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Dresdner Gastro: "Es wird viele Insolvenzen geben"

Seit November sind die Lokale in Dresden geschlossen. Zugesagte Hilfen kommen nur langsam. Auch das Ostergeschäft fällt weg. Warum das nicht alle überleben werden.

Thomas Widmann betreibt unter anderem das Bodega Madrid und die Burgerei am Neumarkt. Er kritisiert, dass die zugesagten Hilfen spät und nur stückweise kommen.
Thomas Widmann betreibt unter anderem das Bodega Madrid und die Burgerei am Neumarkt. Er kritisiert, dass die zugesagten Hilfen spät und nur stückweise kommen. © René Meinig

Dresden. In Sachsen wird es vor Ostern und auch über die Feiertage keine Restaurantöffnung geben. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sagte das in einem Interview am Sonntag sehr deutlich. Doch was heißt das für die Dresdner Gastronomen, die seit Anfang November zu haben?

Für Thomas Widmann kam die Ansage des Ministerpräsidenten nicht überraschend. Der Gastronom, der zahlreiche Restaurants in der Weißen Gasse und am Dresdner Neumarkt betreibt, hatte angesichts der Lockdown-Entwicklungen des Vorjahres damit gerechnet, dass auch das Ostergeschäft ausfallen wird. "Aber obwohl ich diese Entscheidung nachvollziehen kann, sind wir Gastronomen sehr traurig darüber. Ostern ist stets der Startschuss für die Saison, wenn die schweren Wintermonate geschafft sind", sagt Widmann.

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Frustrierend ist für ihn, dass die zugesagten Hilfen des Bundes nur sehr zögerlich ausgezahlt werden. "Für November habe ich erst eine Abschlagszahlung erhalten, für Dezember kann ich noch nicht mal Anträge stellen", sagt er. Anders als im Vorjahr werden seine Kredite als Beihilfen bewertet, "obwohl ich die natürlich zurückzahlen muss." Deshalb hat er die Förderobergrenze von 800.000 Euro überschritten.

"Die Hoffnung stirbt zuletzt"

Erst nach EU-Verhandlungen gilt jetzt, dass er weitere Hilfen beantragen kann. "Aber diese zusätzlichen Mittel sind noch nicht abrufbar. Von uns Selbstständigen wird erwartet, dass wir uns stets an alle Vorgaben halten, aber wir werden hingehalten", sagt Widmann. Er ist sicher, dass es im Laufe des Jahres viele Insolvenzen geben wird. "Auch bei uns wäre es nicht weitergegangen, wenn wir nicht privates Geld hineingepumpt hätten."

Es sei zudem schwer auszuhalten, dass er nicht bei allen Vermietern auf Verständnis trifft. "Ich habe bei allen schriftlich um die Stundung der Mieten ab Januar angefragt und dargelegt, dass diese sofort bezahlt werden, sobald die staatlichen Hilfen eintreffen." Einige seien sehr gesprächsbereit, einer davon aber gar nicht.

Auch für andere Dresdner Wirte kommt Kretschmers Aussage wenig überraschend. "Für uns und einige andere Gastronomen war klar, dass wir höchstwahrscheinlich nicht zu Ostern öffnen dürfen, aber dennoch: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Die heutige Nachricht hat mich ganz schön wütend gemacht", schreibt Nicole Blonkowski aus dem Genuss-Atelier.

Sie fragt sich, woher man am 14. Februar schon wissen könne, was im April sein wird. "Man hat uns doch so schön erklärt, dass bei einem Inzidenzwert zwischen 35-50 mögliche Lockerungen für Kultur und Gastronomie ins Haus stehen können, da wissen Sie schon heute, dass wir den Wert im April nicht erreichen?", fragt die Gastronomin an den Ministerpräsidenten gerichtet.

"Das reicht lange nicht, um alle Kosten zu decken"

Für Olaf Kranz ist die Nachricht, dass Ostern wohl noch zu sein wird, eine Hiobsbotschaft von vielen. Er betreibt das Schmidts in Hellerau und die Palastecke im Kulturpalast. "Besonders ärgerlich ist, dass es bisher nur Abschläge der zugesagten November- und Dezemberhilfen gab. Das reicht lange nicht, um alle Kosten zu decken", sagt Kranz.

Außerdem sei vieles schwammig geregelt, zum Beispiel, ob Nebenkosten förderfähig sind. "Ich kann ein Stück weit verstehen, dass die Bürger sagen, wir sollen nicht jammern, weil wir ja einen Großteil unserer Umsätze erstattet bekommen sollen. Aber es dauert eben sehr lange, bis das Geld kommt. Das hält nicht jeder durch."

Für ihn ist die Frage, wie es weitergeht. Möglicherweise droht im kommenden Herbst wieder ein Lockdown. "Für uns muss sich das Geschäft rechnen. Wenn zu wenige Gäste kommen, dann lohnt es nicht, zu öffnen."

Auch im Wenzel sind noch keine weiteren Zahlungen gekommen als der Abschlag. "Es kam leider auch keine Reaktion auf unseren Brandbrief an den Ministerpräsidenten und das heißt für uns, dass unser teurer Kontokorrentkredit heute ausläuft und wir noch kein Geld auf dem Konto haben", sagt Chef Michael Möckel, der die beiden Wenzel-Restaurants am Postplatz und in der Königstraße betreibt.

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Er müsse jetzt dafür kämpfen, sofort Geld aufzutreiben, um das Überleben zu sichern. "Denn wenn man seit November null Euro Umsatz macht, die Kosten aber im mittleren sechsstelligen Bereich weiterlaufen, kann das nicht funktionieren. Wir verstehen wirklich nicht mehr, wieso etwas so lange dauern kann, wir haben doch auch eine Verantwortung für unsere insgesamt 140 Mitarbeiter", sagt er. Dass der Wegfall des Ostergeschäfts umso mehr weh tut, brauche man als Gastronom gar nicht mehr erklären.

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