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Großer Aufwand am Glockenspielpavillon

Die Sanierung der Fassade des Dresdner Zwingerbaus dauert länger als geplant. Warum die Arbeiten so aufwendig sind.

Die Fassade des Glockenspielpavillons wird restauriert. Aus dem Sandstein muss das eingedrungene Salz entfernt werden.
Die Fassade des Glockenspielpavillons wird restauriert. Aus dem Sandstein muss das eingedrungene Salz entfernt werden. © René Meinig

Dresden. Noch immer stehen am Glockenspielpavillon im Dresdner Zwinger Gerüste, die mit Planen verhüllt sind. Im Juni vergangenen Jahres war mit dem Aufbau begonnen worden. Eigentlich sollten die Gerüste Ende 2020 verschwunden sein. Doch sie können noch nicht abgebaut werden.

Die Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten an der Fassade und an den Skulpturen der Hermen sind noch nicht abgeschlossen, teilt Sprecher Alwin-Rainer Zipfl vom Staatsbetrieb Sächsisches Immobilien- und Baumanagement (SIB) mit. Die aufwendigen Arbeiten können erst im Frühjahr beendet werden.

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Sie sind dringend nötig. Schließlich ist der Glockenspielpavillon mittlerweile fast 302 Jahre alt. Der Bau des Zwingers hatte 1709 damit begonnen, dass August der Starke für seine Orangerie Terrassen mit Mauern und einer Treppe am Wall angelegt hatte. Damit die Bäume überwintern können, werden zwischen 1710 und 1712 zuerst die Bogengalerien beiderseits des Wallpavillons gebaut. 1713 bis 1715 folgen dann die Langgalerien, in deren Mitte dann das Kronentor kommt.

Im September 1719 will Kurprinz Friedrich August die habsburgische Kaisertochter Maria Josepha heiraten. Zur Fürstenhochzeit soll der Zwinger fertig sein. Ende 1718 entschließt man sich, die Wallseite weitgehend zu kopieren. Auf der Stadtseite des Zwingers entstehen binnen eines Dreivierteljahrs der Deutsche, der Porzellan- und der Glockenspielpavillon sowie die benachbarten Galerien. Teile davon allerdings nur in Holz, weil man es einfach nicht schaffte.

Am Anfang ist im Obergeschoss des Glockenspielpavillons noch der Mathematisch-Physikalische Salon (MPS). Doch zwischen 1746 und 1750 werden die Sammlungen neu geordnet. So zieht der MPS in die Langgalerie neben dem Kronentor, wo er noch heute ist.

Weitere Arbeiten am Zwinger sind nötig

Nach der politischen Wende profitiert auch der Glockenspielpavillon vom umfassenden Investitionsprogramm des Freistaates für den Zwinger. Im Zuge der Sanierung der benachbarten Porzellansammlung zwischen 1998 und 2002 wird er ebenfalls restauriert. Dafür werden insgesamt rund 18,4 Millionen Euro investiert.

Doch mittlerweile sind weitere Arbeiten an der feingliedrigen barocken Sandsteinfassade nötig. Denn die bietet viel Angriffsfläche für Wind und Wetter. Im Juni vergangenen Jahres sind die Gerüste aufgebaut worden. Zuerst wird die Fassade schonend gereinigt. Sehr aufwendig ist die Entfernung des Salzes, das in die Sandsteinflächen und in die Skulpturen eingedrungen ist. Das Salz wird mit Zellstoffkompressen entfernt, die mit reinem Wasser getränkt sind. Sie ziehen das Salz aus dem Stein. Vier bis sechs Wochen dauert eine Runde. Danach wird gemessen, wie viel Salz noch im Stein ist. „Bisher waren drei Entsalzungszyklen erforderlich“, erklärt Sprecher Zipfl. Teilweise muss noch ein vierter Zyklus ausgeführt werden. Deshalb liegen derzeit noch Kompressen auf den Oberflächen.

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Letztlich wird eine Silikonharzlasur aufgetragen, die zwar luftdurchlässig ist, aber vor Wind und Wetter schützt. Damit sind schon über drei Viertel der Sandstein-Oberflächen im Zwinger behandelt worden. Parallel zu den Sandstein-Arbeiten setzen Tischler die Fenster instand. So wurden Beschläge wieder gängig gemacht und anschließend Holz- und Metallteile neu beschichtet. Für die Arbeiten am Glockenspielpavillon investiert der SIB rund 140.000 Euro.

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