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Grüne Welle für Dresdner Radler?

Die Grünen wollen freie Fahrt für Dresdner Radler - auch bei der Ampelschaltung. Die Reaktionen darauf sind gespalten. Die Pläne im Überblick.

Hier entlang der Fetscherstraße könnte bald eine grüne Welle für Radler entstehen.
Hier entlang der Fetscherstraße könnte bald eine grüne Welle für Radler entstehen. © Christian Juppe Photography

Dresden. Die Grünen-Stadträtin Ulrike Caspary kommt etwas zu spät zum Termin. Sie steigt vom Rad und witzelt: "Das lag bestimmt an der roten Welle." Damit kritisiert sie die Ampelschaltung in Dresden, die zwar den Autoverkehr flüssig fahren lasse, den Radler aber oftmals ausbremse. Das will die Grünen-Fraktion nun ändern. Ulrike Caspary hat einen Antrag im Stadtrat gestellt. Der Vorschlag: eine Grüne Welle für Radler an drei Dresdner Standorten. Was genau geplant ist.

Wo soll die Grüne Welle entstehen?

Die Fraktion Bündnis 90/Grüne hat verschiedene Möglichkeiten im Visier. Eine davon umfasst die Fetscherstraße in der Johannstadt. Von der Waldschlösschenbrücke bis zum Comeniusplatz sollen Radlerinnen durchgängig freie Fahrt bekommen. Auch auf der B170 zwischen dem Albertplatz und dem Fritz-Löffler-Platz könnte der Partei zufolge eine Grüne Welle entstehen. Vom Neustädter Bahnhof bis zum Bahnhof Mitte sei bereits teilweise eine Grüne Welle installiert worden, dort fehle es aber an einem geeigneten Radweg.

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Weitere geeignete Standorte sieht die Partei entlang der Güntz- und Lennéstraße sowie entlang der Freiberger Straße. Die Grünen haben sich bei den Vorschlägen an das Radschnellwegekonzept der Stadt im Verkehrsentwicklungsplan 2025+ gehalten. Der ADFC Dresden schlägt ferner eine Grüne Welle entlang der Alaunstraße bis zur Albertbrücke vor, sowie zwischen Fritz-Reuter-Straße und Bischofsweg.

Wie genau soll die radfreundliche Ampelschaltung umgesetzt werden?

Eine Grüne Welle für Radler gibt es bereits in Bremen oder Kopenhagen. Mehrere Ampeln richten sich nach der Geschwindigkeit der Fahrradfahrer, sodass man auf der Hauptverkehrsroute freie Fahrt hat.

Ulrike Caspary wünscht sich außerdem Zeittafeln wie in Kopenhagen. Sie zeigen an, wie sehr man sich beeilen muss, um die Grünphase an der nächsten Kreuzung zu erwischen. Die Partei stellt aber die Bedingung, dass durch die Grüne Welle der öffentliche Verkehr nicht ausgebremst werden darf.

Was spricht für die Grüne Welle für Radlerinnen?

Radfahren ist gesund, gut fürs Klima, und verursacht weniger Feinstaub, fasst Timo Frahm von der Grünen Jugend zusammen. Er hat den Antrag mit ausgearbeitet. So gebe es immer mehr Menschen in Deutschland, die auf das Rad umsteigen. Die Radfahrer wollen aber schnell vorankommen - auch mit dem E-Bike. Eine Grüne Welle locke möglicherweise noch mehr Menschen aufs Rad, sagt Frahm.

Der ADFC Dresden begrüßt den Vorstoß. Geschäftsführer Edwin Seifert erklärt, dass Radler dazu tendieren, häufig über Rot zu fahren, weil die Ampelschaltung an jeder Kreuzung ausbremse. Für eine Grüne Welle sei aber ein Paradigmenwechsel in Dresden nötig. "Technisch ist das möglich. Größere Schwierigkeiten sehen wir hier nicht, auch eine Harmonisierung mit dem ÖPNV lässt sich sicher herstellen."

Sie wollen die Grüne Welle in Dresden (v.l.n.r.): Tom Fabian Knebel (Stadtbezirksbeirat Altstadt), Timo Frahm (Grüne Jugend Dresden) und Ulrike Caspary (Stadträtin und Sprecherin für Rad- und Fußverkehr).
Sie wollen die Grüne Welle in Dresden (v.l.n.r.): Tom Fabian Knebel (Stadtbezirksbeirat Altstadt), Timo Frahm (Grüne Jugend Dresden) und Ulrike Caspary (Stadträtin und Sprecherin für Rad- und Fußverkehr). © Matthias Schüssler

Welche Herausforderungen gibt es?

Das Schwierige an einer Grünen Welle ist die Geschwindigkeit, erklärt ADAC-Sprecher Markus Löffler. Anders als Autofahrer sind die Radler unterschiedlich schnell in der Stadt unterwegs - so gibt es den zügigen Raser, den gemütlichen Bummler und den schnellen E-Bike-Fahrer. Zwischen 15 und 25 Kilometer pro Stunde fährt ein Radfahrer für gewöhnlich. "Man wird nicht die richtige Geschwindigkeit finden, die jeden Radler glücklich macht", erklärt der ADAC-Sprecher.

Die grüne Ampelschaltung müsste also irgendwo dazwischen liegen. Welche Geschwindigkeit dafür am besten geeignet sei, soll bei einem Verkehrsversuch in Dresden erprobt werden, so die Grünen-Fraktion.

Was wird kritisiert?

"Ich lehne die Grüne Welle für Radler ab", sagt der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion Veit Böhm. "Es ist mal wieder der Versuch, Radfahrer gegen Autofahrer auszuspielen. Wenn dieser Vorschlag umgesetzt wird, werden wichtige Hauptverkehrsadern unserer Stadt nicht nur drastisch ausgebremst, sondern faktisch lahmgelegt."

ADAC-Sprecher Markus Löffler fände es besser, wenn Radrouten entlang verkehrsberuhigter Nebenstraßen verliefen, dann gäbe es auch keine langen Ampelphasen an den Kreuzungen.

Die Grünen-Stadträtin Ulrike Caspary verweist hier auf die Forderung in der Straßenverkehrsordnung: "Die Flüssigkeit des Verkehrs ist mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erhalten." Meist sei damit aber nur der Autoverkehr gemeint.

"Wenn wir wirklich eine Verkehrswende wollen, um das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen, müssen wir aufhören, das Auto zu bevorzugen", sagt Timo Frahm. Der Fußverkehr sowie der öffentliche Personennahverkehr sollten aber weiterhin Vorrang haben.

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