merken
PLUS Dresden

Dresden: Mehr Trinkwasser für wachsende Stadt

Am Fischhausgelände wird Dresdens ältester Hochbehälter durch einen Neubau ersetzt. Bei der ersten Kammer gab es einen besonderen Test.

Ein Blick auf den neuen Hochbehälter an der Fischhausstraße. Dort können 18.800 Kubikmeter Trinkwasser gespeichert werden.
Ein Blick auf den neuen Hochbehälter an der Fischhausstraße. Dort können 18.800 Kubikmeter Trinkwasser gespeichert werden. © René Meinig

Dresden. Die Großstadt wächst. Deshalb ist das Fischhausgelände der Drewag schon seit über drei Jahren eine Großbaustelle. Die Drewag investiert mehr als 13 Millionen Euro, um eine noch leistungsfähigere Trinkwasserversorgung für das rechtselbische Stadtgebiet auszubauen. 

Dort wird ein neuer großer Hochbehälter gebaut. Das ist auch nötig. Wurden 2011 täglich im Durchschnitt noch 102.000 Kubikmeter Trinkwasser in Dresden verbraucht, so waren es im vergangenen Jahr bereits 121.000 Kubikmeter. Der diesjährige Verbrauchsrekord liegt bei 156.000 Kubikmetern. 

StadtApotheken Dresden
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da

Die Stadt Apotheken Dresden unterstützen Sie bei einer gesunden Lebensweise und stehen Ihnen sowohl mit präventiven als auch mit therapeutischen Maßnahmen, Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zur Seite.

Der Auftakt: Hochbehälter Saloppe abgerissen

Da sich die Stadtwerke für die Zukunft der Trinkwasserversorgung rüsten, musste Dresdens ältester zentraler Hochbehälter den Abbruchbaggern weichen, um Platz für einen Neubau zu schaffen. 1875 fertiggestellt, bekam er in 161 Metern Höhe sein Wasser aus der Saloppe, dem ersten zentralen Wasserwerk der Stadt.

Der Hochbehälter Saloppe hatte schon Schäden. Deshalb wurde er ab März 2017 binnen eines Jahres abgerissen. Zum Schluss wurde er ohnehin nur noch genutzt, um die Mikroelektronik-Industrie im Dresdner Norden mit sogenanntem Rohwasser zu versorgen, das nicht zum Trinken aufbereitet wurde.

Dennoch werden große Teile der Dresdner Neustadt vom Fischhausgelände, dem Dreh- und Angelpunkt der rechtselbischen Wasserversorgung, weiter beliefert. Dafür sorgt der benachbarte, fünf Meter höher liegende Hochbehälter Hosterwitz. Seit 1908 dient er als Speicher für das Wasserwerk am östlichen Stadtrand.

Der Test: Neubau muss vollkommen dicht sein.

Für den neuen Hochbehälter werden seit Mai 2019 zwei Wasserkammern gebaut. Die Arbeiten liegen im Zeitplan. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt Drewag-Projektleiter Martin Kayser. Der Rohbau der ersten Wasserkammer, der 9,4 Millionen Liter fasst, stand im April. Von Mitte Juli bis Mitte August wurde sie schrittweise mit Wasser befüllt. 

Dann kam der 48-stündige Härtetest, ob das Bauwerk dicht ist. Das wurde mit einem sogenannten Stechpegel gemessen, der den Wasserstand bis zu 0, 1 Millimeter genau erfasst. „Es gab überhaupt keine messbaren Verluste“, erklärt Kayser.

Mit diesem speziellen Stechpegel wurde in der neuen Wasserkammer gemessen, ob der Wasserstand konstant bleibt oder ob es Verluste gibt. Das Bauwerk war dicht.
Mit diesem speziellen Stechpegel wurde in der neuen Wasserkammer gemessen, ob der Wasserstand konstant bleibt oder ob es Verluste gibt. Das Bauwerk war dicht. © Foto: SZ/Peter Hilbert;

Weit fortgeschritten ist auch der Bau der zweiten Wasserkammer, in der der Beton jetzt ausgetrocknet ist. So konnten die 240 Traggerüste, die die Decke stützten und rund 200 Tonnen wiegen, seit September abgebaut werden.

Ende Oktober sollen die Rohbauarbeiten dort abgeschlossen werden, sodass Richtfest gefeiert werden kann. Dann wird diese Kammer genauso wie zuvor ihr Nachbar befüllt und auf Dichtheit getestet.

