen wir auf gerade mal auf 20 Prozent vom Gesamtumsatz. Nicht nur mir, sondern der gesamten Wirtschaft entsteht ein riesiger Schaden, nicht zu vergessen die frustrierten Mitarbeiter, die lieber arbeiten wollen statt zu Hause zu sitzen", so Förster.

Auch Stefan Flügge und Alexandra Göllner, die Wirte vom Restaurant Trompeter auf der Bautzner Landstraße, sind frustriert von der Lage. "Die Gastronomie ist neben einigen anderen Branchen, der finanziell meist betroffene Wirtschaftszweig dieser schweren pandemischen Lage", so Göllner. Gastronomen sei keine Gehaltsempfänger, sondern entrichten monatlich, Abgaben auf Umsatz und Personal. "Unser Unternehmer Gehalt ist seit 2019 mehr als dürftig, die gesamt Branche kämpfen täglich um den Fortbestand unserer Häuser, gegen viel zu spät geleistete Unterstützungszahlungen, gegen unprofessionell ausgearbeitete Modelle staatlicher Hilfen, gegen Öffnungsbedingungen, welche eine komplette Schließung wirtschaftlicher erscheinen lassen, da wir alle volle Auslastung benötigen, um kostendeckend arbeiten zu können."

"Gastronomisch äußerst unrentabel"

Schon seit der Einführung der 3 G – Regel seien die Umsätze schmäler geworden, alle Feierlichkeiten wurden storniert und Weihnachtsfeiern abgesagt. "Unsere Feiertagsreservierungen reduzieren sich drastisch und sind von der allgemeinen Unsicherheit seitens der Gäste sowie der Geschäftslage geprägt", sagt sie. Mit der Einführung von 2G und verkürzten Öffnungszeiten ist auch der Umsatz im Luisenhof um rund 50 Prozent eingebrochen. Das sagt Wirt Carsten Rühle. "Alle Mitarbeiter sind wieder in Kurzarbeit, den Lohn stocken wir wieder auf 100 Prozent auf." Alle Weihnachtsfeiern wurden abgesagt, übrig sind lediglich rund 10 Prozent der für Dezember vereinbarten Familienfeiern.

Wie im vergangenen Jahr liefert er seit dem 1. November bis einschließlich 23. Dezember eine ganze Gans mit Apfelrotkohl und Klößen für vier Personen sowie eine Flasche Rotwein zu unseren Gästen nach Hause. Das Gänsetaxi-Liefergebiet umfasst die gesamte Stadt Dresden. Zusätzlich gibt es eine Abhol-Speisekarte mit verschiedenen Vorspeisen, Luisenhof-Klassikern und Desserts.

Ähnlich traurig wie die anderen Wirte ist auch Uwe Sochor aus dem Savoir Vivre über die aktuelle Lage. "Gastronomisch ist äußerst reduktiv und unrentabel." Er habe praktisch 100 Prozent Stornierungen von Feiern bis auf Weiteres auch schon im neuen Jahr. Absagen würden unter anderem auf dem hohen Krankenstand der möglichen Gäste basieren - auch unabhängig des jeweiligen Impfstatus. Wie die anderen Wirte bietet er auch einen Lieferdienst aus seinem Lokal in Pieschen an, "im vollen genehmigten Umfang, die kleinste Chance Bürgern eine "Normalität" im Alltäglichen zu signalisieren, mindestens damit Hoffnung und Zuversicht zu vermitteln", sagt er. Auch die Dresdner Hotel-Gastro leidet. Im Schloss Eckberg gibt es fast 100 Prozent Stornierungen von Familienfeiern im Dezember, sagt Thomas Gaier aus dem Hotel.