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Gymnasium Klotzsche will sieben 5. Klassen aufnehmen

Schuleiter Frank Haubitz will keine Schüler ablehnen, weil die 179 Anmeldungen alle aus dem Dresdner Norden kommen. Was der Schulbürgermeister dazu sagt.

Porträt Frank Haubitz, Schulleiter vom Gymnasium Klotzsche.
Porträt Frank Haubitz, Schulleiter vom Gymnasium Klotzsche. © Sven Ellger

Dresden. Für Eltern ist das Frühjahr eine aufregende Zeit. Bekommt mein Kind den Platz an der weiterführenden Schule, für den es sich beworben hat? Erst Anfang Juni erhalten die Familien durch einen Brief Gewissheit, ob es geklappt hat oder dem Kind nur der Zweit- oder Drittwunsch erfüllt wird.

Frank Haubitz will dieses Jahr einen außergewöhnlichen Weg gehen. Der Schulleiter des Gymnasiums Klotzsche hat 179 Anmeldungen für die künftigen fünften Klassen erhalten, das wären sieben Züge. Laut Schulnetzplan dürfte er nur fünf Klassen pro Jahrgang bilden. Doch Haubitz sieht an seinem Haus gute Chancen, alle angemeldeten Kinder aufzunehmen. "Wir haben sowohl in der jetzigen Auslagerungsschule im Schulcampus Pieschen, als auch im gerade neu entstehenden Gymnasium Klotzsche die räumlichen Möglichkeiten dafür", sagt der Schulleiter.

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Dazu kommt, dass in den neunten und zehnten Klassen jeweils nur vier Züge lernen. Damit wäre weiterer Platz da. Auch im Hinblick auf zusätzlich notwendige Lehrer und Fachkabinette hat Haubitz keine Bedenken. "Das würden wir organisatorisch hinbekommen", ist sich der erfahrene Direktor sicher.

Ausschlaggebend für sein Engagement ist, dass alle angemeldeten Kinder aus dem Dresdner Norden kommen, ein sehr kleiner Teil auch aus Radeburg, Ottendorf-Okrilla oder Medingen. Würden sie an andere Gymnasien umgeleitet, hätten die Kinder einen sehr langen Schulweg.

Wer will lange Fahrtwege in Kauf nehmen?

Dass im Dresdner Norden nicht erst jetzt Plätze an Oberschulen und Gymnasien fehlen, weiß Maja Schefczyk ganz genau. Sie ist seit anderthalb Jahren Elternratsvorsitzende am Gymnasium Klotzsche und hatte dieses Amt zuvor auch an der 50. Grundschule inne. "Wir weisen seit mehreren Jahren darauf hin, dass die Zahlen im Schulnetzplan immer zu optimistisch gerechnet sind und es zu wenig Plätze gibt. Der Norden ist für Familien besonders attraktiv, er wird weiter Zuzugsgebiet sein. Deshalb muss sich in der Schullandschaft etwas tun", sagt die dreifache Mutter. Ein Antrag für die Gründung einer Gemeinschaftsschule im Dresdner Norden ist eingereicht. Unterstützung dafür kam bereits aus Ortschafts- und Stadtbezirksbeiräten.

Maja Schefczyk hofft, dass Schulleiter Haubitz mit seinem Vorschlag für die sieben fünften Klassen Gehör beim Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) sowie bei Schulbürgermeister Jan Donhauser (CDU) findet. "Es ist eine enorme Belastung für Familien, wenn die Kinder für einen Schulweg über 60 Minuten benötigen. Und in Coronazeiten hat das Thema nochmal besondere Brisanz gewonnen", sagt sie.

Schulbürgermeister Dohnhauser steht der Problematik offen gegenüber. "Ich will hier keinesfalls schon Türen zuschlagen", sagt er. Noch in dieser Woche würden Gespräche zwischen dem Schulleiter, dem Lasub und dem Schulverwaltungsamt beginnen. "Darin müssen wir uns das Raumprogramm in Klotzsche genau anschauen, das Lasub muss die Lehrerzahl analysieren und welche Auswirkungen die zusätzlichen Schüler später auf das Kurssystem haben", sagt Donhauser. "In den Beratungen müssen wir das Denkmodell von Frank Haubitz weiterentwickeln. Was nicht geht, ist, in drei, vier Jahren festzuzustellen, dass da was nicht passt."

Auch Petra Nikolov, die Sprecherin des Lasub, verweist auf die konkreten Abstimmungen zwischen dem Schuleiter, ihrer Behörde und dem Schulverwaltungsamt, die gerade beginnen. "Die Anmeldezahl vom Gymnasium Klotzsche, welche Ihnen Herr Haubitz mitgeteilt hat, gibt noch keine Auskunft zu Entscheidungen bezüglich der Klassenbildung und Schulaufnahme", sagt sie. Die Eltern würden aber am 11. Juni eine schriftliche Information über die Aufnahme an den weiterführenden Schulen erhalten.

Was wird aus Wiederholern?

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Frank Haubitz hat bereits eine Auskunft vom Lasub erhalten. "Ich kann sechs Züge aufnehmen." Aber das helfe ihm nicht weiter, denn dann müsste jede Klasse mit 28 Schülern besetzt werden. "Was wird aber in dem Fall mit den Wiederholern?", fragt er. Davon werde es garantiert einige geben. Und die will er nicht auf andere Schulen schicken. Es bleibt also spannend im Dresdner Norden.

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