Das sind die Traggerüste aus der zweiten Wasserkammer, die jetzt abgebaut werden konnten.
Das sind die Traggerüste aus der zweiten Wasserkammer, die jetzt abgebaut werden konnten. © Foto: SZ/Peter Hilbert;

Das besondere Dach: Schaumglas lässt nichts durch

Das Lebensmittel Trinkwasser muss aber auch von oben sehr gut geschützt werden. Deshalb werden über der Decke nicht nur die üblichen Dichtungen aufgebracht, erläutert der Projektleiter. Bautenschutz-Spezialisten einer thüringer Firma verlegen derzeit eine besondere Dämmschicht. Dabei werden Platten aus sogenanntem Schaumglas verlegt, die mit heißem Bitumen vergossen werden, erklärt Kayser.

Bei dem Material handelt es sich um geschmolzenes, aufgeschäumtes Glas, das für solche technischen Anlagen eingesetzt wird. Es ist wasserdicht und auch dicht gegen Wasserdampf und chemische Stoffe. Über dieser Dämmung kommt Erde, auf der Rasen angesät wird.

Auf dem Dach der Wasserkammer verlegt Sebastian von Nordheim Schaumglasplatten auf den frisch aufgebrachten heißen Bitumen.
Auf dem Dach der Wasserkammer verlegt Sebastian von Nordheim Schaumglasplatten auf den frisch aufgebrachten heißen Bitumen. © Foto: SZ/Peter Hilbert;

Der Technikbau: Große Absperrklappen regeln den Abfluss

Neben den Wasserkammern steht das neu gebaute Technikgebäude, in das derzeit die hydraulische Ausrüstung installiert wird. Dazu zählen unter anderem Rohre, Armaturen mit Absperrklappen, die einen Durchmesser von 60 Zentimetern haben, sowie die Steuer- und Regelungstechnik. Ende Oktober kann dort damit begonnen werden, die Elektrotechnik zu installieren.

Drewag-Projektleiter Martin Kayser zeigt eine eingebaute Absperrarmatur im Technikgebäude. Die Absperrklappe ist 60 Zentimeter hoch.
Drewag-Projektleiter Martin Kayser zeigt eine eingebaute Absperrarmatur im Technikgebäude. Die Absperrklappe ist 60 Zentimeter hoch. © Foto: SZ/Peter Hilbert;

Die Inbetriebnahme: Labor testet das Wasser

Von Februar bis Mitte März nächsten Jahres wird der neue Hochbehälter schrittweise in Betrieb genommen. Sind die Rohre und Wasserkammern gründlich gereinigt und desinfiziert, werden sie befüllt. 

Dabei müssen die Dichtheit der jeweils 9.400 Kubikmeter fassenden Wasserkammern, die Hygiene und die gesamte Technik überprüft werden. Getestet wird in dem Zuge die manuelle und automatisierte Steuerung vor Ort als auch die Übermittlung der Daten an die zentrale Leitwarte der Drewag.

Ein Blick ins neue Technikgebäude, wo derzeit die hydraulischen Anlagen eingebaut werden.
Ein Blick ins neue Technikgebäude, wo derzeit die hydraulischen Anlagen eingebaut werden. © René Meinig

Das Finale: Alter Hochbehälter hat ausgedient

Nach der Freigabe durch das Labor wird die Versorgung Zug um Zug auf den neuen Behälter umgestellt und der Probebetrieb beginnt. Wird er wie geplant bis Mai kommenden Jahres erfolgreich beendet, hat der alte Hochbehälter Hosterwitz ausgedient. 

Das ist die gerade fertiggestellte zweite Wasserkammer. Im Hintergrund stehen noch zwei Traggerüste. zu sehen. Sie werden benötigt, wenn in diesem Monat die Montageöffnung an der Decke verschlossen wird.
Das ist die gerade fertiggestellte zweite Wasserkammer. Im Hintergrund stehen noch zwei Traggerüste. zu sehen. Sie werden benötigt, wenn in diesem Monat die Montageöffnung an der Decke verschlossen wird. © Foto: SZ/Peter Hilbert;

Später müssen ab Mitte 2022 nur noch die 110 Jahre alten Trinkwasserleitungen in der Fischhausstraße ausgewechselt werden. Wegen der derzeitigen Bauarbeiten auf der Bautzner Straße ist das nicht früher möglich.

 
Mit einem Fassungsvermögen von 18.800 Kubikmetern hat der neue Speicher über 3.000 Kubikmeter Volumen mehr als der alte. Das entspricht dem Fassungsvermögen von 125.000 Badewannen. 

Der neue Behälter wird auch fünf Meter tiefer liegen. Ein enormer Vorteil. Damit ist er genauso hoch wie Dresdens größter Wasserspeicher Räcknitz auf der anderen Elbseite. So wird eine bessere Verbindung zwischen dem rechts- und dem linkselbischen Trinkwassernetz möglich. Dazu gehören ein 2.400 Kilometer langes Leitungssystem sowie 31 Hochbehälter und 30 Pumpwerke. 

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden