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Wetterschutz in Dresden: Starkregen als Gefahr

Nach bitteren Erfahrungen hat Dresden bei Flüssen und Bächen gehandelt. Doch für Starkregen gibt es kein Konzept. Was die Stadt unternimmt.

Extrem starker Regen wie hier am Theaterplatz fällt zwei- bis dreimal jährlich in Dresden.
Extrem starker Regen wie hier am Theaterplatz fällt zwei- bis dreimal jährlich in Dresden. © dpa-Zentralbild

Dresden. Mauern und Wälle ragen an der Elbe empor. Die Weißeritz als Dresdens gefährlichster Fluss ist nach den bitteren Erfahrungen vom August 2002 jetzt ebenfalls flutsicher. Auch Bäche hat die Stadt ausgebaut. Dennoch drohen Gefahren, vor denen sich Dresden schützen muss.

Das Defizit: Trotz Schäden fehlt klares Konzept

Erst am 30. und 31. August hat es in Dresden wieder stark geregnet. In Obergorbitz prasselten knapp 78 Liter je Quadratmeter herab. Das entspricht einem zehnjährlichen Niederschlag, erklärt Katja Maerker vom Umweltamt. Das ist ein Regen, der statistisch gesehen nur alle zehn Jahre fällt. Dabei entstehen oft Schäden an Häusern. Zwar hat Dresden für den Hochwasserschutz klare Konzepte. Für Starkregen aber nicht. 

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Die Fakten: Fast 6.000 Euro Schaden am Haus

Zwei- bis dreimal jährlich fällt Starkregen, im extremen Jahr 2002 sogar fünfmal, erklärt sie. Das hat die Analyse der seit 1996 vorliegenden Daten ergeben. In diese Kategorie ordnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) Niederschlag ein, wenn in einer Stunde mindestens 25 Liter je Quadratmeter oder 35 Liter in sechs Stunden fallen. Die Schäden sind enorm. Schließlich sind im Gegensatz zu DDR-Zeiten nicht mehr Kohlen, Holz oder Gerümpel, sondern teure Heizungsanlagen, Saunen oder andere Haustechnik in Kellern untergebracht. Durchschnittlich entsteht dabei an jedem betroffenen Dresdner Haus ein Schaden von 5.953 Euro, ergab eine Analyse. 

Das Projekt, an dem sich unter anderem die Stadtentwässerung und die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) beteiligen, soll bis Mitte 2022 abgeschlossen werden. Dabei gibt es drei Ziele, erklärt die Diplom-Geografin. Bestimmt werden sollen überschwemmungsfährdete Gebiete Dresdens. Zudem wird ermittelt, welche Gefahren den verschiedenen Gebäudetypen drohen. Dadurch sollen Eigentümer motiviert werden, ihre Gebäude für solche Fälle zu schützen.

Das Stadtgebiet: Gefährdete Bereiche abstecken

Der DWD Klotzsche liefert flächendeckende Informationen über Starkregen zwischen 2001 und 2018. Sie stammen aus dem Regenradar, das der Wetterdienst an seiner Dresdner Station betreibt. Diese Übersicht soll künftig Interessenten auf der Internetseite der Stadt www.dresden.de zur Verfügung stehen. „So können sie sich einen Überblick über besonders betroffene Gebiete verschaffen“, sagt sie. 

Schließlich regnet es in den Stadtteilen Dresdens oft sehr unterschiedlich. Einen besonders extremen Fall hatte es im Sommer 2009 gegeben. Am 9. Juni kamen binnen einer Dreiviertelstunde in Lockwitz 44 Liter je Quadratmeter vom Himmel herab. Das entspricht fast einem hundertjährlichen Regen. Nur zweieinhalb Kilometer entfernt wurden in Nickern hingegen nur acht Liter gemessen.

Die Unterschiede macht auch der jüngste Starkregen am 30./31. August deutlich. Während in Obergorbitz knapp 77,7 Liter je Quadratmeter gemessen wurden, waren es in Schönfeld nur 37,7 Liter. Tendenziell regnet es laut langjähriger Statistik im Dresdner Westen ohnehin mehr.

Die Gebäude: Welche Gefahren drohen bei Starkregen?

