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Höchste Sicherheit für Dresdens Trinkwasser

Die Drewag saniert Dresdens größten Hochbehälter in Räcknitz. Wie die Dresdner davon profitieren.

Oberpolier Ronald Lenk setzt sein Haftzugmessgerät an die Decke des Trinkwasser-Hochbehälters Räcknitz an. Nach der Sanierung wird jetzt geprüft, ob die neue Spezialbetonschicht die nötige Festigkeit hat.
Oberpolier Ronald Lenk setzt sein Haftzugmessgerät an die Decke des Trinkwasser-Hochbehälters Räcknitz an. Nach der Sanierung wird jetzt geprüft, ob die neue Spezialbetonschicht die nötige Festigkeit hat. © Sven Ellger

Dresden. Auf der Räcknitzhöhe brennt die Sonne. Eine Etage darunter steht Ronald Lenk in einer riesigen Halle auf einem Gerüst, im Trinkwasserhochbehälter Räcknitz, der schrittweise saniert wird. Der Oberpolier der Firma Wiedemann setzt das Messgerät an, will die Zugfestigkeit der neuen Betonschicht an der Decke prüfen. Das ist eine der großen Drewag-Baustellen, die sehr wichtig sind. Schließlich braucht Dresden immer mehr Trinkwasser.

Der Bedarf: Verbrauchsrekord im August

Wurden 2011 täglich im Durchschnitt noch rund 102.000 Kubikmeter Trinkwasser verbraucht, so waren es 2015 bereits 112.000 Kubikmeter. Im besonders warmen und trockenen Jahr 2018 ging die Verbrauchskurve mit knapp 118.000 Kubikmetern Trinkwasser noch weiter nach oben, im vergangenen Jahr waren es sogar 121.000 Kubikmeter. Der diesjährige Verbrauchsrekord wurde am 7. August mit knapp 156.000 Kubikmetern erreicht, erklärt Drewag-Sprecherin Nora Weinhold.

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Der Trend liegt hauptsächlich an der Industrie, die stark wächst. So baut Bosch eine neue Mikrochipfabrik im Rähnitzer Gewerbegebiet Airportpark. Schon jetzt benötigt die gesamte Mikroelektronikbranche im Dresdner Norden so viel Wasser, wie das Tolkewitzer Werk aufbereiten kann. Rund 58 Prozent des Wassers verbrauchen Haushalte und Kleingewerbetriebe, knapp 36 Prozent Industrie und Gewerbe. Der Rest wird für öffentliche Einrichtungen, Gärten und die Landwirtschaft benötigt.

Chemielaborant Patrick Wolffersdorff prüft im Labor des Wasserwerks Coschütz die Qualität des Trinkwassers. Es wird auf bis zu 290 Parameter untersucht, darunter auf Krankheitserreger. Sicherheit hat bei diesem Lebensmittel oberste Priorität.
Chemielaborant Patrick Wolffersdorff prüft im Labor des Wasserwerks Coschütz die Qualität des Trinkwassers. Es wird auf bis zu 290 Parameter untersucht, darunter auf Krankheitserreger. Sicherheit hat bei diesem Lebensmittel oberste Priorität. © René Meinig

Das System: 35 Hochbehälter in Dresden

Aufbereitet wird das als Lebensmittel eingestufte Trinkwasser in den Werken Coschütz, Hosterwitz und Tolkewitz und dann in Hochbehältern gespeichert. Mit seinen acht unterirdischen Kammern ist der Räcknitzer der größte der insgesamt 35 Hochbehälter. Insgesamt können dort 60.000 Kubikmeter Wasser gespeichert werden. Das ist etwa ein Viertel des gesamten Fassungsvermögens aller Dresdner Hochbehälter. Versorgt wird damit das linkselbische Dresdner Stadtgebiet zwischen Prohlis und Cossebaude. Diese Räcknitzer Anlage wurde 1929 übergeben.

Drewag-Projektleiter Martin Kayser (l.) freut sich, dass die Sanierung der Doppelkammer fast geschafft ist. Hier inspiziert er mit Projektleiter Toralf Schuppan von der Firma Wiedemann den gewaltigen Raum, der im Oktober wieder mit Wasser befüllt werden s
Drewag-Projektleiter Martin Kayser (l.) freut sich, dass die Sanierung der Doppelkammer fast geschafft ist. Hier inspiziert er mit Projektleiter Toralf Schuppan von der Firma Wiedemann den gewaltigen Raum, der im Oktober wieder mit Wasser befüllt werden s © Sven Ellger

Das Großprojekt: Spezialmörtel für unterirdische Halle

Im vergangenen Jahr hatte die Drewag die erste Doppelkammer saniert. Dafür wurde in den jeweils 60 Meter langen und 5,8 Meter hohen unterirdischen Hallen mit ihren insgesamt 174 Säulen das Wasser abgelassen. Die Decken des 90 Jahre alten Bauwerks wurden dabei neu beschichtet. 

