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Dresdner Gastro im zweiten Lockdown

Die Restaurants sind geschlossen, dürfen aber einen Abholservice anbieten. Staatliche Fördergelder sollen helfen. Unklar ist, wer sie bekommt und wann.

Wenzel-Chef Michael Möckel hat sein Restaurant am Postplatz erst 2020 eröffnet. Auch ihm steht die Corona-Hilfe des Bundes zu.
Wenzel-Chef Michael Möckel hat sein Restaurant am Postplatz erst 2020 eröffnet. Auch ihm steht die Corona-Hilfe des Bundes zu. © Marion Doering

Dresden. Mindestens den ganzen November müssen die Dresdner Gastronomen ihre Lokale schließen. Ob und wie es danach aufgrund der immer weiter steigenden Coronazahlen weitergeht, ist derzeit offen. 

Die Wirte sind verunsichert und fürchten um ihre Existenzen. Über die vom Bund versprochenen Förderungen gibt es Unklarheiten. 

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Grundsätzlich gilt: Ausgezahlt werden 75 Prozent des November-Umsatzes vom vergangenen Jahr. Doch wer bekommt die Hilfe eigentlich, und wann?

Diese Fragen beschäftigen auch Michael Möckel, Betreiber des Restaurants Wenzel, der seine Lokale am Postplatz und auf der Königstraße hat. "Wir haben unseren Mitnahmeservice auf professionellere Beine gestellt und bieten den Wenzel für Daheim nun in Öko-Verpackungen an. Auch Bier to go wird bei uns viel nachgefragt. Aber ohne die angekündigte staatliche Hilfe, die bei unserer Größe nur bei 70 Prozent liegt, wird es allein mit dem Mitnahmegeschäft schwierig." 

Das letzte Wochenende vor der Schließung sei komplett ausgebucht gewesen. "Da kämpft man wirklich mit den Tränen, wenn man weiß, wie voll es bei uns im November sonst ist. Wir haben schnell noch unseren Gutscheinverkauf über unsere Website eingebunden, um ein paar Einnahmen zu haben. Aber um ehrlich zu sein, hoffen wir doch alle nur darauf, dass wir im Dezember wieder für unsere Gäste da sein dürfen."

Auch junge Unternehmen werden unterstützt

Gleich nebenan am Postplatz hat kürzlich erst das Shiki aufgemacht. Es ist das sechste Restaurant von Gian Dannemann, die neben zwei Hot-Woks drei Codo-Restaurants in Dresden betreibt. 

Seit zwei Jahren ist Vu Anh Doan ihr junger Geschäftspartner. "Für das Shiki als ganz neues Restaurant ist die Schließung natürlich schwer. Aber wir kämpfen und bieten unsere Essen auch zum Mitnehmen oder Liefern an", sagt der 28-Jährige. 

Vom Steuerberater lasse Doan jetzt prüfen, welche Förderungen es für neu eröffnete Restaurants gibt. Geld, das zum Überleben enorm wichtig wäre. Tatsächlich berücksichtigt die Bundesregierung auch diese: Bei jungen Unternehmen, die nach November 2019 gegründet wurden, gelten die Umsätze von Oktober 2020 als Maßstab.

Wann die Unterstützung für alle ihre Restaurants komme, sei völlig unklar, so Doan. 

Giang Dannemann (l.) und ihr Geschäftspartner Vu Anh Doan haben erst kürzlich am Postplatz das vietnamesische Restaurant Shiki eröffnet. "Für uns ist es sehr schwer. Aber wir kämpfen."
Giang Dannemann (l.) und ihr Geschäftspartner Vu Anh Doan haben erst kürzlich am Postplatz das vietnamesische Restaurant Shiki eröffnet. "Für uns ist es sehr schwer. Aber wir kämpfen." © René Meinig

Großes Hoffen auf das Dezember-Geschäft

Alle Gastronomen hoffen nun vor allem darauf, dass es im Dezember weitergeht. Auch Ina Giuffrida vom Delizia auf dem Weißen Hirsch. "Ich hoffe, dass ich im Dezember wieder öffnen und wenigstens noch ein wenig Weihnachtsgeschäft mitnehmen kann", sagt sie. Auch sie weiß nicht, ob und wann sie die Förderung bekommt. 