Bauingenieure der HTW unterteilen zudem die Wohngebäude in verschiedene Kategorien. Dabei gehe es um die Art des Gebäudes und um sein Alter. Dafür werden dreidimensionale Modelle für drei Testgebiete in Klotzsche, Striesen und Löbtau erstellt. Diese 3-D-Stadtmodelle sollen ab Ende Oktober ebenfalls auf der Stadtseite zu sehen sein. 

So sieht das 3-D-Stadtmodell für das Testgebiet in Klotzsche aus. Links verläuft die Karl-Marx-Straße, unten die Königsbrücker Landstraße. Anhand der Farben ist erkennbar, in welche Kategorie die Gebäude eingestuft werden.
So sieht das 3-D-Stadtmodell für das Testgebiet in Klotzsche aus. Links verläuft die Karl-Marx-Straße, unten die Königsbrücker Landstraße. Anhand der Farben ist erkennbar, in welche Kategorie die Gebäude eingestuft werden. © Ansicht: Stadtverwaltung Dresden

Die Gefahren werden von vielen Grundstücksbesitzern unterschätzt, obwohl sie selbst dafür verantwortlich sind. Vor allem in älteren Häusern, wo einst Waschküchen waren, führen Abflüsse ohne zusätzlichen Schutz aus Kellern direkt in den Kanal. Regnet es stark und staut sich dort das Ab- und Regenwasser, steigt es oft im Kanalschacht bis kurz unter die Straße. Möglich ist das auch bei Verstopfungen im Kanal oder Ausfällen von Pumpwerken. Durch den ungeschützten Hausabfluss kann das Wasser den Keller überfluten – im Extremfall bis an die Decke. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich fast 2.000 Betroffene bei der Stadtentwässerung gemeldet. 

Hauseigentümer können anhand der Modelle konkrete Berechnungen für potenzielle Schäden für ihren Gebäudetyp durchführen, erläutert Maerker. Beispielsweise kann künftig gezeigt werden, wie hoch das Wasser am Kellerfenster steht oder was geschieht, wenn keine Rückstauklappe im Abflussrohr eingebaut ist, die das Wasser in den Kanal zurückdrückt. Ohne Rückstauklappe könnte der Schaden beispielsweise 16.000 Euro hoch sein. Setzt er bei der Berechnung hingegen den Haken an die Rückstauklappe, da sie vorhanden ist, erscheint dort 0 Euro.

So sah es im Juli 2019 nach einem Starkregen im Keller eines Hauses in Klotzsche aus. Es gibt durchaus Möglichkeiten, solche Räume vor einer Überflutung zu schützen.
So sah es im Juli 2019 nach einem Starkregen im Keller eines Hauses in Klotzsche aus. Es gibt durchaus Möglichkeiten, solche Räume vor einer Überflutung zu schützen. © Foto: Stadtentwässerung Dresden

Die Umfrage: Erfahrungen zu Schäden gefragt

Derzeit führt die Stadt unter www.dresden.de/umfrage-starkregen eine anonyme Bürgerumfrage durch. Auf einem Online-Formular möchte das Umweltamt von Betroffenen gern mehrere Angaben zu Schäden bei Starkregen haben. Das dauere etwa drei Minuten. Die Angaben sollen genutzt werden, um Schwerpunkte in Dresden zu ermitteln.

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Mit ihrem Wawur-Projekt will die Stadt Eigentümern auch Tipps geben, wie sie sich besser schützen können. Dabei gibt es einfache Lösungen: Nicht benötigte Abflüsse könnten fachgerecht verschlossen werden. Schon ist das Problem gelöst. Ansonsten könnte eine Rückstauklappe ins Abflussrohr eingebaut werden. Drückt das Wasser aus dem Kanal zurück, kann nichts mehr in den Keller hinein - allerdings auch nichts abfließen. Deshalb dürfen Regenrohre auch nicht hinter der Rückstauklappe angeschlossen werden.

Eine einfache Klappe ist schon für 200 Euro zu haben, eine elektrisch geregelte für Keller mit Toilette kann hingegen bis zu 1.500 Euro kosten. In einem Fall hilft aber auch das nichts. Wenn Hausbesitzer das Regenrohr an diesen Abfluss angeschlossen haben. Dann flutet zwar nicht das Wasser von unten, aber von oben in den Keller. „Wichtig ist aber auch eine regelmäßige Wartung der Rückstauklappe, um Schäden zu vermeiden“, erklärt Maerker.

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