Dieses Jahr kam in der zweiten Runde die nächste Doppelkammer an der Reihe. Allerdings gab es hier ein Problem, erklärt Drewag-Projektleiter Martin Kayser. Das zeigte sich, nachdem im März die alte Mörtelschicht mit einer Wasserstrahlanlage mit Hochdruck entfernt war. Die Deckenfläche wurde mit genau dem Prüfgerät getestet, das Oberpolier Lenk auch jetzt einsetzt. Dabei stellte sich heraus, dass der alte Beton in einigen Bereichen der Decke nicht mehr die nötige Zugfestigkeit von 1,5 Newton pro Quadratmillimeter aufwies. An solche Bauwerke werden extrem hohe Anforderungen gestellt. Schließlich entspricht der geforderte Wert umgerechnet einer Gewichtskraft von 65 Kilogramm auf der Fläche einer Ein-Euro-Münze, erläutert er. „Dort haben wir Edelstahlmatten eingelegt, die mit Edelstahlstiften verankert wurden.“ 

Einige Bereiche der Decke wie dieser wiesen vor der Sanierung nicht mehr die nötige Zugfestigkeit auf. Deshalb wurden sie mit solchen Edelstahlmatten verstärkt, bevor die neue Schicht Spezialmörtel aufgebracht wurde.
Einige Bereiche der Decke wie dieser wiesen vor der Sanierung nicht mehr die nötige Zugfestigkeit auf. Deshalb wurden sie mit solchen Edelstahlmatten verstärkt, bevor die neue Schicht Spezialmörtel aufgebracht wurde. © Foto: Drewag Netz

Danach konnten Paul Vogel und seine Kollegen loslegen. Der 39-jährige Dresdner stand mit der Spritzdüse an einer der beiden Spritzmaschinen. Mit der wurden durch den hohen Druck täglich bis zu sechs Tonnen Spezialmörtel auf die Decke geschleudert und so verdichtet, dass er den Anforderungen einer Trinkwasseranlage entspricht. „Das war sehr hart. Ich musste die ganze Zeit im Schutzanzug unter meinem Helm arbeiten“, sagt der Betonsanierer. So beschichtete er und seine Kollegen rund 3.000 Quadratmeter der Decke neu, was fast der Größe eines Fußballfeldes entspricht. Das war Mitte August geschafft. Seitdem ist die bis zu 3,5 Zentimeter starke Schicht einen knappen Monat lang ausgehärtet.

Die Prüfung: Gerät misst Spitzenwerte

Oberpolier Lenk hat beim Vor-Ort-Termin sein Haftzugmessgerät am zylindrischen Prüfstempel angesetzt, das zuvor fest an die Decke geklebt wurde. Wieder sind mindestens die 1,5 Newton pro Quadratmillimeter gefragt. „Je höher der Wert ist, umso besser ist die Betonqualität“, erläutert der Fachmann, der schon seit Gründung der Dresdner Wiedemann-Niederlassung der Wiesbadener Firma mit dabei ist. Der Thüringer zählt zum Urgestein. Das Display zeigt 1,32, später 2,3 sowie 3,6 und bleibt bei 4,28 Newton stehen, als sich der Prüfstempel von der Decke löst. „Das ist sehr gut“, resümiert Lenk. 

Betonsanierer Paul Vogel protokolliert die Ergebnisse der Prüfung.
Betonsanierer Paul Vogel protokolliert die Ergebnisse der Prüfung. © Foto: SZ/Peter Hilbert

Das war der vorletzte Test an den insgesamt 28 Prüfstempeln in den beiden Hallen. Die Werte zwischen 2,83 und 4,52 Newton lagen deutlich höher als gefordert. Das Rollgerüst rollt zum letzten Test. „3,60“, ruft Lenk seinem Kollegen Vogel zu, der das zur Sicherheit im Protokoll festhält. Elektronisch gespeichert ist der Wert ohnehin. „Die Prüfergebnisse sprechen für eine fachlich hochwertige Ausführung“, resümiert der Drewag-Projektleiter.

Das Finale: Labor muss Betonkerne testen

Zudem hatten die Experten kleine Kerne ausgebohrt, die jetzt im Speziallabor untersucht werden. „Geprüft wird vor allem die Dichtheit. Denn es darf nur möglichst wenig Wasser in die Decke eindringen“, sagt Drewag-Projektleiter Kayser. Beim Lebensmittel Trinkwasser müsse jegliche Verunreinigung verhindert werden. Die Kammern werden noch gereinigt und desinfiziert. Danach werden sie im Oktober wieder mit Wasser befüllt, was noch im Labor geprüft wird. Erst, wenn es die Freigabe erteilt, kann dieser Teil des Hochbehälters wieder in Betrieb genommen werden.

Die Perspektive: 2022 soll alles geschafft sein

Im Dezember will die Drewag den Auftrag für die Sanierung der dritten Doppelkammer erteilen, sodass die Arbeiten im März beginnen können. 2022 sollen dann die letzten beiden riesigen unterirdischen Speicher an die Reihe kommen. Insgesamt investiert die Drewag für die Sanierung des gesamten Hochbehälters Räcknitz rund 3,6 Millionen Euro.

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