"Ich hoffe, dieses Geld wird nicht auf die Förderung vom letzten Lockdown angerechnet." Denn die Kosten wie Miete und Personalkosten laufen weiter, und mit der Förderung vom März musste sie unter anderem den Umsatzverlust von der letzten Schließung ausgleichen. Um sich mit dem Lokal über Wasser zu halten, bietet sie für die italienischen Speisen einen Abholservice an. 

Erstmals Essen zum Abholen und Liefern bietet auch das Genussatelier in der Radeberger Vorstadt an, ab dem 11. November gibt es ein Martinsmenü mit Ente und Klößen.

Auch die Betreiber des Luisenhofs bleiben aktiv und wollen so weiter Umsatz machen. "Bis einschließlich 23. Dezember liefern wir eine ganze Martinsgans mit Apfelrotkohl und Klößen für vier Personen sowie eine Flasche Rotwein zu unseren Gästen nach Hause. Das Liefergebiet umfasst die gesamte Stadt Dresden, auf Anfrage liefern auch über die Stadtgrenzen hinaus", so Wirt Carsten Rühle. 

In Bezug auf die finanzielle Unterstützung ist er skeptisch. "Das mit den staatlichen Corona-Hilfen für Unternehmen ist so eine Sache. Beim ersten Shutdown im Frühjahr haben wir nichts bekommen, mussten sogar einen Kredit aufnehmen, um die Umsatzausfälle kompensieren und die weiter laufenden Kosten und Löhne bezahlen zu können", sagt Rühle. 

Ob die jetzt von der Bundesregierung beschlossenen Zuschüsse tatsächlich bei ihm ankommen und in welcher Höhe, bleibe abzuwarten. 

Carolin Rühle-Marten und Carsten Rühle betreiben seit 2018 den Dresdner Luisenhof. In Bezug auf die stattlichen Corona-Hilfen sind sie skeptisch.
Carolin Rühle-Marten und Carsten Rühle betreiben seit 2018 den Dresdner Luisenhof. In Bezug auf die stattlichen Corona-Hilfen sind sie skeptisch. © Christian Juppe

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Weihnachtsmarkt in der Elbterrasse verschoben

Unklar ist das auch für die in diesem Jahr wieder neu eröffnete Elbterrasse Laubegast. Den Biergarten samt Kneipe wollte Betreiber Robert Gutsche in diesem Jahr erstmals auch über den Winter öffnen, nun bleibt beides im November geschlossen. 

Anders als im Frühjahr rechnet Gutsche in diesem Monat aufgrund des Herbstwetters nicht mit vielen Gästen, die ein Außer-Haus-Angebot nutzen würden.

Robert Gutsche und Selma Hohenstein betreiben seit diesem Frühjahr den Biergarten "Feuchte Kurve" an der Elbterrasse Laubegast. Im November bleibt ihre Kneipe komplett geschlossen - nur das Geschäft mit der Martinsgans wollen sie mitnehmen.
Robert Gutsche und Selma Hohenstein betreiben seit diesem Frühjahr den Biergarten "Feuchte Kurve" an der Elbterrasse Laubegast. Im November bleibt ihre Kneipe komplett geschlossen - nur das Geschäft mit der Martinsgans wollen sie mitnehmen. © René Meinig

Wie viele andere Gastronomen in Dresden setzt aber auch er auf das Geschäft mit der Martinsgans, die vorbestellt und abgeholt werden kann. Die Schließzeit jetzt nutzen Gutsche und sein Team für einen Großputz und Reparaturen nach der ersten Sommersaison. 

