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Kindesmissbrauch an Dresdner Schule

Ein 56-jähriger Hausmeister aus Pirna steht vor dem Landgericht Dresden. Sein Fall ist eng mit dem Missbrauchsskandal in Münster verwoben.

Auftakt im Missbrauchsprozess gegen Thomas O. (r.) am Landgericht Dresden.
Der Hausmeister einer Dresdner Oberschule versteckt sein Gesicht unter einer Kapuze. Neben ihm sein Verteidiger Wolfgang Mond.
Auftakt im Missbrauchsprozess gegen Thomas O. (r.) am Landgericht Dresden. Der Hausmeister einer Dresdner Oberschule versteckt sein Gesicht unter einer Kapuze. Neben ihm sein Verteidiger Wolfgang Mond. © Foto: Alexander Schneider

Dresden. Zum Prozessauftakt herrscht Stille. Eben hat die Staatsanwältin die Anklage am Landgericht Dresden verlesen. Manch einer im Saal verdrückt eine Träne. Thomas O., der Angeklagte, hebt nicht einmal den Kopf. Seine graue Kapuze hat er sich tief ins Gesicht gezogen. Was er getan haben soll, fasst die Staatsanwaltschaft unter schwerem sexuellen Missbrauch an Kindern zusammen.

Der Fall von Thomas O. ist nichts für schwache Gemüter. Er offenbart nicht nur die Abgründe der Pädophilie, sondern auch wie gut die Täter vernetzt und deutschlandweit organisiert sind.

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Bis 2020 arbeitet der Angeklagte Thomas O. als Hausmeister einer Oberschule im Dresdner Osten. Für Schüler bietet der 56-Jährige Freizeitaktivitäten am Nachmittag an. In seinem Büro aber spielen sich nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft zwischen 2016 und 2019 ganz andere Szenen ab: Ein zum damaligen Zeitpunkt zwölfjähriger Junge soll sich auf seinen Schoß setzen. Thomas O. massiert ihm den Nacken, lässt seine Hand immer tiefer gleiten bis er ihm "am Geschlechtsteil manipuliert", so die Staatsanwältin. Später habe er dem Jungen Videos von Kindern gezeigt, die sexuell misshandelt worden sind.

"Ich freue mich auf deinen Schlafanzug"

Thomas O. soll auch mit einem bekannten Pädophilen engen Kontakt gehabt haben: Adrian V., ein 28-jähriger IT-Experte aus Münster, der bereits seit November dort vor Gericht steht - gemeinsam mit seiner Mutter sowie drei weiteren Männern. Adrian V. soll sich an dem 2009 geborenen Sohn seiner Lebensgefährtin jahrelang vergangen haben. Auch anderen Pädophilen habe er das Kind zum Missbrauch überlassen. Auch dem Dresdner Schulhausmeister.

Thomas O. soll ab Anfang 2019 von Adrian V. immer wieder Videos erhalten haben, die Vergewaltigungen des Ziehsohns sowie anderer Kinder zeigen. Darunter hatten die Täter Zettel mit zynischen Botschaften platziert: "Alles echt", "Ich vermisse Dich" oder "Ich freue mich auf deinen Schlafanzug", heißt es in der Anklage der Staatsanwaltschaft Dresden.

Schon bald sollen die Männer mehrere Treffen vereinbart haben, bei denen sich Thomas O. auch selbst an dem Kind vergangen habe. Die Missbrauchstaten spielen sich in Ferienwohnungen und Pensionen nahe Klipphausen und Pirna ab. Der Junge muss immer mit, er kriegt Medikamente zur Betäubung. Was ihm dabei erneut angetan worden sein soll, muss nicht bis ins Detail beschrieben werden. Die Verabredungen zu den Taten seien über verschlüsselte Messengerdienste und das sogenannte Darknet, einem anonymen Bereich des Internets, getroffen worden.

Münsteraner überlasst Stiefsohn zur Vergewaltigung

Deutschlandweit habe der Münsteraner Adrian V. Polizeiangaben zufolge schon zahlreichen Pädophilen seinen Stiefsohn angeboten. Die Ermittler haben nach Medienangaben inzwischen 49 mutmaßliche Mittäter enttarnt, bei vielen weiteren ist die Identität noch unbekannt. Neben dem heute elf Jahre alten Stiefsohn von Adrian V. sollen 29 weitere Kinder Opfer geworden sein. Sie wurden teilweise von den eigenen Verwandten zum Missbrauch angeboten.

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Thomas O. sitzt bereits seit August 2020 in Untersuchungshaft – nach Enthüllungen aus Münster. Inwiefern er sich in dem Prozess vor der Jugendschutzkammer äußern will, hat er in den letzten neun Monaten noch nicht entschieden. Der Prozess wird voraussichtlich am 22. Juni fortgesetzt. Insgesamt sind zehn Verhandlungstage bis Ende August veranschlagt.

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