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Missbrauchsprozess in Dresden: „Er war witzig“

Ein 38-Jähriger hat sich vielfach an Kindern und auch Babys vergangen. Er soll auch Betreiber von Onlineforen für Pädophile gewesen sein.

Alexander B., hier mit seinem Verteidiger Carl-Christian Roß (r.) hat am Dienstag einen Großteil der Missbrauchsvorwürfe gestanden.
Alexander B., hier mit seinem Verteidiger Carl-Christian Roß (r.) hat am Dienstag einen Großteil der Missbrauchsvorwürfe gestanden. © Alexander Schneider

Dresden. Was die Anklage einem 38-Jährigen aus Niederau bei Meißen vorwirft, ist erschütternd. Alexander B. soll sich seit vielen Jahren immer wieder an Kindern vergangen und sich dabei auch gefilmt haben. Darüber hinaus habe er bereits seit 2010 Online-Foren Betrieben, auf denen Pädophile Videos und Fotos austauschten. Dabei habe er andere Täter dazu angestiftet, selbst Kinder zu missbrauchen.

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B. sitzt seit Mai vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Vor der Jugendschutzkammer des Landgerichts Dresden muss er sich nun unter anderem wegen schweren sexuellen Missbrauchs und bandenmäßigem Verbreiten von Kinderpornografie verantworten. Zu den Opfern gehören zwei Mädchen, die zur Tatzeit sieben und acht Jahre alt waren, sowie zwei Säuglinge, die Kinder von Cousinen des Angeklagten. Ein Baby war zur Tatzeit gerade erst fünf Monate auf der Welt. Außerdem habe er eine 91-jährige Frau aus Weinböhla in ihrer Wohnung überfallen und 100 Euro geraubt.

Der Fall ist spektakulär: Erstmals steht ein Missbrauchs-Täter vor einem Dresdner Gericht, der auch in der illegalen Szene rund um Pädophilen-Tauschbörsen im sogenannten Darknet aktiv gewesen sein soll. Der Angeklagte sei über internationale Polizeiarbeit ins Visier der Ermittler, sagte Oberstaatsanwältin Ulrike Markus.

Am Dienstag, dem zweiten Sitzungstag hat B. einen Großteil der Vorwürfe in einer mehrstündigen Einlassung gestanden. Zuvor hatte sein Verteidiger Carl-Christian Roß betont, seinem Mandanten ginge es nicht darum, sich selbstherrlich zu präsentieren, sondern sich den Taten zu stellen. Er werde daher alle Fragen beantworten, das sei eine „wohlüberlegte Entscheidung“.

„Spontane“ Taten?

Tatsächlich beschrieb B., wie es – aus seiner Sicht – zu den Taten gekommen sei. Danach seien es zunächst keine geplanten Übergriffe gewesen, sie hätten sich „spontan“ ergeben. Er wisse seit dem Alter von 15, 16 Jahren, dass er eine pädophile Neigung habe. Etwa 2013 habe er ein sieben Jahre altes Mädchen auf Usedom missbraucht, die Tochter eines Freundes. B. habe damals auf der Ostsee-Insel gelebt. Zu der Mutter habe er einen guten Kontakt gehabt, sodass sie ihr Kind mehrfach habe bei ihm übernachten lassen. Schon ab dem zweiten Mal habe er das Mädchen missbraucht und die Tat auch gefilmt.

Spätestens 2017 hat B. wieder in Niederau gelebt, wo er auch aufgewachsen ist. Damals lud er jeweils seine Cousinen zu sich ein. Beide hatten kurz zuvor Kinder entbunden und sich gefreut, B. zu treffen. Er habe nicht gedacht, dass er die Säuglinge in Lebensgefahr gebracht habe, sagte B. – das aber ist wohl die Einschätzung eines Rechtsmediziners, der am Dienstag in nichtöffentlicher Sitzung anhand der Videos sein Gutachten erstattete.

Kein Verdacht geschöpft

„Er war witzig“, sagte eine der Mütter als Zeugin über ihren Cousin. Was die Frauen nicht ahnten: B. hatte sie jeweils mit seinem Hund auf eine Gassi-Runde geschickt – und unterdessen die Babys missbraucht. Der Cousin habe sie mit der Begründung, er könne aufgrund einer Operation am Knie nicht gut laufen, gebeten, seinen Hund, angeblich einen Jack Russel Terrier, auszuführen. Offenbar hatte er die Frauen mehrfach angerufen, um sicher zu sein, dass sie ihn nicht überraschen. "Statusabfragen" nannte das Rechtsanwältin anne Krause, die beiden Mütter als Nebenklägerinnen in dem Prozess vertritt.

Die Frauen, Schwestern, wussten nicht viel über ihren Cousin zu sagen, nur dass er Musik mache. Er habe nicht viel von sich erzählt. Die Mütter machen sich bis heute schwere Vorwürfe, dass sie ihre Babys bei B. gelassen hatten. Sie hätten jedoch keinen Verdacht geschöpft, dass mit dem Mann, der ein paar Jahre älter ist als sie, etwas nicht stimmen könnte.

Prozessbeobachter erlebten einen Angeklagten, der sich auch heiklen, peinlichen Fragen stellte, der gut reden und sich gut darstellen kann. Ob man ihm jedoch abnehmen kann, wie zufällig und unbeabsichtigt er etwa an die Kinder gekommen sein will, ist eine andere Frage. Der 38-Jährige, der weder Arbeit noch Beruf hat, konnte sich am Dienstagvormittag in seiner gut dreistündigen Einlassung jedoch nicht zu allen Vorwürfen äußern. Er wird seine Einlassung daher an einem späteren Sitzungstag fortsetzen.

Alexander B. hat auch gestanden, 2010 bis etwa 2014 mit einem Komplizen ein Pädophilen-Forum namens „Lovezone“ betrieben zu haben. Den Mann habe er schon 2005 in einem einschlägigen Chatforum kennengelernt. Der Mittäter wurde jedoch bereits 2012 in Hessen zu einer Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren verurteilt. In diesem Prozess soll er nun auch als Zeuge gehört werden.

Ein Urteil in dem Prozess ist für Mitte März geplant.

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