Sollte es im Dezember weitergehen und er öffnen dürfen, sollen beim "Winterzauber" zwei, drei kleine Büdchen, Tannenbäume und Feuerschalen für weihnachtliche Stimmung auf der Elbterrasse sorgen. 

Ist das nicht möglich, werden am Elberadweg Glühwein, Bier und Bratwurst zum mitnehmen verkauft. "Wie es dann weitergeht, lässt sich jetzt überhaupt noch nicht abschätzen." 

Unklarheit auch beim Gaststättenverband

Unzufrieden mit der aktuell unklaren Informationslage in Bezug auf die Corona-Hilfen ist Dehoga-Chef Axel Klein. "Bei uns laufen die Telefone heiß, weil niemand genau weiß, wer bekommt die Förderung und wann", sagt er. 

Unklar sei auch, ob die Gastronomen die Förderung von 75 Prozent des Umsatzes im November 2019 auch bekommen, wenn sie einen Lieferdienst anbieten, oder ob sie nur nur bei einer kompletten Schließung ausgezahlt wird.

Die Wirtschaftshilfe ist eine einmalige Kostenpauschale. Dabei geht es insbesondere um die Fixkosten, die trotz der temporären Schließung anfallen, heißt es vom Bundeswirtschaftsministerium. Um das Verfahren so einfach wie möglich zu halten, sollen diese Kosten über den Umsatz berechnet werden. 

Bezugspunkt ist daher der durchschnittliche wöchentliche Umsatz im November 2019. Der Erstattungsbetrag soll 75 Prozent des entsprechenden Umsatzes für Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern betragen. Um nicht in eine detaillierte und sehr komplexe Kostenrechnung einsteigen zu müssen, werden die Fixkosten pauschalisiert, heißt es weiter.

So wird die Hilfsfinanzierung berechnet

Auf SZ-Anfrage, wann die Hilfen ausgezahlt werden sollen und wer sie überhaupt beantragen kann, teilt das Bundesfinanzministerium am Donnerstagmittag mit: "Für Restaurants gilt eine Sonderregelung, wenn sie Speisen im Außerhausverkauf anbieten."

Hier wird die Umsatzerstattung auf 75 Prozent der Umsätze im Vergleichszeitraum 2019 auf diejenigen Umsätze begrenzt, die dem vollen Mehrwertsteuersatz unterliegen, also die im Restaurant verzehrten Speisen. 

Damit werden die Umsätze des Außerhausverkaufs – für die der reduzierte Mehrwertsteuersatz gilt – herausgerechnet. Im Gegenzug werden diese Umsätze des Außerhausverkaufs während der Schließungen von der Umsatzanrechnung ausgenommen, um eine Ausweitung dieses Geschäfts zu begünstigen. 

Beispiel: Eine Pizzeria hatte im November 2019 8.000 Euro Umsatz durch Verzehr im Restaurant und 2.000 Euro durch Außerhausverkauf. Sie erhält daher 6.000 Euro Novemberhilfe, das heißt zunächst etwas weniger als andere Branchen, 75 Prozent des Vergleichsumsatzes. 

Dafür kann die Pizzeria im November 2020 deutlich mehr als die allgemein zulässigen 2.500 Euro , 25 Prozent von 10.000 Euro, an Umsatz mit Lieferdiensten erzielen, ohne dass eine Kürzung der Förderung erfolgt.

Die Anträge sollen in den nächsten Wochen über die bundeseinheitliche IT-Plattform der Überbrückungshilfe gestellt werden, www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de. Die elektronische Antragstellung müsse durch einen Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer erfolgen. Die Auszahlung soll über die Überbrückungshilfe-Plattform durch die Länder erfolgen. 

Update, 5.11., 15.36 Uhr: Anders als in einer früheren Version des Textes geschrieben, werden bei den Corona-Hilfen des Bundes auch junge Unternehmen berücksichtigt, die nach November 2019 gegründet wurden. Bei ihnen gilt der Umsatz vom Oktober dieses Jahres.

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