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Sie übernimmt Dresdens kleinstes Café

Nachdem die bisherige Besitzerin des Minou die Schließung bekanntgab, ist die Zukunft des Schmuckkästchens nun gesichert. Dank einer Krankenschwester.

Von Henry Berndt
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Die frühere Krankenschwester Madeleine Fischer übernimmt ab 1. April das Minou am Waldschlösschen.
Die frühere Krankenschwester Madeleine Fischer übernimmt ab 1. April das Minou am Waldschlösschen. © Christian Juppe

Dresden. Das Bedauern war groß, als im Februar bekannt wurde, dass Dresdens kleinstes Café vor der Schließung steht. Die Betreiberin des Minou am Waldschlösschen, Teresa Oberle, hatte sich aus privaten Gründen nach vier Jahren für die Aufgabe entschieden. Die Corona-Krise spielte dabei nur eine Nebenrolle.

Um das Café und die Idee dahinter zu retten, suchte sie nach einem Nachfolger für das nur zwölf Quadratmeter große Schmuckkästchen, das in normalen Zeiten bis zu zehn Gästen Platz bietet. Seit Februar 2017 gab es im Minou täglich frisch gekochtes Essen zur Mittagszeit und selbst gebackene Kuchen.

Schon bald wird es hier wieder lecker duften, denn nun ging alles ganz schnell. Wenn sich Teresa Oberle kommende Woche von ihren Gästen verabschiedet, kann sie auch gleich ihre Nachfolgerin präsentieren.

Ein Schild an der Tür lädt die Stammgäste zu zwei Sonderöffnungstagen im März ein.
Ein Schild an der Tür lädt die Stammgäste zu zwei Sonderöffnungstagen im März ein. © Christian Juppe

Bewerber gab es in den vergangenen Wochen viele, doch bei Madeleine Fischer passte alles zusammen. Dabei hat die 29-Jährige noch keinerlei Erfahrung in der Gastronomie. Für das Minou hat die gelernte Krankenschwester gerade erst ihren Job im Dresdner Uniklinikum gekündigt.

"Ich war im Januar nach meiner Elternzeit wieder in der Klinik eingestiegen", sagt Madeleine Fischer. So richtig angekommen sei sie aber nicht mehr. "Ich hatte schon lange die Idee, mich mit einem kleinen Café selbstständig zu machen, hatte die aber zuletzt ein wenig aus den Augen verloren."

Als sie im Internet zufällig von Teresas Suche nach einem neuen Betreiber las, habe sie ihr kurzerhand geschrieben. Zunächst erfuhr sie, dass es bereits einen anderen aussichtsreichen Kandidaten gebe. Kurz darauf trafen sie sich aber doch im noch unbeheizten Minou, und brachten beide ihren eigenen Kaffee-Pot mit.

Die Chemie stimmte und Teresa Oberle freute sich besonders darüber, dass Madeleine Fischer neben dem Namen und sämtlichem Inventar auch das Konzept übernehmen wollte. Inzwischen ist die Tinte auf dem Vertrag trocken. Ein mit Herzchen umrahmtes Schild lädt bereits für die beiden Verabschiedungs- und Vorstellungstage am 17. und 18. März ein.

Teresa Oberle gibt das Minou aus privaten Gründen ab.
Teresa Oberle gibt das Minou aus privaten Gründen ab. © Christian Juppe

Zum 1. April wird die frühere Krankenschwester das Minou und den Pachtvertrag dazu offiziell übernehmen. Das ehemalige Pförtnerhäuschen stammt aus dem 19. Jahrhundert und gehörte einst zum Brauerei-Areal am Waldschlösschen.

Bei der Wiedereröffnung will Madeleine Fischer es ruhig angehen lassen. Ab Ende April werde sie zunächst an zwei oder drei Tagen in der Woche öffnen, "um ein bisschen reinzukommen". Bei aller Euphorie rund um das neue Projekt soll ihre Familie nicht zu kurz kommen. Daheim freuen sich eine zehnjährige und eine anderthalbjährige Tochter über Mamas Aufmerksamkeit. Deswegen sei es ihr auch wichtig gewesen, dass sich der Betrieb des Cafés gut mit ihrem Familienleben vereinbaren lässt.

"Der Schritt in die Selbstständigkeit ist für mich ein großer", sagt sie. Sie habe zwar schon immer gern gebacken und gekocht, "aber in solchen Mengen ist das schon eine Herausforderung". Während sie die Mittagsgerichte zu Hause in der Küche zubereiten wird, sollen die Kuchen in der Regel direkt im Minou vor den Augen der Gäste entstehen.

Auf der Mittags-Speisekarte könnten unter anderem ein Karotten-Pastinaken-Süppchen mit Tofu und Couscous mit Minzjoghurt oder belegte Bagels stehen. "Ich möchte ein bisschen in die Bio-Richtung gehen." Für die Süßmäulchen werde es vor allem Klassiker wie Streuselkuchen, Quarkkuchen und Schokokuchen geben. Außerdem soll ein Waffeleisen ins Minou einziehen. Ganz sicher will sie auch klassischen gedrückten Kaffee anbieten, wie sie ihn selbst am liebsten trinkt.

Ihre Freunde und Familienmitglieder seien begeistert von ihren Plänen. Besonders ihre große Tochter sei schon Feuer und Flamme und wolle in den Ferien unbedingt mithelfen. Nun will Madeleine Fischer nach der Wiedereröffnung rasch auch die Kundschaft im Minou von ihren Back- und Kochkünsten überzeugen.

"Ich finde, die Corona-Krise kann dafür sogar eine Chance sein", sagt sie. Viele Menschen in Dresden würden doch sehnlichst darauf warten, endlich mal wieder entspannt in einem Café sitzen zu können. "Das will ich ihnen sehr gern ermöglichen."

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